Tipps & Tricks

Clever umziehen – auch mit staatlicher Hilfe

Jeder vierte Bundesbürger tat es statistisch gesehen einmal in den letzten zehn Jahren, rund jeder Fünfte sogar zweimal: Die Rede ist vom Wohnungswechsel. Dabei trieben letztjährig rund jeden Dritten eine als zu hoch empfundene Miete an, umzuziehen. Mangelndes Platzangebot, maroder Wohnungszustand, Ärger und Stress mit Vermietern und Nachbarn treiben jedes Jahr Hunderttausende an, der alten Behausung Adieu zu sagen und sich in neuen Gefilden niederzulassen. Dabei birgt ein Ortswechsel auch einige Klippen, die es mit Tatkraft und Engagement zu meistern gilt – und der Staat hilft auch noch dabei.


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(Foto: pixabay © Clker-Free-Vector-Images (CC0 1.0))

So erfordert ein Umzug das Umschiffen mancherlei Klippen, Organisationsgeschick ist gefragt, wenn ein Umzug von A nach B reibungslos funktionieren soll. Je mehr Freunde und Bekannte mit an Bord sind, umso besser. Auch durch effektives Planen im Vorfeld kann so manche Kostenfalle vermieden werden. Denn: Eines verursachen Umzüge mit Sicherheit: Kosten.
Dabei lässt sich einiges tun, um nicht das berühmte Fass ohne Boden aufzumachen und in ungeahnte Kostenfallen zu treten – und auch Vater Staat kann mit ins Boot geholt werden, der folgende Artikel erklärt wie.

Vergleichen lohnt

Bei professioneller Zuhilfenahme einer Umzugsfirma sollte nicht der erstbesten Adresse aus dem Branchenverzeichnis der Zuschlag erteilt werden. Es gilt, genügend Zeit einzuplanen, um unterschiedliche Angebote einzuholen, der Zeitaufwand kann sich aber auszahlen. Mehrere Speditionen sollten nach Hause bestellt werden, um Kostenvoranschläge einzuholen. Sie sind die beste Vergleichsgrundlage, die einzelnen Firmen hinsichtlich ihres Preis-Leistungs-Verhältnisses miteinander zu vergleichen. Nur wenn sich ein Spediteur selbst ein genaues Bild von dem zu erwartenden Aufwand vor Ort machen kann, kann er auch die Kosten zuverlässig abschätzen und ein entsprechendes Angebot vorab unterbreiten.

Einkalkulierte Eigenleistungen sollten der Umzugsfirma bereits bei der Vor-Ort-Besichtigung mitgeteilt werden, damit der Voranschlag bereits um die entsprechenden Kosten reduziert werden kann. Ein ausgehandelter Vertrag sollte keinen Preis enthalten, der nach Stunden abgerechnet wird, nur ein vereinbarter Festpreis garantiert, dass der Wohnungswechsler im nach hinein keine unliebsame Überraschung erlebt, wenn der Umzug länger als veranschlagt dauern sollte.

Im Vorfeld Dinge günstig organisieren

Normalerweise steht ein Umzugstermin schon länger fest, es bleibt bis dahin noch genügend Zeit, sich Dinge selbst kostenfrei zu beschaffen. So können größere Kartons oft an Papiersammelstellen, in Bau- und Supermärkten oder auf dem örtlichen Sperrmüll gratis organisiert werden. Auf Flohmärkten lässt sich günstiges Paketband besorgen, Offerten in Online-Kleinanzeigen bieten eventuell zu verschenkende Umzugskarton samt Verpackungsmaterial an. Viele Geräte und Werkzeuge wie z. B. Teppichreinigungsgeräte, Bohr- / Schleifmaschinen können günstig gemietet werden.

Vielleicht findet sich auch in der Verwandtschaft oder im Bekanntenkreis jemand, der über einen Hänger oder Kleintransporter verfügt, und ihn günstig zur Verfügung stellt. Wenn helfende Hände aus Familie und Freundeskreis mit anpacken wollen, sollte der Umzugstermin nicht unter der Woche geplant werden, da viele unter der Woche beruflich gebunden sind und für den Umzug keinen Extra-Urlaub nehmen wollen. Unter gewissen Voraussetzungen werden Umzugskosten auch vom Arbeitsamt oder vom Arbeitgeber übernommen. Wer aber dennoch auf fremde Hilfe angewiesen ist, kann sich preiswerte Umzugshelfer über eine Arbeitsvermittlung organisieren.

Steuerliche Vorteile

Wer künftig durch den Wohnungswechsel als Pendler eine geringere Entfernung zum Arbeitsplatz hat, kann in den Genuss von Steuervergünstigungen kommen.

Sollte die Entfernung von der neuen Wohnung zum Arbeitsplatz deutlich reduziert sein, kann der Umzug als berufsbedingt anerkannt werden. Beträgt die Verringerung der Fahrtzeit von Hin- und Rückfahrt zum Arbeitsplatz um mindestens eine Stunde, können die Kosten ganz oder teilweise steuerlich als Werbungskosten in Abzug gebracht werden.

Aber auch wer aus beruflichen Gründen generell umzieht und eine neue Stelle antritt, kann im Rahmen des Lohnsteuer-Jahresausgleichs eine Umzugskostenpauschale beim Finanzamt beantragen. Dabei werden alle sonstigen Umzugskosten erfasst, für die keine exakten Einzelnachweise erbracht werden müssen. Ein beruflich bedingter Umzug kann gegeben sein, wenn

  • Ein neuer Arbeitgeber gefunden wird
  • Der aktuelle Arbeitgeber seinen Standort verlagert
  • Der Betroffene beruflich versetzt wird
  • Der Umzug an den Arbeitgeber-Standort erfolgt, um eine doppelte Wohnungsführung zu vermeiden

Auch Personen, die auf Grund von Krankheit oder Behinderung umziehen müssen, oder durch den Umzug eine doppelte Haushaltsführung dauerhaft vermeiden, können in den Genuss des Geldsegens vom Staat kommen. Wie die Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. weiter dazu informiert, stieg die Pauschale 2015 für Singles von 715 auf 730 Euro, für Verheiratete von 1.429 Euro auf 1.460 Euro. Für jede weitere Person können 322 Euro zusätzlich in Abzug gebracht werden.

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(Foto: pixabay © Unsplash (CC0 1.0))

Welche Kosten zählen zu Werbekosten

Alternativ dazu kann der Betreffende aber auch die tatsächlichen Kosten absetzen, steht hier jedoch unter Nachweispflicht und muss alle Belege und Rechnungen über die einzelnen Leistungen sammeln und beim Finanzamt einreichen, die im Zusammenhang mit dem Umzug aufgekommen sind.

Absetzbar sind beispielsweise

  • die Kosten für die Fahrten zu einer Wohnungsbesichtigung
  • Maklergebühren
  • der Transport von Kisten und Möbeln
  • ein umfassender Pack-Service
  • die Warm-Miete für die bisherige Wohnung, die noch bis zu sechs Monaten zusätzlich zur neuen Wohnung gezahlt werden muss
  • Nachhilfeunterricht wegen des Schulwechsels eigener Kinder
  • max. 230,08 Euro für einen Kochherd
  • max. 163,61 für einen Heizofen pro Zimmer

Alle übrigen Kosten, die im Zusammenhang mit einem Umzug stehen, können mit dem Pauschalbetrag steuerlich einmal pro Umzug angerechnet werden. Dazu zählen folgende Kosten:

  • Trinkgelder für die Möbelpacker, Helfer und ein Essen für Freunde, als Dank für die Hilfe nach dem Möbelschleppen
  • Fachgerechter An- und Abbau von Lampen, Einbauküche und anderen elektrischen Geräten
  • Fachgerechtes Anbringen und Ändern von Vorhängen, Gardinen, Rollos und deren Halterungen
  • Ummelde-Gebühren beim Einwohnermeldeamt
  • Annoncen, die im Zusammenhang mit der Wohnungssuche stehen
  • Kosten für Schönheitsreparaturen in der alten Wohnung, sofern deren Durchführung vertraglich vereinbart war

Wenn die tatsächlich entstandenen sonstigen Umzugskosten höher ausfallen als die Umzugskostenpauschale, dürfen Sie die tatsächlichen Ausgaben gegen Vorlage der entsprechenden Nachweise steuerlich geltend gemacht werden.

Weniger ist oft mehr

Auch wenn mit Hilfe von Freunden und einem gemieteten Sprinter ein kleinerer Umzug sehr günstig gestaltet werden kann, kann er noch kostenschonender ausfallen, wenn vor dem Umzug ein reinigendes Gewitter im Wohnungsinventar stattgefunden hat. Denn: Je weniger transportiert werden muss, umso günstiger fällt die Gesamtbilanz aus. Dazu stellt ein Wohnungswechsel einen idealen Zeitpunkt dar, um sich von altem, zu lange mitgeschlepptem Ballast endgültig zu trennen. Jedes Teil, das nicht mehr benötigt wird, spart Zeit und Geld. Und vielleicht findet sich ja für das ein oder andere gute Stück im Internet oder auf einem eigenen Garagenflohmarkt ein Käufer.