Delmenhorst

"Trompeten-Toni" und Rentierschlitten: Licht an im Weihnachtshaus

"Es werde Licht!" Der biblische Spruch wird in Delmenhorst und Hellendorf zur Adventszeit wörtlich genommen. Alle Jahre wieder erstrahlen dort zwei geschmückte Weihnachtshäuser. Mehrere 10.000 Lichter brennen - zur Freude von Passanten und Stromanbietern.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Mit einem kleinen Holz-Schwippbogen auf der Fensterbank oder einer dezent leuchtenden Lichterkette am Buchsbaum ist es bei Martina und Sven Borchart nicht getan. Wenn der 48-jährige Dreher am 1. Advent um 17.00 Uhr in Delmenhorst den Schalter umlegt, gehen über 55.000 Lichter an, die mit vier separaten 16-Ampere-Leitungen versorgt werden. "Angefangen haben wir 2002 mit fünf Lichterketten", erinnert sich das Paar. "Dann hat das so eine Dynamik bekommen." Die Brechtstraße 12 ist zur Adventszeit abends ein belebter Ort. Tausende Menschen schauen sich die leuchtende Pracht an. Da kann es schon mal zu kleinen Staus kommen. "Die Nachbarn sind aber noch sehr geduldig mit uns", sagt Sven Borchart.

Kirchlich gebunden sind beide eher nicht, aber die Weihnachtsgeschichte ist ihnen ans Herz gewachsen. Auf dem Dach der Garage steht eine große selbstgebaute Krippe mit den Figuren der Heiligen Familie. Ochs und Esel sind dabei und die drei Könige auch. Auf dem Dach des Einfamilienhauses in der ruhigen Seitenstraße zieht weißer Qualm aus einem Schornstein. Alles täuschend echt. "Ist aber eine Attrappe", erzählt Borchart. Die hat er selbst gebaut. Als Gebläse dient eine Dunstabzugshaube, die auf dem Dachboden steht. Am 1. Advent und am Nikolaus-Tag gibt's auch Glühwein - Hunderte Menschen werden erwartet.

Wilhelm Balke hat schon am Dienstag den Schalter umgelegt. Nicht nur die Hausfassade erstrahlt im kleinen Hellendorf in der Gemeinde Wedemark in vollem Glanz. Im Garten ziehen leuchtende Rentiere den Weihnachtsschlitten, Schnee- und Weihnachtsmänner haben sich versammelt, Hasen und Hirsche sind als Lichterfiguren aufgestellt. "Die Kinder fragen schon immer, wann es wieder leuchtet", sagt Balke. Die Lichterketten verbrauchen rund 3000 Kilowatt Strom - fast so viel wie ein Pärchenhaushalt in einem Jahr. Gut 600 Euro koste ihn das, "trotz LEDs".

Die Borcharts in Delmenhorst rechnen für die Adventswochen sogar mit bis zu 800 Euro. Erstmals gibt es in diesem Jahr bewegte Deko. Eine etwa 2,75 Meter große Weihnachtspyramide mit Nussknackern und Räuchermännern dreht sich über den zum Teil mit einer Holzplatte gesicherten Gartenteich. Im Wasser ziehen Dutzende echte japanische Koi-Zierfische gemütlich - und zur Abwechslung im Weihnachtsglanz - ihre Bahnen. Ganz oben auf dem Dach ein leuchtender Engel mit Blasinstrument. Der Name "Trompeten-Toni" erinnert nicht direkt an Weihnachten. "Der hieß schon immer so", sagte Martina Borchert (56) schmunzelnd.

In Delmenhorst steht an einigen Tagen auch eine Spendenbüchse vor dem Weihnachtshaus. Mit dem Erlös werden nicht etwa Stromrechnung und Auslagen bezahlt, sondern heiltherapeutisches Reiten für behinderte Kinder in Delmenhorst unterstützt. "Da kommen schon 3000 Euro zusammen, und die gehen dann 1:1 an dieses Projekt", sagt Sven Borchart. Auch das gehört zu für das Paar aus Delmenhorst zu Weihnachten.

(dpa)