Lehrermangel

Schulleiter fordern: Quereinsteiger besser vorbereiten

Das Kultusministerium will den Lehrermangel auch mit dem Einsatz von Seiteneinsteigern bekämpfen. Doch der Schulleitungsverband mahnt: Die Berufsneulinge benötigen eine bessere pädagogische Ausbildung, damit sie ihren Aufgaben auch gerecht werden können.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt besucht Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Mittwoch (9.15 Uhr) die Herbsttagung des Schulleitungsverbandes. Ein wichtiges Thema aus Sicht der Schulleiter sei die häufig nicht ausreichende pädagogische Qualifikation von Quereinsteigern im Lehramt, sagte Verbandschef Frank Stöber der Deutschen Presse-Agentur. "Die Leute kommen aus dem Labor oder aus der Wirtschaft, und wir stellen sie vor eine Schulklasse. Sie müssen vernünftig ausgebildet werden." Da Quereinsteiger aber eine wesentlich kürzere pädagogische Anleitung erhielten als regulär ausgebildete Lehrkräfte, komme es oft zu Autoritätsproblemen. Hier müsse das Kultusministerium nachbessern.

Angesichts des Lehrermangels hat das niedersächsische Kultusministerium in den vergangenen zwei Jahren verstärkt auf die Anwerbung von Quereinsteigern aus anderen Berufen gesetzt. Von den rund 2000 Lehrern, die zum neuen Schuljahr eingestellt wurden, hatten 247 ursprünglich einen anderen Berufsweg gewählt. Zum ersten Schulhalbjahr 2017/2018 wurden 226 Seiteneinsteiger beschäftigt.

Einen weiteren Schwerpunkt der Tagung bildet das Berufsbild des Schulleiters. Im Koalitionsvertrag hatten SPD und CDU vereinbart, sowohl Lehrkärfte als auch Schulleitungen von fachfremden Aufgaben zu entlasten. "Wir erkennen an, dass Schulleitung ein eigenes Berufsbild ist", heißt es in dem Papier. Doch seit ihrem Start habe die rot-schwarze Landesregierung zu wenig getan, um dieses Versprechen konkret einzulösen, kritisierte Stöber. "Für das Berufsbild Schulleiter gibt es nach wie vor keine Arbeitsbeschreibung und keine festgelegten Aufgabenbereiche." So müssten manche seiner Schulleiter-Kollegen sogar an Baubesprechungen teilnehmen, wenn die Schule saniert oder neu gebaut werde - und wüssten gar nicht, wo sie noch die Zeit dafür hernehmen sollten.

Nach Angaben des Kultusministeriums waren im März 194 Schulleiterstellen in Niedersachsen unbesetzt, die meisten davon an Grundschulen. Aktueller Daten stehen nicht zur Verfügung.

Der Kultusminister will in seiner Rede auch auf die geplante Digitalisierung in den Schulen eingehen. Bis zum Jahr 2021 sollen alle mit schnellem Internet versorgt sein. Die Landesregierung plant außerdem, digitale Endgeräte wie Tablets und Smartphones als Lernmittel in den Schulen anzuerkennen. Dies würde bedeuten, dass sie für die Schüler zur Pflichtausstattung werden. Der Plan sieht vor, dass ein "Unterstützungssystem für finanzschwache Eltern bzw. Nutzerinnen und Nutzer" entwickelt werden soll.

(dpa)