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"ESL One": Zehntausend zelebrieren Zocker-Event in Hamburg

Eine Mischung aus Festival, Sportveranstaltung und Public Viewing - so lässt sich die Atmosphäre des Gaming-Events ESL One Hamburg beschreiben. Tausende Menschen fiebern mit. Dabei geht es um eine Million Dollar.


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 (Foto: picture alliance / Daniel Bockwo)

Knapp zehntausend Augenpaare blicken gebannt auf die Leinwände hoch oben in der Barclaycard Arena in Hamburg. Zu sehen sind Explosionen, Eisstrahlen und Schwerthiebe - ein Raunen geht durch die Menge, dann wird fanatisch applaudiert und gejubelt. Gerade sind mehrere Helden bei dem Computerspiel "Dota 2" massakriert worden. Gebannt blickt der 25-jährige Berliner Kuro Salehi Takhasomi - genannt KuroKy - auf seinen Bildschirm. Der Profi-Gamer war maßgeblich an der Aktion beteiligt, bei der sein Team der gegnerischen Mannschaft schwer zugesetzt hat.

KuroKy ist Kapitän des "Team Liquid" einer der erfolgreichsten E-Sport-Mannschaften der Welt. Er selbst gilt innerhalb der Gaming-Szene als erfolgreichster "Dota 2"-Spieler überhaupt. Doch gerade muss sein Team besonders hart kämpfen. Denn in der Gruppenphase des E-Sport-Turniers konnten es sich noch nicht für die Finalspiele qualifizieren. "Mein Team und ich strengen uns für jedes Spiel an und nehmen jedes Spiel ernst", sagte der internationale Gaming-Star KuroKy vor den entscheidenden Spielen.

Spieler wie Rockstars verehrt

Für Außenstehende ist es nur schwer ersichtlich, was gerade vor rund 10 000 Zuschauern passiert ist. Wer "Dota 2" noch nie gespielt hat, steht hier ziemlich auf dem Schlauch. Bei dem Echtzeit-Strategiespiel kämpfen - grob gesagt - zwei Teams mit jeweils fünf Spielern darum, die Basis der anderen Mannschaft zu zerstören. Jeder Spieler steuert aus der Vogelperspektive einen der mehr als 100 Helden des Spiels.

Wer "Dota 2" aktiv spielt, für den ist Hamburg gerade das Mekka des Gamings. Die Spieler werden wie Rockstars verehrt. Die Inszenierung der Spiele gleicht einem Boxkampf. Mit Musik und Lichteffekten marschieren die Teams auf die Bühne.

Viele Fans sind von weither angereist, um ihre Idole und Mannschaften zu unterstützen. Aus Russland, der Ukraine, Serbien, dem EU-Ausland und vielen weiteren Ländern sind Fans an diesem Samstag laut Veranstaltern nach Hamburg gekommen. Tatsächlich hört man im wuseligen Getuschel der Zuschauer fast zu jeder Zeit einen Mix aus mindestens vier verschiedenen Sprachen. 30 Prozent der Zuschauer seien aus dem Ausland gekommen. Zudem sollen sich bis Sonntag mehrere Millionen Menschen die Matches online im Livestream angucken.

Profis trainieren bis zu 15 Stunden täglich

Die Veranstalter sehen diese Vielfalt als klaren Pluspunkt: "Was der Sport anderen Sportarten voraus hat, ist, dass er wahnsinnig international ist", erzählt ESL-Produktchef Ulrich Schulz. Das Team des Berliners KuroKy kann dafür als Beispiel dienen. Ein Deutscher spielt zusammen mit einem Libanesen, einem Finnen, einem Bulgaren und einem Jordanier. Gesprochen wird Englisch und KuroKys Aufgabe ist es, das Team zusammenzuhalten. Denn nur gemeinsam kann die Mannschaft die Gegner bei dem Strategiespiel bezwingen. Dafür trainieren die Profis nach eigenen Angaben rund acht bis fünfzehn Stunden am Tag. "Das ist ja im Grunde mein Leben. Urlaub kenne ich nicht", erzählt der 25-Jährige.

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Doch der Aufwand kann sich lohnen: Mehrere Millionen hat er an Preisgeldern gewonnen. Verglichen mit anderen E-Sport-Events sind die Prämien in Hamburg mit insgesamt einer Million US-Dollar noch moderat. Nachwuchsspielern empfiehlt KuroKy trotz der verlockenden Gewinne, gut über eine E-Sport-Karriere nachzudenken: "Eigentlich wäre mein Hauptratschlag: Geht zur Schule, geht studieren, weil das alles ein bisschen riskant ist. Nur sehr wenige schaffen es."

Den Traum, das Turnier vor heimischem Publikum zu gewinnen, konnte sich der Berliner an diesem Wochenende nicht erfüllen. Im Halbfinale musste sich "Team Liquid" dem ebenfalls multinationalen "Team Secret" geschlagen geben. Doch obwohl die Niederlage für 25-Jährigen laut Team-Manager bitter ist, merkt man dies dem Profi-Spieler nicht an. "Weil wir heute verloren haben, lasse ich das etwas einsacken und morgen geht es dann weiter", erzählt er nach dem verlorenen Match. Für das nächste Turnier geht es dann nach Kroatien und KuroKy wird wahrscheinlich noch länger sein Geld mit Gaming verdienen: "Solange es mir Spaß macht, werde ich das weiter machen."

Den Sieg und damit 500 000 Dollar Preisgeld sicherte sich das russische Team "Virtus.pro".