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Ermittlungen

Staatsanwaltschaft prüft ärztliche Fehler nach Tod eines Fünfjährigen

Ein fünfjähriger Junge wird tot in der Wohnung der Eltern gefunden. Die Eltern werfen dem Klinikum vor, die Bauchschmerzen ihres Sohnes nicht richtig behandelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft prüft nun den Verdacht der fahrlässigen Tötung. Die Ärztin wurde freigestellt.


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 (Foto: BillionPhotos.com - stock.adobe.com)

Mögliche Behandlungsfehler im Klinikum

Nach dem Tod eines Fünfjährigen in Salzgitter werden Hinweise zu möglichen Behandlungsfehlern im Klinikum geprüft. Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass der Junge nicht umfassend genug untersucht worden sei, teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig am Mittwoch mit. Deshalb werde die Einleitung von Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen eine Ärztin geprüft.

Obduktionsgutachten stellte eine ausgeprägte Bauchfellentzündung fest

Das Kind war Mitte November Woche tot in der elterlichen Wohnung in Salzgitter-Gebhardshagen gefunden worden. Laut Obduktionsgutachten starb der Junge infolge einer ausgeprägten Bauchfellentzündung. Nach Bekanntwerden des Falls hatte es Medienberichte gegeben, nach denen der Vater mit seinem unter starken Bauchschmerzen leidenden Kind in ein Krankenhaus in Salzgitter-Lebenstedt gefahren sei. Dort habe man ihn ohne Untersuchung abgewiesen und an einen Kinderarzt verwiesen. Die Klinik hatte dieser Darstellung widersprochen. Der Junge sei von einer erfahrenen Assistenzärztin gründlich körperlich untersucht und behandelt worden, hieß es in einer Stellungnahme.

Diese widersprüchlichen Angaben zusammen mit der ermittelten Todesursache sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft Grund für die intensivierten Ermittlungen. Zur Klärung der genauen Todesumstände soll vor allem die Frage beantwortet werden, ob und in welcher Form der Junge im Klinikum behandelt wurde. Geprüft werde auch, ob die im Ergebnis tödlich verlaufene Krankheit hätte erkannt werden müssen und ob dies den Tod des Jungen verhindert hätte.

Unglückliche Verkettung vieler Faktoren

"Bei einer Bauchfellentzündung handelt es sich um eine Infektion, also sind Bakterien in den Bauchraum gelangt", erklärt Thomas Buck, Facharzt für Kinderheilkunde aus Hannover. "Die häufigste Ursache bei Kindern ist eine Blinddarmentzündung, die beispielsweise geplatzt ist", so Buck weiter. Er könne sich aber nur schwer vorstellen, dass eine Bauchfellentzündung bei einer Untersuchung übersehen wird. Ein tödlicher Verlauf sei möglich, dann handele es sich aber um eine unglückliche Verkettung vieler Faktoren.

Ärztin vom Dienst freigestellt

Das Klinikum in Salzgitter teilte am Mittwoch mit, dass die Ärztin in der vergangenen Woche vom Dienst freigestellt worden sei. Der Grund dafür wurde dabei nicht genannt. "Wir befinden uns in der intensiven Aufarbeitung der Vorgänge, die sich in der betreffenden Nacht zugetragen haben", sagte eine Sprecherin. Dafür sei es unbedingt notwendig, den Obduktionsbericht medizinisch zu bewerten, der der Klinik aber noch nicht vorliege.