Zugvögel

Trockener Sommer führt zu weniger Kranich-Rastplätzen

Es ist ein beeindruckendes Spektakel, wenn Zigtausende der majestätischen Kraniche über Niedersachsen fliegen und in der Diepholzer Moorniederung Rast machen. Dieses Jahr hat aber die lange Trockenheit Auswirkungen auf die Rastplätze.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Auf ihrem Weg von Nordeuropa in den Süden bekommen auch die Kraniche die Folgen des sehr trockenen Sommers zu spüren. "Wir haben massive Wasserverluste durch die lange Trockenheit und die geringen Niederschläge, und somit sind die Wasserflächen teilweise komplett ausgetrocknet", sagte Nils Freudenthal vom BUND Diepholzer Moorniederung in Wagenfeld. Den Kranichen stehen weniger Rastplätze zur Verfügung. Die noch mit Wasser bedeckten Flächen sind damit besser besucht. Am vergangenen Wochenende waren der Zählung der Kranichexperten zufolge etwas mehr als 43 000 Vögel in der Diepholzer Moorniederung. Die Tiere schlafen nachts stehend in Flachwassergebieten.

Wegen der Trockenheit werden nun auch Wasserflächen als Rastplätze genutzt, die normalerweise nicht in Frage kommen, weil das Wasser zu hoch steht. Teilweise verteilen sich die Tiere nun neu auf die zur Verfügung stehenden Rast- und Schlafplätze.

Kraniche brüten im Sommer in Ost- und Nordeuropa und ziehen zum Überwintern in großen Schwärmen nach Frankreich, Spanien oder Nordafrika. Die Zugvögel legen dabei Strecken von bis zu 3000 Kilometern zurück. Vor allem der Herbstflug ist von langen Rasten unterbrochen. Die Tiere brauchen Nahrung und Schutz vor Feinden. In den vergangenen Jahren ist die Diepholzer Moorniederung als eine Art Trittstein zwischen norddeutscher Rügen-Bock-Region und dem nordostfranzösischen Rastplatz Lac du Der geworden. Laut BUND rasten hier bis zu 100 000 Zugvögel gleichzeitig.

Die Zugvögel, die zu Tausenden in der Region zwischen Bremen und Osnabrück rasten, locken auch viele naturbegeisterte Menschen an. Der Naturpark Dümmer organisiert geführte Kranichexkursionen, bei denen die Tiere beobachtet werden können. "Das Interesse ist sehr groß", sagte Michaela Meyer, Leiterin des Fachzentrums Moorwelten in Wagenfeld. Derzeit erkundigten sich etwa 50 Menschen jeden Tag nach Angeboten. Vor allem an den Wochenenden fahren viele Interessierte mit Bussen in die Moorgebiete. Aber auch Einzelgäste fragen nach Tipps zur Kranichbeobachtung.

(dpa)