Arktis

Polarpiloten trainieren für Expeditionen im Eismeer

Starts und Landungen auf Schiffen sind für Hubschrauberpiloten immer eine Herausforderung. Und Abflüge von einem Forschungsschiff sind noch kniffliger, weil Kälte und Eis hinzukommen. In Ostfriesland werden solche Einsätze trainiert.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Mit Nachtflügen und speziellen Transportmanövern bereiten sich derzeit Hubschrauberpiloten in Ostfriesland auf Einsätze in der Arktis vor. Normalerweise bringen die Piloten Service-Monteure von großen Energiekonzernen zu den abgelegenen Offshore-Windparks weit draußen in der Nordsee. Statt Windkraftanlagen können die Hubschrauber demnächst das Deck des deutschen Forschungseisbrechers "Polarstern" ansteuern. Zwei Maschinen des Emder Helikopterdienstleisters Heli Service International sollen im Herbst für eine ungewöhnliche Expedition auf dem Forschungsschiff stationiert werden.

Die "Polarstern" des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) will sich ein im arktischen Meereis einfrieren lassen und mit den Strömungen durch das Nordpolarmeer driften. Wissenschaftler aus 17 Ländern wollen dabei für die Klimaforschung Daten sammeln, die sonst kaum aus der unzugänglichen Region zu bekommen sind. Denn von Februar bis Juni ist die zentrale Arktis so unzugänglich, dass das Eis selbst für Eisbrecher zu dick ist. Das Projekt Mosaic mit 600 Teilnehmern gilt als größte Forschungsexpedition aller Zeiten in der Arktis.

Mit dabei als Piloten sind der Niederländer Harold Emile Marcel Jager (48) und Lukas Piotrowski (43) aus Emden. Beide haben eine militärische Ausbildung und mehrere Jahre Erfahrung bei Offshore-Flügen. "Landungen auf "Polarstern" kennen wir schon von früheren Expeditionen", sagte Piotrowski, "dabei müssen wir besonders die schwankenden Aufbauten des Schiffes im Blick haben".

Eine besondere Ausbildung soll die Piloten für alle Eventualitäten in extremer Kälte und schwierigstem Wetter vorbereiten. "Sicherheit steht an oberster Stelle" sagte Mihaela Hauptmann, die beim Heli Service das "Polarstern"-Projekt koordiniert. Bei früheren Expeditionen hatte es nur einen schweren Unfall gegeben: 2008 stürzte ein Bordhubschrauber der "Polarstern" in der Antarktis ab, dabei starben zwei Menschen, drei weitere wurden verletzt. 2011 fielen nach einem wetterbedingten Unfall in der Antarktis gleich beide "Polarstern"-Helikopter aus.

Die neuen Helikopter vom Typ MBB-BK117 können Passagiere und Fracht transportieren sowie spezielle Messgeräte ins Schlepptau nehmen. Die Piloten trainieren derzeit Nachtflüge unter schwierigen Bedingungen wie extreme Kälte oder üben am Emder Flugplatz das Aufnehmen und Absetzen schwerer Lasten.

Besonders aufmerksam müssen die Piloten mit der Fracht "EM-Bird" umgehen. Diese fast vier Meter lange Mess-Sonde in Torpedoform hängt an einem 20 Meter langen Seil und wird in 15 Metern Höhe über das Meereis geflogen. "Mit einem elektromagnetischen Verfahren können wir feststellen, ob die Eisdicke durch die Dynamik des Gebietes verändert wird", sagte AWI-Meereisphysiker Thomas Krumpen. Klimaforscher brauchen diese Daten, um sie mit Satellitenaufnahmen abzugleichen und sie in Rechenmodelle einzubauen. "Mit den Hubschraubern können wir diese Messungen in die Ferne tragen", sagte Krumpen, "damit können wir größere Gebiete abdecken."

(dpa)