Niedersachsen

Viele Städte verzichten auf Public Viewing zur WM

Eine WM ohne Public Viewing? Für viele Fans gehört die Riesen-Leinwand seit dem Sommermärchen 2006 dazu. Doch zur WM in Russland fällt das Rudelgucken in Hannover und Osnabrück aus. Auch andere Städte hadern.


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 (Foto: picture alliance / Peter Steffen)

Bei der Fußballweltmeisterschaft im Sommer in Russland können Fans aus Niedersachsen in vielen Städten wieder gemeinsam mitfiebern. Doch der Trend geht zum Biergarten oder der heimischen Grillparty - das ganz große Public Viewing lohnt sich für die Veranstalter oft nicht mehr. Einige Städte wie Hannover oder Osnabrück verzichten sogar ganz darauf.

In Osnabrück beispielsweise wird es nach derzeitigem Stand kein zentrales Public Viewing geben. Dafür zeigen aber viele Biergärten oder Kneipen die WM-Spiele. "Das Alando Palais auf der Hase-Terrasse wird für die gesamte WM eine Leinwand aufbauen", sagte eine Sprecherin des Stadtmarketings. Und am Ledenhof plane eine Veranstaltungsagentur, die ersten drei Spieltage zu übertragen. Die Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft sollen dort auf einer 20 Quadratmeter großen Leinwand zu sehen sein, die auf einem Truck steht - wenn die Stadt der Veranstaltung zustimmt.

Vor dem Achtelfinale zieht der Public-Viewing-Truck weiter, unter anderem nach Hannover. Auch dort findet nach zwölf Jahren kein zentrales Public Viewing mehr für die komplette WM statt. Die Veranstaltungen an der Swiss Life Hall und der Gilde Parkbühne, wo bei der EM vor zwei Jahren noch bis zu 10 000 Fans feierten, fallen diesmal aus.

"Solche Riesenevents sind für uns nicht mehr rentabel", sagte Karsten Seifert, Sprecher des Veranstalters Hannover Concerts. Das große Public Viewing liege bei vielen Menschen einfach nicht mehr im Trend. "Mittlerweile zeigen viele Biergärten die Spiele oder die Leute veranstalten im eigenen Garten Grillpartys", sagte Seifert. Außerdem bereiten steigende Kosten durch verschärfte Sicherheitsauflagen den Veranstaltern in vielen Städten Sorgen.

In Braunschweig schauten vor zwei Jahren noch bis zu 3000 Menschen die EM-Spiele an der Martinikirche. Ob sich wie 2016 ein privater Veranstalter für das Public Viewing finde, sei noch unklar, sagte eine Sprecherin des Stadtmarketings.

In Oldenburg fällt die endgültige Entscheidung über ein mögliches Public Viewing erst Ende März. "Wir schauen noch, ob sich das finanziell überhaupt lohnt", sagte ein Sprecher der Veranstaltungsagentur OVS. Wenn es ein Public Viewing gebe, dann an den Weser-Ems-Hallen. Wie schon bei vergangenen Turnieren soll dort wieder eine 28 Quadratmeter große Leinwand aufgebaut werden.

Auch in Göttingen ist noch nichts fix, aber die Planungen für ein mögliches Public Viewing laufen, teilte das Management der Lokhalle mit. Dort hätten rund 5000 Fußballfans Platz. Etwa genauso viele Menschen können die Spiele der Nationalmannschaft in Hildesheim verfolgen. Auf dem Jo-Beach findet wie schon 2016 ein großes Public Viewing statt, da sind sich die Veranstalter sicher.

Um Public Viewing zu ermöglichen, werden die Lärmschutzregeln gelockert. Das Bundeskabinett beschloss kürzlich, dass die Open-Air-Übertragung der WM-Spiele auf Großleinwänden auch nach 22.00 Uhr grundsätzlich erlaubt ist. "Das gemeinschaftliche Fußballgucken unter freiem Himmel gehört zu Welt- und Europameisterschaften einfach dazu", erklärte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Im Einzelfall liegt die Entscheidung jedoch bei der jeweiligen Kommune, die zwischen dem öffentlichen Interesse am Fußballgucken und dem Schutz der Nachtruhe abwägen muss. Die WM in Russland beginnt am 14. Juni, das Finale wird am 15. Juli ausgetragen.