Manege frei!

Vorlesung im Zirkuszelt

Für einige Studierende der TU Braunschweig heißt es ab Vorlesungsbeginn: Manege frei! Denn einige der Vorlesungen werden dann in einem Zirkuszelt auf dem Campus stattfinden. Uni im Zirkuszelt? Das ist Grund genug für Antenne Niedersachsen Reporter Daniel Düsenflüß die Manege zu betreten.


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"He-rrrrr-einspaziert! He-rrrrr-einspaziert! Eine Weltsensation!! Wir verraten Ihnen heute die Geheimnisse der Grundlagen des Konstruierens!! Kommen Sie näher!!", rufe ich.

Thomas Vietor, Professor am Institut für Konstruktionstechnik an der TU Braunschweig, schaut mich leicht irritiert an. "Den letzten Satz finde ich gar nicht schlecht. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ich das mit der 'Weltsensation' sagen werde", erklärt Vietor. Das ist kein Problem. Schließlich war das von meiner Seite aus auch nur ein Vorschlag, um den Geist dieses besonderen Ortes einzufangen, an dem wir uns gerade zu zweit befinden: In einem Zirkuszelt!

Auch, ob Thomas Vietor die typische "Zirkusdirektoren-Spreche" mit dem langgezogenen R und den speziellen – der Cosinuskurve ähnlichen - Sprecherrythmmen wählen wird, bezweifele ich. Dabei würde all das großartig in das neue Vorlesungs-Zelt der TU Braunschweig passen.

Statt Hörsaal heißt es Zirkuszelt

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In diesem Zirkuszelt wird den Studierenden der TU Braunschweig künftig Lerhstoff vermittelt. (Foto: Antenne Niedersachsen)

In wochenlanger Arbeit wurde das riesige Zelt auf einer Rasenfläche auf dem Campus der TU Braunschweig aufgestellt. Grund sind der seit Februar andauernde Umbau und die Sanierung des Audimax. Deshalb müssen die Studenten für mindestens ein Semester umziehen und dort büffeln, wo einst Clowns, Tiger oder Trapezkünstler ihre Shows spielten.

Ich schaue mich im rötlich schimmernden Zelt um: In der Mitte der Manege steht ein Rednerpult, dahinter sind zwei Beamerwände und eine Tafel befestigt. Statt Klapptischen haben die Studierenden Klappbretter an ihren roten Sitzschalen. Und obwohl es auf dem Manegeboden keine Sägespäne gibt, steigt mir sofort dieser typische Geruch in die Nase. Allerdings bin ich der Einzige, der vom Zirkusgefühl gepackt wird.

"Ich verbinde all das hier nicht mit einem Zirkuszelt", sagt mir Thomas Vietor, "für mich handelt es sich hier einfach um einen speziellen Raum, in dem Vorlesungen gehalten werden. Deshalb möchte ich hier auch keine Show daraus machen."

Die Hoffnung, dass sich die Zirkuszelt-Vorlesungen um Brennstoffzellen-Feuershows, Thermodynamik am Trapez oder Jonglieren mit Elektromotoren drehen werden, erhalten somit einen Dämpfer. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.