Rückkehr nach acht Jahren: VfL Osnabrück feiert Zweitliga-Aufstieg

Nach acht Jahren kehrt der VfL Osnabrück wieder zurück in die 2. Fußball-Bundesliga. Dabei wäre der Traditionsverein noch vor einem Jahr beinahe in die Regionalliga abgestiegen.


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Die Aufstiegsfeier des VfL Osnabrück war genauso bemerkenswert wie der Aufstieg an sich. Denn nachdem die Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga schon am fünftletzten Drittliga-Spieltag perfekt gemacht wurde, bewegten sich Spieler und Fans gemeinsam vom Stadion bis zum Rathaus der Stadt - zu Fuß oder im Linienbus. "Wir werden nächstes Jahr Vollgas geben, damit wir auch ne ganz geile Rolle in der Zweiten Liga spielen", brüllte Trainer Daniel Thioune via Megafon Richtung der treuen Anhänger. Schon diesen vorzeitigen Aufstieg hatte den Lila-Weißen kaum jemand zugetraut.

18 999 Zuschauer erlebten am Samstag den eigenen 2:0-Sieg gegen den VfR Aalen und die Nachricht vom Patzer des Verfolgers SV Wehen Wiesbaden in Jena mit. Ein Traditionsclub, der noch vor einem Jahr beinahe in die Regionalliga abgestiegen wäre, hat nun vier Spieltage vor Schluss 14 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Der Platzsturm der Fans nach dem Schlusspfiff war nur der Anfang einer langen Party-Nacht. "Die Stadt ist verrückt auf den VfL", sagte Thioune, der früher bereits Spieler und Fan des Clubs war.

"Eine unfassbare Saison", meinte auch der starke U21-Nationaltorwart Torhüter Nils Körber. "Nach zehn Spieltagen hat jeder gesagt: Die hatten Glück. Aber es war harte Arbeit."

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Nach der völlig verkorksten Saison 2017/18 bauten Trainer Thioune und Sportdirektor Benjamin Schmedes im vergangenen Sommer ein neues Team auf, indem sie 16 Spieler wegschickten und 14 Neue dazu holten. "Alle Räder haben ineinandergegriffen", erklärte Schmedes nach dem Aufstieg. "Die Jungs waren bereit, durch das Feuer zu gehen. Der Trainer hat sie dazu Woche für Woche verbessert."

Ein besseres Wochenende hätte sich der VfL für diesen Erfolg ebenfalls nicht aussuchen können. Denn Aufstiegs- und Geburtstagsfeier des Vereins fielen dadurch zusammen. 120 Jahre alt sind die Lila-Weißen in der vergangenen Woche geworden.

Unbestrittener Höhepunkt der Vereinsgeschichte ist nach wie vor der 5:4-Sieg beim FC Bayern München im DFB-Pokal der Saison 1978/79. Damals waren die Osnabrücker ein fester Bestandteil der erst zwei- und später eingleisigen 2. Bundesliga. Insgesamt 23 Jahre spielte der Verein auf diesem Niveau: Zwischen 1974 und 1993 beinahe durchgängig; danach aber immer nur für kurze Zeit. Nach den Aufstiegen 2000, 2003 und 2010 hielt sich der VfLjeweils nur für ein Jahr in der 2. Liga. 2008 schaffte er dort zum vorerst letzten Mal unter Trainer Claus-Dieter Wollitz den Klassenerhalt.

Auch in der kommenden Saison wird das nicht nur aufgrund so attraktiver wie auch schwerer Gegner wie Arminia Bielefeld, FC St. Pauli und voraussichtlich auch Hannover 96 nicht einfach. "Personell, finanziell wie auch infrastrukturell" sei der Verein Stand heute nicht mehr als ein normaler Drittliga-Club, sagte Geschäftsführer Jürgen Wehlend in einem Interview des NDR-Fernsehens. "Wir stehen am Ende der Wertschöpfungskette. Wir stellen uns ganz hinten an und müssen uns mehr erarbeiten. Dann ist auch eine Entwicklung möglich."

Neben Verbesserungen an den Trainingsplätzen und auch dem Stadion an der Bremer Brücke müssen sich die Osnabrücker auch strecken, um ihre Aufstiegsmannschaft zusammenzuhalten. Torwart Körber ist nur von Hertha BSC ausgeliehen. Eigengewächs Steffen Tigges hat seinen Wechsel zu Borussia Dortmund II bereits verkündet. Immerhin bestätigte Torjäger Marcos Alvarez, dass er dank einer Klausel in seinem Vertrag auch in der Zweiten Liga in Osnabrück bleiben wird.

(dpa)