Oldenburg

Verteidigung plädiert im Högel-Prozess - Urteil am Donnerstag

Der Prozess um die vermutlich größte Mordserie der Nachkriegszeit in Deutschland geht dem Ende zu: Am vorletzten Tag der Verhandlung gegen Ex-Pfleger Högel plädiert die Verteidigung. Das Urteil wird für Donnerstag erwartet.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Rund sieben Monate nach dem Beginn des Prozesses gegen den mutmaßlichen Serienmörder und Ex-Pfleger Niels Högel werden am Mittwoch um 09.00 Uhr die letzten Plädoyers erwartet. Die Verteidigerinnen Ulrike Baumann und Kirsten Hüfken dürften sich mehrere Stunden zu dem Fall äußern. Die Staatsanwaltschaft hatte für Högel wegen 97 Morden eine lebenslange Haftstrafe unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld beantragt. Högel ist wegen 100 Morden angeklagt, in drei Fällen sah die Staatsanwaltschaft aber keine hinreichende Beweislage und plädierte auf Freispruch.

Nach dem Plädoyer hat Högel die Gelegenheit für das letzte Wort, bevor am Donnerstag nach 24 Verhandlungstagen das Urteil gesprochen werden soll. Der 42-jährige Ex-Krankenpfleger soll von 2000 bis 2005 an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst Patienten mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Dabei brachte er laut Anklage seine Opfer mit unterschiedlichen Substanzen in lebensbedrohliche Lagen, um bei der notwendigen Reanimierung seine Kollegen zu beeindrucken. Viele Patienten überlebten diese Verbrechen nicht.

Wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation hatte ihn das Landgericht Oldenburg bereits 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt. Er sitzt in der JVA Oldenburg.

Der Sprecher der Angehörigen, Christian Marbach, zeigte sich grundsätzlich enttäuscht vom Aussageverhalten Högels in dem Prozess. Er habe die Chance verpasst, umfassend zur Aufklärung beizutragen. "Högel ist und bleibt ein Lügner. Er hat taktisch nur das eingeräumt, was ihm ohnehin zu 100 Prozent nachgewiesen werden konnte", sagte Marbach der Deutschen Presse-Agentur. Marbachs Großvater gehört zu den Opfern, für deren Tod Högel sich schon vor Gericht verantworten musste.

Seit dem ersten Prozesstag am 30. Oktober 2018 wurden 32 Zeugen vernommen, 8 von ihnen wurden vereidigt. Es sagten Ärzte und Pfleger der Kliniken Oldenburg und Delmenhorst aus. Högel hatte 43 der 100 Taten eingeräumt und 5 ausdrücklich bestritten. An die übrigen 52 Taten konnte er sich angeblich nicht erinnern. Högel schloss aber auch nicht aus, diese Patienten getötet zu haben.

(dpa)