Sturmtief "Benjamin"

Sturmschäden bleiben gering - Schnee stoppt Lok der Brockenbahn

Sturm, Hochwasser und Schnee haben den Niedersachsen zugesetzt. Doch die Folgen hielten sich im Rahmen. Nach dem Sturm kann die Suche nach den Containern in der Nordsee weitergehen.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Sturm "Benjamin" und die erste kräftige Sturmflut des Jahres haben in Niedersachsen keine größeren Schäden angerichtet. An der Küste wurden Hafenbereiche überflutet, im Binnenland knickten Äste ab oder fielen Bäume um. Vielerorts fegten stürmische Böen bis 70 Kilometer pro Stunde über das Land. Auf dem 1141 Meter hohen Brocken im Harz war der Wind doppelt so schnell unterwegs und galt damit als Orkan. Auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog wurden Orkanböen von 119 km/h (12 Beaufort) gemessen. Die Inselfähren nahmen am Mittwoch ihre Fahrpläne wieder auf, lediglich die Verbindung nach Helgoland blieb unterbrochen.

Glück hatte ein Busfahrer in Verden, als am Dienstag eine Birke gegen die Front seines leeren Linienbusses fiel: Der Mann blieb ebenso unverletzt wie ein 73 Jahre alter Autofahrer in Wilhelmshaven, dessen Wagen von einem umstürzenden Baum getroffen wurde. Ohne Verletzungen kamen auch 13 Reisende davon, als ihre S-Bahn zwischen Stade und Buxtehude in der Nacht zum Mittwoch gegen einen auf dem Gleis liegenden Baum prallte.

An den Küstenschutzbauwerken gab es nach einer ersten Bilanz des Landesbetriebs NLWKN keine gravierenden Schäden. Dünenabbrüche und Verluste von Strandaufspülungen wurden auf Norderney, Spiekeroog und Langeoog gemeldet. Auf Wangerooge entstanden meterhohe Abbrüche direkt an der Promenade. Bürgermeister Marcel Fangohr (parteilos) rechnet mit mehr als 100.000 Euro Schaden und weiteren Folgekosten für das Heranfahren von neuem Sand aus dem Osten der Insel.

Der Sturm ließ im Harz reichlich viel Schnee stöbern. In Harzgerode wurden sieben Zentimeter gemessen. Auf dem Brocken wuchs die Schneedecke binnen eines Tages von 75 auf 103 Zentimeter, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwoch in Leipzig sagte. Das führte auch zu Schneeverwehungen, in denen schließlich eine Lok der Harzer Schmalspurbahn (HSB) steckenblieb. Beschäftigte waren stundenlang mit einer Schneefräse im Einsatz, um die Zugmaschine und drei Waggons freizubekommen. Der reguläre Bahnbetrieb zum Brocken und zurück fiel daher aus.

Unterdessen setzte das Havariekommando die unterbrochene Suche nach verloren gegangenen Containern des Frachters "MSC Zoe" wieder fort. Daran seien ein Ölüberwachungsflugzeug und ein Hubschrauber der Bundespolizei beteiligt gewesen, sagte eine Sprecherin in Cuxhaven. Bei nachlassendem Wind und Wellengang sollten Spezialschiffe vor der deutsch-niederländischen Küste kreuzen.

Auf den Inseln und am Festland wurde zudem nach Treibgut aus der Containerladung gesucht. Auf Borkum wurden rund 15 bis 20 Kubikmeter Treibgut gesichtet, die in Kürze geborgen werden sollten. Vereinzelt landeten auch Ladungsreste wie Fahrradbleche aus Kunststoff, Seifenspenderköpfe und Verpackungsreste auf den Inseln Norderney und Juist an.

(dpa)