Baukultur in Niedersachsen

Nachhaltig bauen – Planung, Finanzierung, Umsetzung

Nicht nur in den Städten ist Wohnraum knapp, auch auf dem Land werden derzeit riesige neue Bauareale erschlossen. Der Zeitdruck sorgt dafür, dass hier nicht immer ausreichend für die Zukunft mitgeplant wird. Dabei können nachhaltige Konzepte dazu beitragen, die Strukturentwicklung langfristig auf einen guten Weg zu bringen. Auch private Bauherren sollten bei ihrem Eigenheim den Blick aufs große Ganze berücksichtigen. Doch was bedeutet nachhaltiges Bauen überhaupt und welche Schritte sind zur Umsetzung notwendig?


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 (Foto: Robert Kneschke - stock.adobe.com)

Nachhaltig zu Bauen bedeutet etwas mehr, als nur auf eine umweltfreundliche Bauweise zu achten oder etwa auf alternative Energiegewinnung zu setzen. Das künftige Gebäude sollte auch im Kontext mit seiner Umgebung gesehen werden. Die Nachbarschaft als öffentlicher Raum wird durch jedes einzelne Haus beeinflusst und mitgestaltet.

Einerseits werden hier verschiedene Vorgaben durch die örtlichen Bauämter erlassen, um für eine sinnvolle Entwicklung zu sorgen. Andererseits stehen die Bauherren selbst in der Verantwortung, im Rahmen der Möglichkeiten entsprechend zu planen. Ein nachhaltiger Ansatz kann hier langfristig für ein wohnens- und lebenswertes Umfeld sorgen.

Nachhaltige Wohnraumentwicklung

Das Land Niedersachsen hat die Wichtigkeit des Themas Nachhaltigkeit erkannt und eine eigene Strategie dazu entwickelt. Die Leitlinien geben den politischen Weg vor, wie die Region für die Zukunft weiterentwickelt werden soll. Drei Schwerpunkte werden dabei grundsätzlich berücksichtigt:

  • Ökologie
  • Ökonomie
  • Soziale Gerechtigkeit

Es wurden verschiedene Handlungsfelder definiert, welche die unterschiedlichsten Bereiche betreffen. Sowohl eine nachhaltige Entwicklung der regionalen Wirtschaft, als auch die Sicherung des gesellschaftlichen Zusammenhalts oder der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen spielen eine zentrale Rolle.

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 (Foto: Christian Schwier - stock.adobe.com)

Ein eigener Punkt beschäftigt sich dabei mit der nachhaltigen Wohnraumentwicklung. Niedersachsen ist in Bezug des Angebots von Wohnraum im Gegensatz zu anderen Regionen relativ gut aufgestellt. In den letzten Jahren konnten gezielte Baumaßnahmen dafür sorgen, die erhöhte Nachfrage besser zu decken. Verschiedene Landkreise wie Vechta oder Cloppenburg zeigten sich dabei laut einer Studie sogar an der bundesweiten Spitze. Nirgendwo sonst war eine ähnlich dynamische Entwicklung zu verzeichnen.

Allerdings ist in den großen Ballungsgebieten wie Hannover, Braunschweig oder Wolfsburg der Wohnraum immer noch knapp. Hier zeigen die Bevölkerungsentwicklung und der demographische Wandel die größten Herausforderungen für einen nachhaltigen Städtebau. Entsprechende politische Maßnahmen können hier dazu beitragen, Investoren anzulocken und die Bautätigkeit anzukurbeln. Eine gezielte Förderung ebnet zudem den Weg für private Bauherren, ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen.

Infrastruktur und Wohnraum sinnvoll planen

Alle drei Schwerpunkte sind bei der nachhaltigen Stadtentwicklung von Bedeutung. Hier ergeben sich die folgenden Themenfelder:

  • Sicherung des sozialen Zusammenhalts und Förderung der sozialen Interaktion: Gemeinschaftlich genutzte private und öffentliche Flächen
  • Multikulturelle und generationenübergreifende Integration: Mehrgenerationenhaus, interkulturelle Nachbarschaft, Begegnungsstätten
  • Erhalt eines gesunden Lebensumfeldes: Grünzonen, Schutz vor Lärm und Abgasen
  • Klimaschutz: Nachhaltiger Umgang mit Energieressourcen, alternative Energiegewinnung
  • Wirtschaftliche Aspekte: Erreichbarkeit wichtiger Infrastruktur (Konsum, Bildung, Arbeit)

Für private Häuslebauer klingen diese Punkte sehr komplex und möglicherweise weit entfernt. Dennoch wirkt sich jedes Bauvorhaben auf seine Weise auch auf das Umfeld aus. Fügt sich das Gebäude etwa harmonisch in die Umgebung ein oder können alternative Quellen zur Stromerzeugung genutzt werden? Auch der Einsatz umweltfreundlicher und regionaler Materialien trägt zu einer nachhaltigen Bauweise bei. Diese Kriterien klingen schon praxisnaher.

Das Land fördert nachhaltige Maßnahmen durch finanzielle Unterstützung oder zinsgünstige Kredite. Vor allem im Bereich des effizienten Umgangs mit Energie gibt es hier sehr viele Möglichkeiten, Zuschüsse zu erhalten.

Regionale Besonderheiten

Die Berücksichtigung von regionalen Besonderheiten spielt bei einer nachhaltigen Planung ebenfalls eine wichtige Rolle. Hierbei sind verschiedene Punkte zu beachten:

  • Energiehaushalt: Die Versorgung eines Hauses mit Strom und Wärme ist ein zentraler Punkt für ein umweltfreundliches Gebäude in Bezug auf Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Verbrauchsreduzierung. Dabei ist je nach Region oder Standort möglicherweise eine andere Lösung die jeweils optimale. Bei einer günstigen Sonneneinstrahlung bieten sich Solarkollektoren an, in anderen Fällen kann beispielsweise Erdwärme besonders effektiv genutzt werden.
  • Baustil: Jahrhundertelang wurden ausschließlich regionale Materialien für den Bau von Gebäuden verwendet. Dabei gaben die zur Verfügung stehenden Stoffe oftmals auch eine bestimmte Bauweise vor, die für die Region charakteristisch geworden ist. Häufig wurden dabei auch witterungsbedingte Phänomene berücksichtigt. So werden größere Dachüberstände in norddeutschen Gefilden beispielsweise möglichst vermieden, da hier die Windlast größer ist als in den südlichen Bundesländern. Die roten Ziegelfassaden sind ebenfalls prägend für die Straßenzüge vieler Gemeinden.
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     (Foto: alisseja - stock.adobe.com)

    Zwar können gezielte Stilbrüche eine gewisse Spannung erzeugen, doch oftmals sorgen die örtlichen Bauvorschriften dafür, dass das Gesamtgefüge nicht zu unruhig wird. Auf diese Weise trägt ein harmonisches Stadtbild zu einer angenehmen Atmosphäre bei und wirkt sich positiv auf das soziale Gefüge aus.
  • Materialeinsatz: Der Einsatz regionaler Materialien verringert Transportwege und trägt zudem zur Förderung der lokalen Wirtschaft bei. Erneuerbare Rohstoffe wie Holz werden als nachhaltiger bewertet als beispielsweise Beton oder Stahl.

Nachhaltig bauen

Neben den gestalterischen Vorgaben definieren die Bauvorschriften auch entsprechende Grenzen zum Schutz der Umwelt und von natürlichen Ressourcen. Die Stadt Stuttgart geht momentan beispielhaft mit ihrem Modellprojekt, dem sogenannten „Triple Zero Konzept“ voran. Die Entwicklung ganz neuartiger Gebäudetypen berücksichtigt dabei drei zentrale Punkte:

  • Zero Energy: Die Gebäude sollen für ihren Betrieb möglichst keine Energie verbrauchen.
  • Zero Emission: Die Gebäude sollen keine schädlichen Emissionen abgeben.
  • Zero Waste: Die Gebäude sollen möglichst vollständig recycelbar sein und keine Rückstände hinterlassen.

Für private Bauherren liegt eine praktikable Lösung meist irgendwo dazwischen. Welche Kriterien berücksichtigt werden, richtet sich derzeit immer noch stark nach dem verfügbaren Finanzrahmen. Dabei muss jeder für sich entscheiden, wo die individuellen Schwerpunkte gesetzt werden. Dafür sollten die persönlichen Bedürfnisse zunächst klargestellt werden.

Der Weg geht über die Bestimmung einer Wohnform, über die Standortauswahl bis hin zur Entscheidung einer Heizform und der konkreten Ausgestaltung der Räume. Bezüglich der Energieversorgung zeigt sich meist der größte Handlungsspielraum und der direkteste Ansatz für ein nachhaltiges Gebäude.

Grundsätzlich gilt eine kompakte Bauweise als am ehesten geeignet um Energieverluste zu minimieren. Statt sich für ein freistehendes Haus zu entscheiden, könnte alternativ überlegt werden, etwa ein Doppelhaus zu planen – möglicherweise in einer Bauherrengemeinschaft. Auf diese Weise können auch Planungskosten geteilt werden.

Mit einem Niedrigenergie- oder Passivhaus ist es möglich, den Energieverbrauch um einen nicht unerheblichen Anteil zu reduzieren. Als Niedrigenergiehaus gilt, wenn grundsätzlich etwa 30 Prozent weniger Energieverluste erreicht werden, als es die Energieeinsparverordnung vorgibt. Der Primärbedarf (Heizwärme) beträgt dann pro Jahr etwa zwischen 50 und 80 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche, je nach Bauart. Ein teilweise angebautes Haus weist hier weniger Verluste auf, als ein Freistehendes.

Bei einem Passivhaus können diese Werte nochmals auf 15 Kilowattstunden verringert werden. Die spezielle Bauweise schafft es, durch ausgefeilte Dämmung, Lüftung, Wärmerückgewinnung oder Nutzung von Solarenergie beinahe ohne zusätzliche Heizung auszukommen.

Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten prüfen

Im Bereich Energieeinsparung bestehen ohnehin die umfangreichsten Fördermöglichkeiten. Sowohl der Bund als auch die einzelnen Länder oder verschiedene Kreditinstitute bieten hier spezielle Angebote. Um für die Planung eine Grundlage und Orientierungsgröße zu haben sollten zunächst die finanziellen Mittel abgeklärt werden. Nach diesem vorgegebenen Kostenrahmen kann später entschieden werden, welche Maßnahmen umsetzbar sind.

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Die Zeit ist momentan immer noch günstig für größere Investitionen und den Abschluss eines Finanzierungskredites zur Realisierung eines eigenen Bauvorhabens. Die Zinsen befinden sich immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Wie sie sich in der nächsten Zeit entwickeln werden, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Sowohl die wirtschaftliche Entwicklung Europas und anderer global wichtiger Märkte als auch Entscheidungen der Zentralbanken und anderer politischer Organe wirken sich auf die Höhe der Zinsen aus.

Wer selbst bauen will spürt Preisanstiege auf dem Immobilienmarkt ebenfalls, nämlich wenn es darum geht, ein passendes Grundstück zu erwerben. Auch die Grundstückspreise sind an die Entwicklung in diesem Bereich gekoppelt.

Es kann daher sinnvoll sein, von den aktuell niedrigen Zinsen zu profitieren und langfristige Darlehensverträge abzuschließen. Förderbanken bieten oftmals für nachhaltige Baukonzepte noch bessere Konditionen. Auch direkte Fördergelder können in die Finanzierung mit einfließen. Die Unterstützung ist jedoch jeweils an ganz klare Vorgaben geknüpft und die Banken stellen teilweise einen ganz eigenen Kriterienkatalog. Zudem ist es wichtig, die Anträge rechtzeitig zu stellen. Bereits für die Planung kann hier professionelle Hilfe zu Rate gezogen werden.

Ökonomische Bewertung der Errichtungs- und Folgekosten

Je nachdem wie effizient ein Gebäude bei der Nutzung und Einsparung von Energieressourcen gebaut wird, wirkt sich dies auf die Folgekosten aus. Auf lange Sicht kann beim Unterhalt durch ein Niedrigenergie- oder Passivhaus beispielsweise viel Geld gespart werden. Bei letzterem verringern sich die Ausgaben um ein Vielfaches. Bei der Finanzplanung sollte dies berücksichtigt werden. Geringere Unkosten für Strom oder Heizenergie kann dann beispielsweise in die Finanzierung fließen. Ist das Haus abbezahlt wird der Haushalt dauerhaft entlastet.

Ein nachhaltiger Ansatz bedeutet bei einem Neubau, grundsätzlich die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes zu berücksichtigen. Neben der zukunftsorientierten Ausrichtung des Energiehaushaltes sollte auch eine mögliche Umnutzung berücksichtigt werden. Eine strategisch günstige Grundrissplanung kann spätere Eingriffe und die dazugehörenden Kosten auf ein Minimum reduzieren. Langfristig auf die gesamte Lebens- und Nutzungsdauer eines Gebäudes gesehen lohnen sich die höheren Baukosten in jedem Fall, da sich die Aufwendungen für Strom und Heizung bei einem energetisch optimierten Bau drastisch reduzieren lassen.

Moderne Simulationsprogramme können die Auswirkungen verschiedener planerischer Entscheidungen sichtbar machen und dabei auch komplexe Zusammenhänge wie den Einfluss des Standortes oder klimatische Kriterien berücksichtigen. So ist es möglich, die effizientesten Maßnahmen herauszufinden und passend zum verfügbaren Budget umzusetzen.

Insgesamt stellt eine nachhaltige Bauweise auch eine gewisse Sicherheit bei der Wertentwicklung eines Gebäudes dar. Eine zukunftsorientierte Planung mit Blick auf niedrige Unterhalts- und Folgekosten stellt bei einem möglichen Verkauf ein eindeutiges Qualitätskriterium dar. Im Gegensatz zu konventionell errichteten Bauten können dann meist höhere Verkaufspreise erzielt werden.

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 (Foto: Peter Atkins - stock.adobe.com)

Standortwahl und andere soziokulturelle Kriterien

Die Standortwahl hat deshalb ebenfalls einen entscheidenden Einfluss auf die Nachhaltigkeit eines Gebäudes. Wie bereits erwähnt können je nach Lage möglicherweise unterschiedliche Energiequellen genutzt werden. Darüber hinaus spielten auch andere Gebäude in der Umgebung eine Rolle. Bei einer Anbindung an bestehende Häuser oder etwa einer Reihenbauweise dienen die angrenzenden Bauwerke als Wärmeisolierung.

Der Schutz von Naturräumen, bestehender Grünflächen oder auch die Vermeidung unnötiger Bodenversiegelung sollte ebenfalls bei der Planung berücksichtigt werden. Auch Grünflächen spielen hier eine wichtige Rolle – einerseits zur Luftreinigung, zum Lärmschutz oder auch als Freizeitareal.

Bei einer dichteren Bebauung steigt der soziale Druck: Für eine höhere Anzahl an Personen steht insgesamt weniger Fläche zur Verfügung. Kleine Grundflächen und hohe Geschosszahlen sind zwar kostengünstig, bringen jedoch besondere Auswirkungen auf das Sozialgefüge mit sich. Zwischen den Gebäuden sollten ausreichend Flächen eingeplant werden, die der sozialen Interaktion oder als Rückzugsort dienen können.

Nachhaltige Materialien und Ressourcen

Bei der Auswahl der eingesetzten Baumaterialien weisen vor allem natürliche und regionale Baustoffe die beste Ökobilanz auf. Lehm oder Holz ist nicht nur baubiologisch gesünder sondern kann später auch einfacher recycelt werden. Dabei müssen sich die spezifischen Eigenschaften nicht hinter synthetischen Werkstoffen verstecken. Auch Mineral- oder Schafwolle, Flachs oder Holzfasern weisen beispielsweise einen guten Dämmwert auf. Bei der Energiebilanz sollten auch die Herstellungsbedingungen berücksichtigt werden. Diese sind bei Polystyrol oder PUR-Hartschaum um einiges schlechter als bei den natürlichen Alternativen. Zudem ist hier die Entsorgung oft problematisch. Zudem sind Fassadenisolierungen aus Polystyrolplatten aufgrund der erhöhten Brandgefahr in letzter Zeit in Verruf geraten.

Das Institut für Bauen und Umwelt e.V. (IBU) hat für die verschiedensten Materialien Kriterien und Umwelt-Produktdeklarationen (EPD’s) erarbeitet, die Auskunft über die Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit geben. Weitere Siegel zeichnen besonders nachhaltige und ökologisch unbedenkliche Baustoffe aus:

  • Blauer Engel
  • natureplus Gütesiegel
  • Zertifizierung des eco-INSTITUTS

Für den Einsatz solcher Produkte bestehen besondere Fördermöglichkeiten der jeweiligen Kommunen. In Hannover werden beispielsweise pro Quadratmeter bis zu 30 EURO extra bezahlt.

Zertifizierung und Orientierungsmöglichkeiten

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 (Foto: Petair - stock.adobe.com)

Neben den Kriterienkatalogen für die Inanspruchnahme von Fördermaßnahmen wurden auch von offizieller Seite Normen zur Nachhaltigkeit formuliert. So existieren beispielsweise verschiedene DIN- oder ISO-Richtlinien, die Mindeststandards, Produktanforderungen, oder -eigenschaften festlegen.

Die Wärmeschutzverordnung von 1984 wurde im Jahr 2002 durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) erweitert. Die entsprechenden Mindestanforderungen für Neubauten müssen deshalb in jedem Fall eingehalten werden. Eine Zertifizierung von Gebäuden ist in der Regel nur für öffentliche Bauten sinnvoll, da der entsprechende Nachweis hier oft Voraussetzung für eine Förderung ist.

Um die Nachhaltigkeit eines Gebäudes zu bewerten oder einzustufen wurde vom Bundesbauministerium ein Kriterienkatalog (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen – BNB) erarbeitet. Diese Bemessungsregeln und Maßstäbe können bereits bei der Planung als Leitlinie dienen und Handlungsfelder aufzeigen.

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) bietet zudem umfangreiches Informationsmaterial in Form von Handbüchern und Broschüren zum Thema. Einige Architekten, die sich auf diesen Bereich spezialisiert haben, sind dort Mitglied und können sich auf Kongressen oder Seminaren über die aktuellen Entwicklungen informieren und stetig weiterbilden.

Nachhaltige Beispiele in Niedersachsen

Das Land Niedersachsen versucht durch die breit angelegte Nachhaltigkeitsstrategie die Weichen für eine lebenswerte Zukunft in der Region sicherzustellen. Auch bei Bauprojekten und bestehenden Gebäuden des Landes wurden gezielte Maßnahmen geplant. Schulen, Ämter oder Polizeigebäude werden auf Einsparungspotentiale überprüft und gegebenenfalls energetisch saniert. Für eine erste Phase (2014 – 2017) wurden hier zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von 120 Millionen Euro aus einem Sondervermögen zur Verfügung gestellt.

Die Maßnahmen sorgen langfristig dafür, die Unterhaltskosten für die Gebäude zu senken und so nachhaltig mit Steuergeldern umzugehen. Auch für Neubauten werden Punkte wie flächensparendes Bauen, energetische Optimierung, kompakte Gebäudeformen oder innovative Gebäude- und Anlagentechnik berücksichtigt. Das Land geht auf diese Weise mit gutem Beispiel voran. Neben den bundesweiten Anlaufstellen für fachliche Beratung zum Thema nachhaltiges Bauen ist es auch möglich und sinnvoll sich an die örtlichen Baubehörden zu wenden.

Lobenswerte Beispiele aus der Praxis

Die DGNB zeichnet regelmäßig gelungene Beispiele im Bereich Architektur mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis aus. Dabei wurde Jüngst auch ein Gebäude aus Niedersachsen nominiert. Das 2017 fertiggestellte zentrale Campusgebäude der Leuphana Universität schließt eine umfangreiche Umwandlungsphase des ehemaligen Kasernengeländes ab.

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 (Foto: DanBu.Berlin - stock.adobe.com)

Ein nachhaltiger Ansatz wurde in den verschiedensten Bereichen dabei beispielhaft umgesetzt. Die technische Konstruktion berücksichtigt einen effizienten und sparsamen Umgang mit Energieressourcen. Sowohl für die Heizung im Winter als auch die Kühlung im Sommer ist nur noch ein Mindestmaß an zusätzlicher Energie notwendig. Zudem ist das Gebäude CO-neutral.

Zudem können verschiedene Räumlichkeiten beispielsweise auch von der Stadt für Veranstaltungen genutzt werden. Der Campus öffnet sich so auch einem ganz anderen Publikum und kann einen aktiven Beitrag zum sozialen Austausch in der lokalen Gesellschaft beitragen.

In der Passivhaus-Datenbank sind derzeit 157 private Bauprojekte aus Niedersachsen verzeichnet. Hier sind zu jedem Objekt auch nähere Informationen zur Bauweise oder den technischen Merkmalen zu finden. Obwohl Ein- und Zweifamilienhäuser mehr Energie verbrauchen als größere Bauten für mehr Wohneinheiten kann eine entsprechende Bauweise dennoch für eine hohe Energieeffizienz sorgen. Jedes einzelne Gebäude aus der Datenbank zeigt, wie individuell die persönlichen Vorstellungen dabei umgesetzt werden können.