Ärztemangel auf dem Land

So wirkt Niedersachsen dem Landärztemangel entgegen

Die Landarztpraxen in Niedersachsen suchen dringend neue Kolleginnen und Kollegen: Rund 355 Stellen sind in Niedersachsen unbesetzt und bis 2030 werden schätzungsweise weitere 2.000 Hausärzte in den Ruhestand gehen, so die Kassenärztliche Versorgung Niedersachsen.


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Um die Situation der Landarztpraxen zu verbessern, hat die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) vor sechs Jahren das Projekt "Landpartie" ins Leben gerufen. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen Ärzten einer Region, dem kommunalen Träger und der MHH. Aktuell gibt es die "Landpartie" in drei größeren Regionen bei uns in Niedersachsen. Dazu zählen die Regionen Zeven/Bremervörde, der Heidekreis und die Gebiete Hameln-Pyrmont-Schaumburg.

Das Projekt "Landpartie" ermöglicht es den Studenten, ein zweiwöchiges Praktikum in einer Hausarztpraxis auf dem Land zu absolvieren. Während dieser Zeit lernen sie nicht nur den Alltag eines Hausarztes kennen, sondern leben auch in der Region und haben die Möglichkeit an verschiedenen Programmpunkten teilzunehmen, die den Beruf Landarzt attraktiver machen.

Intensives Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten

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Laura Wieddekind ist eine der Studierenden, die die "Landpartie" im vergangenen Jahr absolviert haben. Sie war zwei Wochen im Heidekreis und hat dort vor allem die Unterschiede zur Stadt kennengelernt. "Die Bevölkerung sieht den Hausarzt noch als erste Anlaufstelle. Die Patienten gehen also nicht direkt ins Krankenhaus, sondern erst zum Arzt. Sehr auffällig war auch das intensive Vertrauensverhältnis, das zwischen Arzt und Patienten besteht, die sehr lange in die Praxis kommen", so die junge Medizinstudentin aus Hannover.

Die MHH möchte mit dem Projekt "Landpartie" den Beruf des Landarztes möglichst attraktiv präsentieren, denn Prof. Dr. Nils Schneider weiß: "Soziale Bindungen und positive Erfahrungen haben einen unglaublich hohen Einfluss auf die Entscheidung, wo Ärzte später nach dem Studium praktizieren."

Studiengang "Physician Assistant (P.A.)"

Eine weitere Möglichkeit gegen den Ärztemangel vorzugehen, präsentiert Dr. Volker Eissing aus Papenburg. Er setzt sich für den Studiengang "Physician Assistant (P. A.)" ein. Dieser ermöglicht ArzthelferInnen mehr Befugnis. So könnten die ArzthelferInnen in Zukunft einige ärztliche Aufgaben übernehmen, wie Ultraschalluntersuchungen oder Wunden zu nähen. Der Studiengang soll berufsbegleitend unterrichtet werden.

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Bereits ab Herbst könnten am Ludmillenstift in Meppen die ersten Studenten den Studiengang aufnehmen. Dies wird in den nächsten Wochen entschieden. Der Studiengang ist in Deutschland noch sehr jung. Aktuell kann er an fünf Standorten in der Bundesrepublik studiert werden. In den Niederlanden ist ein vergleichbarer Studiengang bereits seit 15 Jahren etabliert.

Was unternimmt Niedersachen gegen den Landärztemangel?

Ministerpräsident Stephan Weil hat ein Förderstipendium für junge Medizinstudenten eingeführt. Die Studenten bekommen maximal 400 Euro pro Monat für vier Jahre. Anschließend verpflichten sie sich, so lange in einer Hausarztpraxis auf dem Land zu arbeiten, wie sie die Förderung erhalten haben.