Ernährung

4 Fragen zu gesunder Kinder-Ernährung

Fast jedes sechste Kind in Deutschland ist übergewichtig oder sogar fettleibig. Wir haben Tipps für Eltern, wie sie ihren Kindern helfen können, sich gesund zu ernähren. Dafür haben wir mit Patric Heizmann gesprochen. Er ist Ernährungs- und Fitness-Experte und hat auch Tipps für gesunde, leckere Snacks für unterwegs.


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 (Foto: beats_ - stock.adobe.com)

Aktuelle Studien des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass 15,4% Prozent der 3- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig sind. Fast 6% der Kinder sind adipös. Neben genetischen Ursachen können hauptsächlich eine ungesunde Ernährung, sitzende Tätigkeiten und sportliche Inaktivität zu Adipositas (Fettleibigkeit) führen.

Für eine gesunde Ernährung und viel Bewegung plädiert Patric Heinzmann. Er ist Ernährungs- und Fitnessexperte und kennt sich aus mit guter, gesunder Ernährung. Wir haben ihm vier Fragen zum Thema gesunde Ernährung und Übergewicht gestellt.

4 Fragen an Ernährungs- und Gesundheitsexperte Patric Heizmann:

Wird mein Kind dick, weil ich dick bin?

"Da kommt die Genetik ins Spiel. Es ist tatsächlich so, dass es sich auf die Gene der Kinder überträgt, wenn sich Frauen während der Schwangerschaft sehr schlecht ernähren oder deshalb stark übergewichtig werden. Und ja, wir können schlechte Gene vererbt bekommen. Aber fast immer ist es das Verhalten, das wir weiter 'vererbt' bekommen. Kinder essen wie Mama und Papa und werden deshalb dick. Und nicht, weil sie schlechte Gene vererbt bekommen."

Was hat es mit Zuckerabhängigkeit auf sich?

"Zucker hat eindeutiges Suchtpotential. Das kann jeder nachempfinden, der auf einmal auf Zucker verzichtet. Viele bekommen sogar körperliche Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, wenn der Zucker plötzlich fehlt. Allerdings hängt das auch mit dem Belohnungssystem unseres Gehirns zusammen. Denn Zucker fördert die Ausschüttung des Botenstoffs GABA, der uns beruhigt und zufrieden macht. Und dieses Gefühl wollen wir immer wieder haben. Aus diesem Grund belohnen wir uns auch immer wieder gerne mit Süßigkeiten. Vor allem dann, wenn wir das als Kind auch so gelernt haben. Die GABA-Botenstoffe können aber auch anders ausgeschüttet werden: Zum Beispiel, wenn wir unser Kind umarmen, Zeit mit ihm verbringen oder ihm ein Buch vorlesen - also alles, was zufrieden und glücklich machen kann."


Mama-Talk - Der Podcast

Sabrina und Verena arbeiten beim Radio, sind aber auch Mamas. Beide haben Söhne im Kleinkind-Alter und da geht es natürlich auch um die Themen "Kinder und Ernährung".

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Welche Regeln für Süßigkeiten gibt es bei euch zu Hause?

"Bei uns gibt es erst nach dem gesunden Essen und einem gesunden Gemüseteller etwas Süßes. Da sind meine Kinder dann frei, was sie essen möchten. Allerdings kann ich dazu auch nur sagen: 'Wenn du als Achtjähriger nicht lesen kannst, was auf der Zutatenliste steht, weil die Wörter zu kompliziert sind, dann lass es lieber weg und iss es erst gar nicht.'"

Wo verstecken sich Ernährungsfehler?

"Die meisten und gravierendsten Ernährungsfehler werden beim Trinken gemacht. Softgetränke und Säfte sind kritisch, da es sich bei ihnen um flüssige Kalorien handelt. Für diese Kalorien haben wir keine Sensoren und wir nehmen sie oft nicht wahr. Multivitaminsaft enthält zum Beispiel genauso viele Kalorien wie Cola."

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Gemüsekrokodil (Foto: zaschnaus - stock.adobe.com)

Bei allen Tipps gilt: Druck rausnehmen. Kinder orientieren sich daran, wie sich ihre Eltern ernähren. Ernährt ihr euch also gesund und geht mit gutem Beispiel voran, werden sich irgendwann auch eure Kinder daran orientieren.

Vielleicht funktioniert das nicht sofort, aber auf lange Sicht hin gesehen. Eine Ernährungsumstellung und das Bewusstsein dafür benötigen Zeit.

Tipps für unterwegs

Das sind Patric Heizmanns Tippps für leckere Snacks zwischendurch:

  • hartgekochte Eier (mit Eigelb, denn das ist das wichtigste am Ei)
  • Nüsse, gerne Walnüsse oder selbst gemachtes Studentenfutter aus Nüssen und frischen Bio-Trauben

Das packt Patric Heizmann seinen Lütten in die Pausenbrot-Box:

  • frisches Gemüse (Gurke, Paprika, Karotte,... erlaubt ist, was euer Kind gerne isst)
  • gesunder Früchteriegel
  • belegtes Brot mit Butter und hochwertiger Wurst oder Käse
  • zu Trinken gibt es Wasser oder ungesüßten Tee

Wenig Sport und ständig verfügbares Essen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für sportliche Aktivitäten bei Kindern und Jugendlichen mindestens 60 Minuten mäßige bis sehr anstrengende sportliche Aktivitäten - und das täglich. Aktuell erreicht das nur ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland.

Zusätzlich stellt das ständig verfügbare Essen mit hohen Zucker- und Energiegehalten, Limonaden, Energy-Drinks oder Süßigkeiten einen weiteren Risikofaktor zur ungesunden Ernährung dar.

Dazu schreibt das Robert-Koch-Institut: "Neben dem Vorleben eines gesunden Lebensstils in der Familie und in den Lebenswelten, in denen die Kinder und Jugendlichen aufwachsen, müssen auch Wohnumgebungen gesundheitlicher gestaltet werden, damit Kinder und Jugendliche dabei unterstützt werden, die nationalen Empfehlungen zu körperlich-sportlicher Aktivität und gesunder Ernährung zu erreichen."