Niedersachsens Landfrauen

Von wegen nur Kind und Küche - Landfrauen engagieren sich politisch

Der Bus fährt nicht am Wochenende, von Digitalisierung auf dem Land kaum eine Spur: Bei Niedersachsens Landfrauen dreht es sich längst nicht mehr nur ums Häkeln, Kochen und den Nachwuchs.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Woher kommen die Lebensmittel? Wie kann die Digitalisierung auch auf dem Land gelingen? Was kann die Dorfgemeinschaft für mehr Chancengerechtigkeit tun? Die Themen der niedersächsischen Landfrauen sind längst nicht mehr auf Kind und Küche beschränkt. Den Finger in die Wunde legen und auf die Probleme auf dem Land hinweisen wollen immer mehr Frauen - etwa 3700 neue und darunter viele jüngere Mitglieder zählte Niedersachsens Landfrauenverband im vergangenen Jahr. Rund 100 000 Mitglieder seien es damit mittlerweile, teilte das Landvolk Niedersachsen mit.

"Wir haben alle die Landflucht im Hinterkopf. Das Land ist nicht mehr attraktiv, die Ärzte sind nicht mehr hier, alle arbeiten irgendwo anders. Und wir sind sozusagen das Sprachrohr auf dem Lande", erklärte Svenja Leder von den Jungen Landfrauen Lüneburg. Nur noch ein Fünftel der Landfrauen ist nach Angaben der Geschäftsführerin der Landfrauen Hannover, Birgit Wessel, in der Landwirtschaft tätig.

Die Landfrauen sind in den zwei niedersächsischen Dachverbänden Hannover und Weser-Ems organisiert. Gut 2500 Frauen meldeten sich 2018 in Hannover neu an, etwa 1200 im kleineren Verband Weser-Ems. Die Dachverbände setzen sich aus den Kreisverbänden zusammen. Der Zulauf in den nördlichen Kreisverbänden sei dabei höher gewesen als im Süden, sagte Wessel. So zählten die Kreisverbände Stade und Lüneburg jeweils knapp 700 neue Mitglieder, der Kreis Hildesheim im südlichen Niedersachsen etwa 240. Insgesamt sei die Zahl an Neuzugängen in den vergangenen Jahren konstant geblieben.

Landfrauen engagieren sich politisch

Als politische Interessenvertretung tagen die Landfrauen längst nicht mehr im stillen Kämmerlein. "Wir haben gerade erst ein Gespräch mit Staatssekretär (Stefan) Muhle zum Thema Digitalisierung im ländlichen Raum geführt", betonte Wessel. Muhle (CDU) ist im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung tätig.

Bei der diesjährigen Ideen-Expo in Hannover waren die Landfrauen mit einem Stand dabei. Es sei ihnen darum gegangen, Aufmerksamkeit für die Vermittlung von Alltagskompetenzen in den Schulen zu erzeugen. Für die Landfrauen gehört das Fach Hauswirtschaft in den Stundenplan. Sie finden, dass Kinder bereits früh möglichst viel über gesunde Ernährung und die Herkunft von Lebensmitteln wissen sollten. Neben Bildung kümmern sich die Mitglieder aber auch um klassische Themen wie Bienensterben oder Schwänzekupieren bei Ferkeln.

Dass sich nun vermehrt junge Frauen bei den Landfrauen engagieren, liegt laut Wessel womöglich an der Dringlichkeit einiger Themen - beispielsweise der Kinderbetreuung auf dem Land. 2017 gründete sich die Initiative Junge Landfrauen. Seither finden sich vielerorts Gruppen mit Frauen bis zum Alter von 45 Jahren zusammen. "Es gibt unheimlich viele junge Landfrauengruppen, die sich gründen und innerhalb der Vereine ihr eigenes Ding machen, das aber trotzdem Landfrauenarbeit ist", erklärte Wessel.

Svenja Leder ist junge Landfrau aus Artlenburg im Kreis Lüneburg. In ihrer Region sei die ländliche Infrastruktur ein großes Thema: "Dass ein Bus mal samstags fährt oder auch mal sonntags, das gibt's hier nicht." Ihre Tochter beschwere sich seit langem darüber.

(dpa)