Ein niedersächsisches Wunder

55 Jahre nach dem Grubenunglück von Lengede

Es ist die Geschichte einer Katastrophe, eine Geschichte voller Hoffnung und von einem Wunder! 55 Jahre nach dem Grubenunglück von Lengede erinnern sich Überlebende und Zeitzeugen.


Titelbild.JPG
Adolf und Dagmar Herbst bekamen durch das "Wunder von Lengede" ihre gemeinsame Zukunft zurück! (Foto: Antenne Niedersachsen)

Es ist der 24. Oktober 1963, zunächst ein ganz normaler Arbeitstag im Eisenerzbergwerk Lengede-Broistedt bei Salzgitter. Gegen 20 Uhr am Abend bricht plötzlich ein Klärteich ein und fast 500 Millionen Liter Wasser und Schlamm strömen in den Schacht Mathilde, in dem gerade 129 Menschen arbeiten. Einer von ihnen ist Adolf Herbst, der als Monteur der Firma Siemens gerade Pumpenanlagen unter Tage repariert hatte. Für ihn wird das Unglück zu einem der traumatischsten Erlebnisse seines Lebens, das er auch heute 55 Jahre danach nicht vergessen kann. Erst zwei Wochen nach dem Wassereinbruch wird er gemeinsam mit 10 anderen Bergleuten gerettet: Dieses Ereignis geht als „Wunder von Lengede“ in die Geschichte ein.

Das Unglück

Als am Unglückstag die Dichtung des Klärteichs 12 am Schacht Mathilde bricht und Millionen Liter Wasser in den Stollen strömen, bricht unter Tage das Chaos aus. Die Bergleute fliehen so schnell sie können, 79 der 129 Männer unter Tage können sich in den ersten Stunden ins Freie retten. Die übrigen, die nicht sofort vom Wasser erfasst werden und ertrinken, fliehen in höhergelegene Hohlräume. So auch Adolf Herbst, der sich mit einer Gruppe Bergleute in einen sogenannten „Alten Mann“ retten kann. In dieser Bruchhöhle, in der mittlerweile alle Stützen entfernt wurden, sind sie zwar in Sicherheit vor den Wassermassen. Aber sie sitzen in einer Sackgasse.

Adolf Herbst erinnert sich…

Die Zeit unter Tage

In den folgenden Tagen warten die Männer unter Tage auf Hilfe. Die Batterien ihrer Grubenlampen sind bald leer, sie sitzen nun in völliger Dunkelheit. Auch die Essensvorräte sind schnell aufgebraucht. Zu der Hoffnungslosigkeit in völliger Dunkelheit kommt die ständige Gefahr durch herabfallende Felsbrocken in der Höhle. Einige der Männer werden von Steinen getroffen und sterben. Die übrigen erleben einen Alptraum, den sich Außenstehende nicht vorstellen können.

Auch Adolf Herbst verliert in diesen Stunden und Tagen immer mehr die Hoffnung auf Rettung…

Die Rettung

Am 3. November 1963, mittlerweile 10 Tage nach dem Unglück, starten die Retter über Tage eine der letzten verzweifelten Suchbohrungen. Sie stoßen tatsächlich auf einen Hohlraum und wie durch ein Wunder hallen Klopfzeichen aus der Tiefe. Es gibt Überlebende! In die Freude über und unter Tage mischt sich aber auch Unsicherheit. Wie soll man die Männer aus der brüchigen Höhle ans Tageslicht holen. Eine für die damalige Zeit beispiellose Rettungsaktion rollt an. Die Weltpresse versammelt sich und erlebt 14 Tage nach dem Unglück „Das Wunder von Lengede“. 11 Bergleute werden gerettet und können ihre Liebsten wieder in die Arme schließen.

Auch Adolf Herbst bekommt in diesem Moment ein neues Leben geschenkt…

  • 1/4
  • 2/4
  • 3/4
  • 4/4