Oldenburg

Patientenmord-Prozess gegen Ex-Pfleger Högel vor dem Abschluss

Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Serienmörder Högel geht zu Ende. Der Mann ist schon zu lebenslanger Haft verurteilt. Daran wird sich wenig ändern. In dem Prozess ging es vor allem um die Wahrheitssuche.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Nach 24 Verhandlungstagen wird in dieser Woche das Urteil gegen den Ex-Krankenpfleger Niels Högel erwartet, für den die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen 97 Morden fordert. Vor dem am Donnerstag erwarteten Urteil haben am Mittwoch vor dem Landgericht Oldenburg die beiden Verteidigerinnen des Angeklagten, Ulrike Baumann und Kirsten Hüfken, das Wort. Es wird mit einem mehrstündigen Plädoyer gerechnet. Im Anschluss bekommt Högel die Gelegenheit für das letzte Wort.

Seit dem ersten Prozesstag am 30. Oktober wurden 32 Zeugen vernommen, von denen acht vereidigt wurden. Es sagten Ärzte und Pfleger der Kliniken Oldenburg und Delmenhorst aus, wo Högel seine Opfer von 2000 bis 2005 getötet haben soll. Die Anklage ging ursprünglich von 100 Morden aus.

Allerdings hatte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann in ihrem Schlussvortrag in drei Fällen auf Freispruch plädiert, da sie keine hinreichenden Beweise für eine Mordtat Högels sah. In 97 Fällen dagegen sah sie "keine vernünftigen Zweifel", dass die Patienten von dem 42-jährigen Deutschen getötet wurden.

"Allein die Aussage 'Größter Serienmörder der Geschichte' reicht nicht aus, ihn zu verurteilen", hatte die Staatsanwältin zu Bedenken gegeben, als sie auf jeden einzelnen der 100 Fälle dezidiert einging. Högel soll die wehr- und arglosen Patienten mit unterschiedlichen Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Seine mutmaßlichen Opfer waren zwischen 34 und 96 Jahre alt.

Högel selbst hatte 43 der 100 Taten eingeräumt und 5 ausdrücklich bestritten. An die übrigen 52 Taten konnte er sich angeblich nicht erinnern. Er schloss aber auch nicht aus, diese Patienten getötet zu haben. Möglicherweise gibt es noch mehr Opfer. Die Ermittler gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Högel wurde bereits 2015 unter anderem wegen zweifachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe vom Landgericht Oldenburg verurteilt. Er sitzt in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg. Am Donnerstag wird eine Gesamtfreiheitsstrafe gebildet. Allerdings lautet die Höchststrafe in Deutschland auf lebenslange Freiheitsstrafe, die nicht weniger als 15 Jahre dauern darf.

Wenn das Landgericht Oldenburg wie von der Staatsanwaltschaft beantragt eine besondere Schwere der Schuld feststellt, kann der 42-Jährige nur in Ausnahmefällen - etwa bei schwerer Krankheit - nach 15 Jahren freikommen. Zudem muss das Gericht entscheiden, ob für Högel eine anschließende Sicherungsverwahrung in Betracht kommt.

(dpa)