Positive Bilanz

TÜV Nord bleibt auf Wachstumskurs - Übernahmen im Ausland geplant

Drohnengestützte Inspektionen von Raffinerien, virtuelle Realität, Roboter oder Künstliche Intelligenz: der TÜV Nord beschreitet neue Wege. Als Kind der ersten industriellen (Dampfmaschinen-)Revolution geboren steht die Prüfgesellschaft heute vor neuen Herausforderungen.


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 (Foto: picture alliance / Peter Steffen)

Neue Standards für Abgasmessungen verursachen beim TÜV Nord erhebliche Kosten für neue Prüfstände. Die neuen Vorgaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) machten erhebliche Umstellungen und Investitionen in komplexe Ausrüstung erforderlich, sagte TÜV-Nord-Chef Dirk Stenkamp am Freitag in Hannover. "Alle, einschließlich des KBA, waren überrascht von der Fülle der Prüfungen und der zu erbringenden Dokumentation", sagte er. Bis September dürften aber alle gestellten Anforderungen zu erfüllen sein. Das Abgasverhalten von Autos werde so künftig realitätsnäher bestimmt.

Hilfe bei der Erforschung von Wasserstoffantrieben

Mit Blick auf die Elektroautos geht Stenkamp davon aus, dass deren Hauptuntersuchung in etwa die gleiche Anzahl von Prüfpunkten haben werde - die allerdings in ihrer Struktur verschieden seien. "Ja, die Zukunft der Mobilität ist höchstwahrscheinlich elektrisch", meinte er. Er betonte jedoch: "Es ist aber noch lange nicht entschieden, wie der Antrieb ausschaut." Der TÜV Nord helfe daher auch bei der Erforschung der Anwendung des Wasserstoffantriebs.

Die im Bereich Mobilität zusammengefasste Untersuchung von Kraftfahrzeugen macht mit 31 Prozent nur noch knapp ein Drittel am Umsatz der Gruppe aus. Deutliche Zuwächse gab es im Geschäftsbereich IT, wo der Konzern im Vorjahr stark in die Digitalisierung investierte. "Der Anteil digitaler Dienstleistungen wächst stetig", sagte Stenkamp. 2017 seien rund 50 Millionen Euro in diese Zukunftsbereiche investiert worden. Zu den Geschäftsfeldern des Tüv Nord zählen Sicherheitsdienstleistungen für die stark vernetzte Industrie, das autonome Fahren und die Abwehr von Hackerangriffen.

Wachstumskurs und Auslandsplanungen

Getrieben vom guten Auslandsgeschäft hat die Prüfgesellschaft TÜV Nord das vierte Wachstumsjahr in Folge hingelegt. Der Konzern sei finanziell solide aufgestellt, so Stenkamp. 2018 will der TÜV Nord den Wachstumskurs des Vorjahres fortsetzen und sieht sich auf Kurs beim Ausbau von Umsatz, Personal und Investitionen, die von 50 Millionen (2017) auf 60 Millionen Euro steigen sollen. Zukäufe von Unternehmen sind vor allem in Asien, aber auch Europa und Afrika geplant. "Ja, wir wollen und werden auch weiter zukaufen, das gilt weltweit", kündigte Finanzvorstand Jürgen Himmelsbach an. Er betonte: "Wir wollen internationaler werden."

Der Umsatz der TÜV-Nord-Gruppe ist im Vorjahr um 2,7 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) auf 77,5 Millionen Euro gewachsen, teilte er am Freitag in Hannover mit. Parallel zum guten Geschäft nahm die Zahl der Mitarbeiter gegenüber dem Vorjahr um 367 Beschäftigte auf eine Belegschaft von nun 10 539 zu. Der Auslandsanteil der Gesellschaft, die vor allem in China und Indien zulegte, liegt mittlerweile bei 26,4 Prozent.

Frauenquote soll deutlich angehoben werden

Im Kfz-Bereich wurden bereits mehr als 2,5 Millionen Autos mit dem neuartigen digitalen Adapter für die Hauptuntersuchung (HU) im Bereich der Fahrzeugelektronik geprüft. Abgasuntersuchungen bleiben ebenfalls ein wichtiges Standbein. "Wir haben als TÜV Nord einen enormen Eigenbeitrag geleistet, auch durch Eigeninvestitionen", sagte Stenkamp. Im Rohstoffbereich steht unter dem Stichwort "autonomes Bergwerk" etwa der Einsatz vernetzter Maschinen im Fokus, bei der speziell entwickelte Technik genutzt wird.

Im Breitbandausbau sucht der TÜV Nord, der seine Frauenquote deutlich anheben will, den Schulterschluss mit der Telekom beim Ausbau des 5G-Standards. Stenkamp: "Wir investieren weiter in diesen Bereich." Dazu gehörte die Übernahme einer Firma mit entsprechendem Know-How.

(dpa)