Rotnackenwallaby Viggo

Veterinäramt nimmt Familie Känguru weg

Eine Familie und ein Amt streiten um ein Känguru. Alle sagen, sie wollen nur das Beste für das Tier. Jetzt sitzt Viggo statt im Garten der Familie in einer Wildtierschutzstation.


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 (Foto: picture alliance / Philipp Schul)

Das Veterinäramt hat einer Familie aus Niedersachsen ihr Känguru weggenommen. Sie hätten gegen Haltebedingungen verstoßen, monatelang nicht nachgebessert und Fristen verstreichen lassen, wie der Landkreis Celle am Mittwoch mitteilte. Die Familie von Benjamin Müller lebte mehr als drei Jahre mit ihrem Haustier Viggo. "Am Morgen standen plötzlich fünf Leute ohne Ankündigung vor der Tür und als wir sie wieder schließen wollten, traten sie sie ein", sagt Müller. "Die Kinder schrien, ich rief unseren Anwalt an, meine Lebensgefährtin ist auf den Amtstierarzt losgegangen und dann haben sie Viggo eingefangen."

Müller sagt, seine Familie habe die Halteanforderungen erfüllen wollen - dies dauere aber. "Nächste Woche haben wir vor, einen Mietvertrag für ein Haus mit einem genügend großen Grundstück zu unterschreiben." Auch habe er Kontakt zu mehreren Wallaby-Züchtern aufgenommen, um einen Artgenossen für Viggo zu finden, wie dies das Amt gefordert hatte. "Es ist schwierig ein anderes Tier zu finden, das Viggo verträgt", sagt Müller. "Normalerweise verscheucht er jeden Vogel, der im Garten landet." Das Wallaby habe stattdessen mit den Kindern gespielt und die Familie hat ihm neben Grünfutter und Wasser auch mit Müsli gefüttert. "Jetzt schreien die Kinder nur noch und möchten nicht mehr zur Schule gehen."

Ein Landratsprecher sagt: "Die Anforderungen müssen nachvollziehbar erfüllt werden. Bloße Absichtserklärungen reichen nicht mehr aus." Nach Angaben des Nabu-Artenschutzzentrums entfleuchen Kängurus oft, was ein Beweis dafür sei, dass ihre Gehege nicht fachgerecht sind.

Gehege ist 50 Quadratmeter zu klein

Auch Viggo war im vergangenen Sommer ausgebüxt. Und nachdem ihn Polizisten wieder eingefangen hatten, überprüften Tierärzte und Behörden die Haltebedingungen erneut. Sie stellten fest, dass der Garten, in dem Viggo herumhopste, nach den gesetzlichen Bestimmungen rund 50 Quadratmeter zu klein für ein Rotnackenwallaby ist. Nach Angaben der Familie ist das Gelände etwa 150 Quadratmeter groß.

Das Amt hatte die Familie auch aufgefordert, einen Artgenossen für das Känguru zu finden und einen Sachkundenachweis zu erbringen. Den Nachweis hat die Familie erfüllt.

Nach Angaben des Landkreises ist das Känguru inzwischen in einer Tierschutzstation "artgerecht untergebracht". Sollte die Familie in den kommenden Wochen nachbessern, werde das Amt das Haustier wieder zurückgeben.

Notfalls vor Gericht

Die Polizei, die den Amtstierarzt und zwei Angestellte der Wildtierschutzstation begleitet hat, ermittelt nun gegen Müllers Lebensgefährtin, weil sie den Beamten Widerstand geleistet, sie bedroht und beleidigt hätte.

Müller sagt: "Wir tun alles, um Viggo zurückzubekommen - wir gehen notfalls auch vor Gericht." Die Familie ist schon einmal wegen Viggo umgezogen. Zunächst lebten sie mit dem Tier in einer Wohnung in Baden-Württemberg. Als dort aber Wiesenflächen entfernt wurden, sind sie Anfang des vergangenen Jahres ins niedersächsische Bergen gezogen.

(dpa)