Hildesheim

Prozess wegen Millionenbetrugs mit Flüchtlingsheimen beginnt

Mehrere Millionen Euro für den Betrieb von Asylunterkünften sollen zwei Führungskräfte des Arbeiter-Samariter-Bundes Hannover für private Zwecke abgezweigt haben. Wird der Prozess in Hildesheim klären, wo das Geld geblieben ist?


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Wegen Millionenbetrugs mit Flüchtlingsheimen muss sich von Freitag an der ehemalige Geschäftsführer einer Tochterfirma des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Hannover verantworten. Verhandelt wird der Fall von der 4. großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hildesheim. Der 46-Jährige sitzt wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Mitangeklagt sind der 37 Jahre alte Fachbereichsleiter Soziale Dienste der gemeinnützigen GmbH sowie dessen 36 Jahre alte Ehefrau.

Die ASB Soziale Dienste hatte nach Gerichtsangaben seit 2015 einige Asylbewerber-Unterkünfte im Auftrag des niedersächsischen Innenministeriums und der Landesaufnahmebehörde betrieben. Von 2017 an soll das Land Niedersachsen insgesamt 8,1 Millionen Euro auf ein Konto überwiesen haben, das nur scheinbar für die GmbH errichtet worden war. Tatsächlich sollen die ASB-Führungskräfte das Geld für private Zwecke genutzt haben. Ihnen wird Untreue und Betrug in besonders schwerem Fall vorgeworfen. In fünf Fällen soll auf Rechnungen das Privatkonto der Ehefrau angegeben worden sein, sie ist wegen Beihilfe angeklagt.

1,3 Millionen Euro in bar abgehoben

Auf die Schliche kamen die Behörden den mutmaßlichen Betrügern bei einer Buchhaltungsprüfung einer Sicherheitsfirma im Landkreis Nienburg. Außerdem gab es Geldwäscheverdachtsmeldungen von Banken, wo Millionensummen zwischen Konten verschoben und 1,3 Millionen Euro in bar abgehoben worden waren. Der Fall war Ende Februar bekanntgeworden. Bei den Männern beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft fünf Immobilien, fünf Autos, eine Rolex-Uhr und 170 000 Euro Bargeld.

Ursprünglich war Anklage gegen fünf Männer und eine Frau erhoben worden, darunter der Chef der Sicherheitsfirma. Ob es auch in Hinsicht auf die drei übrigen Angeschuldigten zu einem Hauptverfahren kommt, wird nach Gerichtsangaben zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

(dpa)