Religion

Religionsunterricht trotz Mitgliederschwunds in Kirchen beliebt

Den Kirchen laufen die Mitglieder davon und viele Bänke bleiben beim Gottesdienst leer. In der Schule ist der Religionsunterricht aber weiter sehr gefragt. Ihn besuchen auch viele ungetaufte Schüler. Was macht das Fach für sie besonders?


122791930_ergebnis.jpg
 (Foto: picture alliance/dpa)

Obwohl die Zahl der Schüler in Niedersachsen, die keiner Religion zugehören, weiter steigt, ist das Interesse am Religionsunterricht weiterhin hoch. Für 2018 ergibt die Statistik des Kultusministeriums wie im Vorjahr, dass deutlich mehr Schüler am evangelischen und katholischen Religionsunterricht teilnehmen, als den beiden Religionen angehören. Rund 580 500 Teilnehmern am Religionsunterricht stehen nur gut 488 000 evangelisch und katholisch getaufte Schüler gegenüber.

Von den insgesamt 782 096 Schülern an allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen besuchten im vergangenen Schuljahr 367 364 den evangelischen und 63 629 den katholischen Religionsunterricht. An einer weiter wachsenden Zahl von Schulen organisieren die beiden Kirchen inzwischen einen gemeinsamen Religionsunterricht. Diesen konfessionell-kooperativen Religionsunterricht besuchten 185 878 Schüler. 4037 Kinder meldeten sich für den in nur einigen Schulen angebotenen islamischen Religionsunterricht an. Knapp 70 000 Schüler sind der Statistik nach muslimischen Glaubens. Das Fach Werte und Normen belegten 157 567 Schüler.

Religionszugehörigkeit variiert

Was die Religionszugehörigkeit der Schüler angeht, gehörten 367 364 der evangelischen und 120 984 der katholischen Kirche an. Ohne Religionszugehörigkeit waren 181 275 Schüler. Die Statistik dokumentiert, dass nach wie vor drei Viertel der niedersächsischen Schüler am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen. 2005 waren es noch 82,3 Prozent, 1990 noch 84,3 Prozent. Auch damals gab es bereits das Fach Werte und Normen.

Für die beiden großen Kirchen ist der Religionsunterricht von wachsender Bedeutung, denn er soll dem Umstand entgegenwirken, dass der christliche Glaube in vielen Familien nicht mehr weitergegeben wird. Wie die hannoversche Landeskirche zu dem Unterricht erklärt, geht es darum, in einer multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft Kenntnisse der eigenen und auch anderer Religionen zu vermitteln. Schüler sollen sich vor allem mit Fragen von Religion und Glauben auseinandersetzen zu können.

"Es ist nicht nur reine Wissensvermittlung", sagt auch der Sprecher des Bistums Osnabrück, Hermann Haarmann, zum Religionsunterricht. Es gehe darum zu vermitteln, was christliche Werte im Alltag bedeuteten. Gerade in Berufsschulen würden im Religionsunterricht auch grundsätzliche Lebensfragen behandelt, die junge Leute in dem Alter umtrieben. Dies sei ein Grund, warum der Religionsunterricht auch an den Berufsschulen ankomme, wo es ansonsten um das Vermitteln von Fachwissen gehe. "Das ist ein Fach, wo die Schüler auch andere Dimensionen des Lebens kennenlernen."

(dpa)