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Katwarn - So funktioniert das Katastrophen-Warnsystem

Während des Amoklaufs in München warnten die Behörden die Bevölkerung auch über "Katwarn". Die Behörden in Berlin verzichteten allerdings auf den Einsatz des Systems, als am 19. Dezember ein LKW in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt am Ku'damm gesteuert wurde. Wie und wo das Warnsystem für das Smartphone funktioniert, erfahrt ihr hier.


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(Foto: picture alliance / dpa)

Das ist Katwarn

Katwarn steht für "Katastrophen-Warnstystem". Entwickelt wurde das System vom Fraunhofer-Institut im Auftrag öffentlicher Versicherer. Über das deutschlandweit einheitliche Warn- und Informations-System kann die Bevölkerung ortsbezogen über besondere Gefahrenlagen (z.B. Großbrände, Chemieunfälle, Unwetter, Bombenfunde, Amok- und Terrorlagen) informiert werden. Die Informationen kommen von offiziellen Behörden, Rettungsdiensten oder dem Deutschen Wetterdienst.

Wie funktioniert Katwarn?

Nutzer können sich registrieren, und erhalten im Ernstfall eine SMS und/oder eine E-Mail mit entsprechenden Informationen. Allen Smartphone-Nutzers ist aber die Nutzung der Katwarn-App empfohlen. Dort könnt ihr euch individuell bis zu sieben unterschiedliche Orte abspeichern, für die ihr Warnmeldungen erhalten wollt (z.B, Wohnort, Arbeitsplatz, Schule der Kinder, usw). Außerdem könnt ihr die "Schutzengel"-Funktion aktivieren, die anhand von Handynetzen erkennt, wo ihr euch gerade befindet. Die Warnmeldung erhaltet ihr dann per Push-Mitteilung direkt auf euer Smartphone. Außerdem hört ihr einen deutlichen Alarmton.

Die Mitteilungen in der App beinhalten auch Verhaltenshinweise wie z.B. "Fenster und Türen geschlossen halten" oder im Fall des Amoklaufs von München die Aufforderung, öffentliche Plätze zu meiden und zu Hause zu bleiben.

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Funktioniert Katwarn überall?

Leider nein. Einzelne Kommunen und Einrichtungen müssen das System zunächst bei sich installieren lassen und Mitarbeiter schulen. In Niedersachsen ist erst etwa ein gutes Viertel aller Kommunen mit Katwarn ausgerüstet.

Katwarn in Niedersachsen

  • Landkreis Aurich
  • Emden
  • Landkreis Friesland
  • Landkreis Leer
  • Landkreis Wittmund
  • Landkreis Wesermarsch
  • Oldenburg
  • Landkreis Osnabrück
  • Landkreis und Stadt Göttingen

Weitere Städte und Landkreise denken über die Einführung von Katwarn nach. Die Stadt und die Region Hannover werden Katwarn im Herbst diesen Jahres in Betrieb nehmen.

Die Unwetterwarnungen vom Deutschen Wetterdienst funktionieren übrigens flächendeckend im Bundesgebiet.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Gibt es Probleme mit Katwarn?

Die Ereignisse in München haben das System offenbar an seine Belastungsgrenze geführt. Zeitweise war der Dienst nicht erreichbar. Das lag nicht nur an der akuten Bedrohungslage in München, sondern auch daran, dass gleichzeitig in vielen Teilen Deutschland Unwetter unterwegs waren. "Das ist nicht gut - die Kritik ist berechtigt", sagte ein Sprecher. Die Kapazitäten müssten schnellstmöglichst erweitert werden.

BIWAPP und NINA - die Katwarn-Alternativen

Neben Katwarn gibt es noch andere Warn-Apps. Das macht es für den Nutzer nicht leichter, weil er nicht weiß, welches System von welchem Landkreis unterstützt wird. Da ist leider Recherche nötig. Am besten, ihr informiert euch direkt auf den Webseiten eures Landkreises oder eurer Stadt oder - noch besser - ruft dort an.

BIWAPP

BIWAPP macht Katwarn seit einiger Zeit erfolgreich Konkurrenz. BIWAPP heißt lang "Bürger Info & Warn App" und wurde von der Marktplatz GmbH in Lüneburg entwickelt - ist also 'made in Niedersachsen'. Das System ist jünger als Katwarn, dafür aber auch etwas moderner, was man sowohl als Nutzer der App als auch Mitarbeiter in den Meldediensten merkt. Die App informiert auch über Schulausfälle. Und wenn man sich dafür nicht interessiert, kann man Schulausfälle oder andere Themenbereiche wie Verkehrsunfall oder Hochwasser einfach deaktivieren. Der Landkreis Peine hat jetzt angekündigt, BIWAPP in Kürze in Betrieb zu nehmen. Das System wird in Niedersachsen außerdem vom Heidekreis sowie den Landkreisen Cloppenburg, Vechta, Northeim, Mansfeld-Südharz, Oldenburg und der Stadt Delmenhorst genutzt.

NINA

"Notfall-Informations- und Nachrichten-Applikation" - klingt etwas sperrig. Deswegen ist NINA der bessere Name für die App, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe seit 2015 anbietet. Im Unterschied zu BIWAPP und Katwarn ist NINA als kein System, das privatwirtschaftlich entwickelt worden ist. Auch per NINA werden die Menschen über Gefahrenlagen informiert und Warnhinweise herausgegeben. Als System des Bundes kann NINA über überregionale Warnlagen informieren. Im lokalen Bereich ist man aber ebenso darauf angewiesen, dass der eigene Landkreis das System mit entsprechenden Infos füttern kann.