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Zeitlose Fashionstücke: Stylish seit Jahrzehnten

Modebewusste wissen: Es kommt alles wieder; jeder Trend von einst wird sich irgendwann mit Sicherheit wiederholen. Doch dazwischen gibt es auch Stücke, die niemals ausgestorben sind und immer zeitlos wirken.


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(Foto: fotolia.com © pressmaster)

Was haben Jeans, Pumps und Trenchcoat gemein, außer, dass sie bei fast jedem im Kleiderschrank zu finden sind? Richtig, sie können auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurückblicken. Und gleichzeitig stehen diese drei Stücke stellvertretend für Fashion, die, obwohl es sie schon ewig gibt, niemals aus der Mode kamen: Gab es jemals in den vergangenen hundert Jahren einen festlichen Anlass, auf dem man über eine Frau auf hohen Hacken getuschelt hätte? Wirkt ein Mann im Anzug, der durch einen Trenchcoat vor Regen geschützt wird, aus der Zeit gefallen? Viele Kleidungsstücke waren ein Strohfeuer. Andere hingegen kleideten schon unsere Urgroßeltern genauso modisch, wie sie es heute tun. Drei dieser timeless classics widmet sich der folgende Artikel.

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(Foto: fotolia.com © Mat Hayward)

1. Jeans


Hand aufs Herz: Was wäre der Kleiderschrank ohne Jeans? Sie sind der Hosen-Grundbaustein einer unglaublichen Zahl an Kleidungsstilen. Das Verblüffende dabei: Sie sind vielleicht das anpassungsfähigste Kleidungsstück überhaupt und überwinden nicht nur deshalb sämtliche Schichten:

  • In ihrer schicksten Ausführung ist die (dunkle) Edeljeans integraler Bestandteil des Smart-Casual Business-Outfits.
  • Mit (Karo-) Hemd und Jeans ist kein Mann schlecht gekleidet
  • Jeans, Bluse und Sandaletten lassen jede Frau zwischen 13 und 93 gut aussehen
  • Als robustes Allwetterbeinkleid hat sie unzählige Fans bei Arbeitern

Vor allem letzteres ist für die Zeitlosigkeit der Jeans wichtig: Ursprünglich war sie nämlich ausschließlich das: Arbeitsbekleidung. Denim, so der Fachbegriff für Jeansstoff, ist durch seine Webung äußerst robust. Zudem hat die verwendete Baumwolle die Eigenschaft, sich im Sommer weder zu heiß, noch im Winter zu kalt anzufühlen. Und das ist auch schon das Geheimnis, warum die Jeans so unsterblich ist. Allerdings: Bis sie Allerweltshose wurde, musste sie einige Stationen durchlaufen und wird auch heute noch kritisiert:

  • In den 1870ern bot der Händler Levi Strauss erstmalig blau gefärbte Denimhosen mit verstärkenden Nieten an – die Ur-Jeans.
  • Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden Hose und Stoff zu dem Synonym für harte Arbeit, wurden aber nur von armen Farmern mangels Alternative auch in der Freizeit getragen.
  • In den 1950ern entdeckten Jugendliche die Hose als probates Mittel, um rebellisch zu sein – indem sie sie als Freizeitkleidung trugen wie ihre Idole Elvis und James Dean.
  • Ein Jahrzehnt später hatte sich die Jeans als Freizeitkleidung von jungen Menschen etabliert – auf die Idee, sie zum Sakko zu tragen, wäre jedoch niemand gekommen.
  • Mit den 80ern kam auch der Durchbruch als schickeres Kleidungsstück und eines, das auch von Menschen jenseits der 40 getragen werden konnte.
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(Foto: fotolia.com © chamillew)

Und heute ist die Jeans der Inbegriff von universeller Verwendbarkeit. Natürlich: Schnitte und Varianten änderten sich mit der Zeit, das zeigt sich schon an den ganzen Schlag-, Karotten-, und anderen Formexperimenten. Aber die klassische "Five-Pocket-Jeans" ist nach wie vor das Grundmodell, das praktisch jeder Hosenhersteller im Repertoire hat. Übrigens verewigte sich ihr Erfinder auch noch in anderer Weise in den Geschichtsbüchern: 1890 nannte Levi Strauss eines seiner Modelle von "XX" in "501" um – ebendieses Modell wird von Levis auch heute noch hergestellt – wenn auch im Verlauf ihrer 126-jährigen Geschichte immer wieder Änderungen vorgenommen wurden. Damit ist die 501 das am längsten durchgängig produzierte Marken-Kleidungsstück der Fashion-Geschichte. Damit hat die Jeans eine beeindruckende Historie. Aber: Ihre Einsatzzwecke änderten sich im Lauf der Zeit. Das kann das nächste Kleidungsstück nicht so von sich behaupten.

2. Pumps

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(Foto: fotolia.com © Kaspars Grinvalds)

Eine Frau ohne ein dutzend Schuhpaare im Kleiderschrank? Was nach Klischee klingt, ist statistische Realität. Und dazu gehört auch mindestens ein Paar Pumps. Was heute die weibliche Allzweckwaffe zwischen Büro und Abendkleid ist, war im Gegensatz zur Jeans schon immer Kleidungsstück für festlichere Anlässe aber nicht unbedingt für Frauen: Die ersten Pumps, die im 17. Jahrhundert aufkamen, waren nämlich Kleidung für männliche Hofbedienstete. Es sollte noch bis Ende des 19. Jahrhunderts dauern, bis die Schuhe mit Absätzen zwischen 3 und 9,5 Zentimetern Höhe auch für Frauen tragbar wurden.

Dann aber wandelte sich die Rolle blitzschnell: Schon vor dem Ersten Weltkrieg waren Pumps ausschließliche Damenschuhe für Tanz und festliche Anlässe. Dass in den Städten die Straßen besser wurden, trug somit auch zur Entwicklung anderer Stilrichtungen bei:

  • Stilettos haben einen kaum Bleistift-dicken Absatz
  • Hochfrontpumps sind bis zum Fußrist geschlossen – wo normale Pumps nur die Zehen bedecken
  • Sling Pumps bei denen die Ferse offenliegt und nur durch eine Schlinge gehalten wird
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(Foto: fotolia.com © MoustacheGirl)

Allerdings sind letztere de facto keine "richtigen" Pumps, weil diese grundsätzlich (bis auf Peeptoes) einen rundum geschlossenen Schaft aufweisen. Übrigens genauso, wie alle hochhackigen Schuhe mit Absätzen über zehn Zentimeter, auch wenn sie ansonsten alle Pumps-Eigenschaften aufweisen. Diese werden High-Heels genannt. Auch wenn die meisten salopp alle Schuhe in diesem Bild (rechts) als Pumps titulieren würden, so gebührt diese Bezeichnung doch nur dem roten Paar. Bei allen anderen sind Features vorhanden, die nicht zu Pumps gehören.

Ansonsten blieb der Einsatzbereich aber seit den 1910ern gleich, er erweiterte sich höchstens etwas nach unten in den Freizeitbereich – heute müssen die hohen Hacken nicht mehr zwingend zum Ballkleid getragen werden. Auch auf einer Jeans sehen sie stylisch aus und sind damit ein weiteres Bindeglied zu diesem Beinkleid und dessen Wandlungsfähigkeit. Dennoch sind sie immer ein Ausdruck von "edel". Und damit dürften Pumps das Kleidungsstück dieser Liste sein, das den vielleicht längsten gleichbleibenden Fashionzweck hat. Allerdings gibt es einen scharfen Konkurrenten:

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(Foto: fotolia.com © stokkete)

3. Trenchcoat


Der gute, alte Trenchcoat: Was wäre Inspector Columbo ohne ihn gewesen? Was Humphrey Bogart? Was Audrey Hepburn? Ja, selbst heutige Stars wie Emma Watson tragen ihn und Millionen Männer und Frauen mit ihr. Der Trenchcoat machte nur eine einzige Wendung mit und blieb danach in der Zeit stecken. Und zwar so sehr, dass er sich seit seiner Geburtsstunde kaum veränderte.

Allerdings: Wann diese war, darüber streiten sich allerdings die Geister:

  • Das britische Modelabel Aquascutum behauptet, die ersten Trenchcoats in den 1850ern als Mantel für britische Offiziere im Krimkrieg ausgeliefert zu haben.
  • Die Konkurrenz Burberry verweist auf den von ihnen entwickelten Garbadine-Stoff, seine untrennbare Verbindung mit dem Trenchcoat und das man 1901 die ersten Trenchcoats für die britische Armee gefertigt hätte.

Welche der beiden Geschichten nun richtig ist, wird wohl noch länger Streitpunkt bleiben. Fest steht jedoch: Der Trenchcoat hat einen zutiefst militärischen Hintergrund. Der erklärt auch seinen Namen "Graben-Mantel": Vor dem Ersten Weltkrieg konnten sich britische Offiziere Trenchcoats privat beschaffen und dienstlich tragen. Deshalb haben auch heutige Modelle noch Schlaufen für Rangabzeichen auf den Schultern. Während des ersten Weltenbrandes war der Mantel das perfekte Kleidungsstück für den Grabenkrieg an der Westfront: Im Gegensatz zu anderen, dienstlich gelieferten Wollmänteln, konnte man ihn auch bei Temperaturen über 20°C tragen, ohne befürchten zu müssen, in Ohnmacht zu fallen. Außerdem machte die Gabardine den Mantel weitestgehend wasserabweisend – auch das zu einer Zeit, in der Militärbekleidung meist aus Wollstoffen bestand, die sich rasend schnell mit Feuchtigkeit vollsogen und ewig brauchten, bis sie trocken wurden.

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(Foto: fotolia.com © erikaltner)

Nach dem Krieg trugen viele Veteranen das liebgewonnene Kleidungsstück weiter – zu praktisch war es und nicht zuletzt ließ sich damit auch zeigen, dass man gedient hatte. Modemacher sprangen auf den Zug auf und lieferten schnell Neuware für jedermann. Es dauerte auch nicht lange, bis die ersten Varianten für Frauen auf den Markt kamen: Schon in den frühen 1920ern war das der Fall. Dabei blieben die Trenchcoats von ihrem ersten Auftreten bis heute vollkommen gleich.

  • Gefärbt in einem sandigen Khaki-Ton
  • Auf der Rückseite befestigter Gürtel, um den Mantel auf Figur zu bringen
  • Mit Schlaufen verstellbare Ärmelbündchen (diese sollten ursprünglich beim Verwenden von Ferngläsern verhindern, dass Regen in die Ärmel gelangte)
  • Doppelreihiger Schnitt, mit zehn Knöpfen verschließbar
  • Ein dünnes Stofffutter, meist aus kariertem Stoff
  • Hoher Kragen, der sich bis zur Unterkante eines Hutes hochschlagen ließ, um absoluten Wetterschutz zu gewährleisten

Später gesellten sich zwar auch andere Farben und Materialien dazu – man denke an die Mäntel im Sci-Fi-Klassiker "Matrix" – aber grundsätzlich finden sich Trenchcoats mit den oben beschriebenen Features auch heute noch in jedem x-beliebigen Kleidergeschäft. Und das vielleicht Beste daran: Der Trenchcoat wirkt niemals deplatziert oder veraltet. Wer heute zu Kostüm und Anzug einen trägt, der macht damit ebenso wenig einen Fehler wie Träger in den 1930ern.

Fazit

Es gibt Fashion, die ist nach einer Saison so veraltet, dass sie niemand, der halbwegs etwas auf sich hält, tragen kann. Natürlich, gemäß den Regeln der Mode werden auch diese Stücke in vielleicht zehn, zwanzig Jahren wiederkehren (wie beispielsweise Blumen-Leggins). Aber wer einfach aus diesem Fashion-Karussell aussteigen möchte, orientiert sich schlicht an dem, was schon vor Jahrzehnten gut aussah und es ohne Unterbrechung tut.