07. September 2021 –

Nach 30 Jahren ist Schluss

Lüneburgs Mädge hört nach drei Jahrzehnten auf - Frau als Favoritin

Lüneburg braucht einen neuen Chef im Rathaus. Amtsinhaber Ulrich Mädge (SPD) tritt im September nicht mehr an. Rund 61 000 Wahlberechtigte dürfen zwischen acht Bewerbern wählen, drei Frauen sind in der Favoritenrolle.

Claudia Johanna Kalisch (Grüne, l-r), Heiko Meyer (parteilos), Michèl Pauly (Die Linke), Monika Scherf (CDU) und Pia Steinrücke (parteilos, für die SPD) stehen als Bürgermeisterkandidaten bei einem Pressetermin zusammen.
Claudia Johanna Kalisch (Grüne, l-r), Heiko Meyer (parteilos), Michèl Pauly (Die Linke), Monika Scherf (CDU) und Pia Steinrücke (parteilos, für die SPD) stehen als Bürgermeisterkandidaten bei einem Pressetermin zusammen., Foto: picture alliance/dpa

Nach 30 Jahren ist Schluss: Die Stadt Lüneburg muss einen Nachfolger für Ulrich Mädge suchen. Der SPD-Mann ist seit 1991 im Amt - da waren viele Jungwähler und -wählerinnen noch nicht einmal geboren. Viel Respekt wird ihm in der Kleinstadt mit dem Urlaubsflair entgegengebracht, immerhin hat er Großprojekte wie die Leuphana Universität mit dem ansehnlichen und teuren Libeskind-Bau verwirklicht sowie die Altstadt verkehrsberuhigt. "Das, was ich verspreche, habe ich auch umgesetzt", sagt der 71-Jährige, der fünf Wahlen für sich entschied. Der frühere Zeitsoldat gab sich stets bodenständig, nahm frühmorgens den Bus ins Rathaus und meist spätabends erst zurück.

Als Präsident des Niedersächsischen Städtetags und Verhandlungsführer der Kommunen in den Tarifgesprächen für den Öffentlichen Dienst wurde Mädge überregional bekannt. Nun schert er aus Altersgründen aus der ersten Reihe aus. Es wird in Zukunft sicher etwas leiser nach außen hin, aber viele Einheimische wird das kaum stören. Wichtiger sind vielen Bürgern und Bürgerinnen die drängenden Probleme bezahlbares Wohnen und Verkehrspolitik, Klimaerwärmung und Wasserknappheit.

Lüneburg geht es trotz der Corona-Pandemie und auch sichtbarem Leerstand in der City gut. Das liegt nicht nur an der Beliebtheit bei Touristen und der Bekanntheit durch die Serie "Rote Rosen". Die ARD-Telenovela zieht nach Schätzungen etwa eine Million Besucher jährlich an die Ilmenau. Wegen der Nähe zu Hamburg ist die Wohnlage so interessant, dass die Mieten und Immobilienpreise ständig steigen. Junge Leute können dies kaum noch bezahlen, Konzepte für die Hansestadt sind gefragt.

Drei Frauen sind in der Favoritenrolle

Offiziell sind es acht Bewerbungen für die fünfjährige Amtszeit: je vier Frauen und Männer - so viel Auswahl gab es noch nie auf dem Stimmzettel. Das Rennen ist offen, drei Frauen sind in der Favoritenrolle. Dabei geht die parteilose Pia Steinrücke für die SPD ins Rennen, Claudia Kalisch für die Grünen und Monika Scherf für die CDU. Auch der gebürtige und unabhängige Lüneburger Heiko Meyer hat Chancen.

"Ulrich Mädge hat viel für die Stadt getan, aber mein Fußabdruck ist frischer", sagt Steinrücke, die Wohnraum für alle schaffen will. Sie kenne als Sozialdezernentin die Verwaltung, sei führungserfahren und wolle ein offenes Rathaus führen. Die Innenstadt will die 49-Jährige vom Autoverkehr befreien und den ÖPNV kostengünstig machen.

Eine neue Führungskultur und moderneren Verkehr verspricht auch Scherf: "Das Fahrrad ist das Verkehrsmittel der Zukunft für die Innenstädte", sagt die 57-Jährige, die für Kitas und Schulen viel tun will. "Es herrscht ein enormer Siedlungsdruck auch aus Hamburg, wir können keinen Zaun um Lüneburg ziehen", erklärt die Landesbeauftragte für regionale Entwicklung. Die 49-jährige Kalisch, die sich als grüne Bürgermeisterin der Nachbargemeinde Amelinghausen einen guten Ruf erwarb, wirbt für mehr Bürgerbeteiligungen. Alle drei Bewerberinnen haben eins gemeinsam: Sie wollen über Parteigrenzen hinaus zusammenarbeiten.

Meyer hat trotz seines Einzelkämpfer-Daseins Chancen auf den Chefsessel. "Ich komme aus der Wirtschaft, bin seit 52 Jahren hier und kenne jeden Winkel. Ich will Lüneburg neu gestalten", sagt Meyer, der früher der SPD-Fraktion im Rat angehörte. Er wünscht sich mehr Verständnis für Gewerbetreibende und findet, dass Vermieter in der Innenstadt mit den Mieten manchmal auch runtergehen müssen.

Wahlberechtigt für die Abstimmung am 12. September und eine mögliche Stichwahl zwei Wochen später parallel zur Bundestagswahl sind rund 61 000 Lüneburgerinnen und Lüneburger. Bei acht Bewerbungen ist eine Stichwahl am 26. September wahrscheinlich.

(dpa)

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