Frühlingsgefühle

Woran man merkt, dass es in Niedersachsen Frühling wird

"Er ist's": Wenn Schulkinder in Niedersachsen wieder das berühmte Gedicht von Eduard Mörike auswendig lernen müssen, dann kann der Frühling nicht mehr weit sein. Doch woran merkt man bei Dauerregen und trübem Wetter, dass auch im Norden bald der Frühling beginnt?


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Auch wenn das Schmuddelwetter der vergangenen Tage im Norden eher an Winter erinnert: Der Frühling steht vor der Tür. Bis zum kalendarischen Frühlingsbeginn am Mittwoch (20. März) sind es nur noch wenige Tage. Die Vorboten sind schon jetzt an vielen Stellen bemerkbar - ein Blick auf zehn niedersächsische Frühlingsboten:

1. Am Nordseestrand stehen schon wieder Strandkörbe

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 (Foto: eddi_m - stock.adobe.com)

Noch herrscht stürmisches Reizklima an der Nordsee, das soll sich aber zum Frühlingsanfang ändern, hofft die Tourismusbranche. Offiziell beginnt die sturmflutfreie Jahreszeit zwar erst am 15. April, die Verleiher von Strandkörben machen jedoch mit Blick auf Ostern langsam ihre Sitzmöbel in den Winterlagern startklar. In Harlesiel sollen von dieser Woche an nach und nach rund 120 Körbe bis Ostern aufgestellt werden, im Sommer sind es dann 400. In den ersten beiden Reihen mit Meerblick kosten die Körbe 7 Euro am Tag - dahinter wird es mit 6 Euro dann billiger.

2. Städte rufen zum Frühjahrsputz auf

Den Frühjahrsputz kennt man von zu Hause, doch auch die Städte machen mit - und setzen auf die Mithilfe der Bevölkerung. Müll, der in den vergangenen Monaten achtlos auf Straßen und Parks weggeworfen wurde, landet so dort, wo er hingehört. "Die Landschaftssäuberungsaktion ist für das Stadt- und Landschaftsbild sehr wichtig, dient aber auch dem Schutz von Menschen und Tieren, die sich an scharfkantigen Abfällen verletzen können", hieß es von der Stadt Lingen, wo am vergangenen Wochenende der Frühjahrsputz anstand. In Wilhelmshaven wird der Müll Ende des Monats weggeräumt: Für die Aktion am 29. und 30. März haben sich schon rund 500 Menschen angemeldet.

3. In Hannovers Eilenriede oder auf dem Deich - die Jogger sind los

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(Foto: Antenne Niedersachsen)

Der Winterspeck ist noch nicht ganz weg, es wird wärmer - was liegt da näher, als Bewegung in der Natur. Ob beim Joggen oder beim Nordic Walking, viele Niedersachsen wollen lästige Pfunde loswerden, denn der nächste Strandurlaub kommt bestimmt. Besonders viel los ist traditionell in Hannovers Eilenriede, die als Europas größter Stadtwald gilt. Weniger windgeschützt sind die Joggingstrecken an der Küste: Doch auch auf den Deichen oder am Nordseestrand sieht man in diesen Tagen neben Spaziergängern schon erste vereinzelte Jogger, die dem stürmischen Wetter trotzen. Einige von ihnen haben ein großes Ziel vor Augen: den Hannover-Marathon am 7. April, der unter anderem durch die 6,5 Quadratkilometer große Eilenriede führt.

4. Die Störche sind zurück

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 (Foto: picture alliance / Hauke-Christi)

Kommt der Frühling, kommen die Störche zurück aus ihren Winterquartieren in Afrika oder anderen südlichen Gefilden. Einige haben sich inzwischen einen Promi-Status erworben: Allen voran Storch Fridolin, der schon am 19. Februar in sein Netz im Artenschutzzentrum Leiferde zurückgekehrt ist. Fridolin, dessen Winterquartier in Spanien vermutet wird, ist inzwischen nicht mehr alleine. Am 8. März kam mit stürmischem Rückenwind auch Mai zurück, sein Storchenweibchen aus dem vergangenen Jahr. «Ausruhen können sich die beiden nicht, da noch zahlreiche Störche aus dem Süden eintreffen werden und sie ihr Netz gemeinsam verteidigen müssen», hieß es in Leiferde.

5. Der Bärlauch ist bald wieder da

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 (Foto: jacinda richman - stock.adobe.com)

Zwischen März und Mai lässt sich in vielen niedersächsischen Wäldern wieder der Bärlauch sammeln. Das knoblauchähnliche Wildgemüse werde immer beliebter, sagt Axel Kaiser, der sich "Der Bärlauchbauer" nennt. Er besitzt eine Sondergenehmigung, Bärlauch an einem geheimen Ort im Teutoburger Wald zu sammeln und zu vermarkten. "Eine junge Kundin hat mich auf das neueste Rezept Bärlauch-Muffins gebracht", berichtet er. Für ein einzelnes Essen darf nach dem Naturschutzgesetz jeder die Pflanze sammeln, größere Mengen sind verboten.

6. Der Spargel ist da

Frühlingszeit ist Spargelzeit in Niedersachsen. Den ersten Spargel gibt es bereits bei uns - die Fußbodenheizung macht es möglich. In Nienburg konnte dadurch der erste Spargel bereits geerntet werden. Mit der regulären Ernte ist von Ende März bis Mitte April zu rechnen. Und bis zur Ernte liefern sich unsere Spargelsorten in Niedersachsen ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Wie das klingt, hört ihr unserer Comedy.

Spargel-Rennen

7. Die Strände auf den Inseln werden aufgespült

Wind, Wetter und Wellen nagen in jedem Winter an den Stränden der ostfriesischen Inseln. Wenn die Sturmsaison vorbei ist, werden die Strände aufgespült - so wie jetzt auf Borkum. Dort sollen in den kommenden Wochen bis zu 55 000 Kubikmeter wieder aufgeschüttet werden. Auf Wangerooge war Bürgermeister Marcel Fangohr zuletzt optimistisch, dass dort ein großer Teil der Schäden bis zu den Osterferien repariert werden kann. Die Küstenschutzmaßnahmen auf den ostfriesischen Inseln verschlingen jährlich mehrere Millionen Euro.

8. Die Städte legen mit der Frühjahrsbepflanzung los

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 (Foto: picture alliance/dpa)

Nicht nur die Balkone und Terrassen in Niedersachsen werden grüner und bunter, auch die Städte pflanzen in Parks und Grünanlagen frische Frühjahrsblumen an. Am Staatstheater und am Lessing-Denkmal in Braunschweig waren die Gärtner bereits Mitte März am Werk. 7000 Stiefmütterchen sollen für Frühlingsstimmung sorgen, daneben werden mehr als 1000 weitere Blumen im Braunschweiger Stadtgebiet gepflanzt. In Hannover fiel der Startschuss bereits eine Woche früher. Am Stadtpark beim Congress Centrum setzten Gärtner 3600 Hornveilchen ein. Mitte Mai werden dann zusätzlich 50 Pflanzenkübel im Stadtpark verteilt - und auf die Hornveilchen folgen dann Sommerblumen.

9. Die Lämmer sind da

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 (Foto: picture alliance / David Cheskin)

Für die Schäfer läuft die härteste Zeit des Jahres, jetzt ist Lämmerzeit, zum Schlafen kommen sie kaum. "Wir sind rund um die Uhr im Stall und schauen, ob alles glatt läuft", sagt Clemens Lippschus, Schäfer in der Lüneburger Heide. Die ersten Lämmer seiner Heidschnucken wurden Ende Februar geboren. "Ich bin jeden Tag bis tief in die Nacht im Stall, es kann auch bis zum Morgen dauern, wenn viele Geburten anstehen", meint der 28-Jährige, während die Lämmer überall in dem großen Stall laut blöken. "In der Lammzeit haben wir keine freien Tage." Lippschus arbeitet im Schäferhof in Schneverdingen, im Moment bis zu hundert Stunden pro Woche. Ein Großteil seiner rund 400 Mutterschafe hat bereits gelammt.

10. Vorfreude auf die Zeitumstellung - besonders in Braunschweig

Der wohl verlässlichste Frühlingsbote im März ist - zumindest noch - die Umstellung der Uhren. Jedes Jahr am letzten Sonntag im März beginnt die sogenannte Sommerzeit. Verantwortlich dafür, dass diese Umstellung in Deutschland technisch rundläuft, ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Für Andreas Bauch von der PTB ist der Tag der Umstellung nicht gerade das Highlight des Jahres: "Eine Stunde weniger Schlaf", meint er knapp. Aber danach könne er nach Feierabend wieder sicher im Hellen nach Hause fahren und sich auch noch auf dem Sportplatz auszutoben, erzählt der Leiter der Arbeitsgruppe Zeitübertragung.

11. Hochbetrieb in Niedersachsens großen Gärten

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 (Foto: picture alliance / Julian Strate)

Die Sonne zeigt sich häufiger und die Temperaturen steigen: Die Zeit der großen Gärten in Niedersachsen beginnt. In Hannover öffnen die Herrenhäuser Gärten ab dem 1. April ihre Tore länger für die Besucher, dann springen auch die Wasserspiele im Großen Garten wieder. Der Park der Gärten in Bad Zwischenahn im Ammerland startet knapp zwei Wochen später in die Saison: "Fünf Gärten sind in den letzten Monaten neu angelegt worden", erklärte der Betreiber. Am 13. April geht es los - ebenso wie auf dem Gelände der früheren Landesgartenschau in Bad Iburg. Dann eröffnet dort der Baumwipfelpfad, es gibt 2000 neue Pflanzen und sechs Themengärten können nach einer Winterpause wieder besichtigt werden.

(dpa)