Festessen

Ob Gans mit Rotkohl oder Klaben: Weihnachtsklassiker liegen im Trend

Alle Jahre wieder landen zu Weihnachten traditionelle Speisen auf dem Teller. Die Nachfrage ist groß. Doch die Dürre des vergangenen Sommers könnte sich auch beim Festessen bemerkbar machen.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Normalerweise bereitet Küchenchef Benjamin Gallein in seinem Gourmetrestaurant "Ole Deele" in Burgwedel ausgefallene Kreationen zu: Adlerfisch mit Birne und Pastinake, aber auch Rehrücken und Kaviar landen bei ihm regelmäßig auf dem Teller. Typische Weihnachtsspeisen wie Gans, Rotkohl und Klöße sucht man auf der Speisekarte vergeblich. "Das wäre ein krasser Stilbruch", sagt Gallein. In den vergangenen Jahren hat er die deftigen Klassiker modern interpretiert - Rotkohl-Gelee kam bei den Gästen aber nicht so gut an.

In den letzten Wochen gab es in der "Ole Deele" daher einige "Gänsesonntage", an denen die klassische Weihnachtsgans angeboten wurde. Die Nachfrage sei groß gewesen. "In unserer schnellen Welt wollen die Leute gerade zu Weihnachten nicht irgendwelche Neuerungen, sondern das Essen so haben, wie es die Oma früher gemacht hat", sagt der Küchenchef. Gans, Rotkohl und Co. liegen also voll im Trend.

Wegen der großen Trockenheit im Sommer könnte es jedoch sein, dass Verbraucher für die geliebten Klassiker etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Nach Angaben des Bundesverbands der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) wurden dieses Jahr rund ein Viertel weniger Weißkohl, Rotkohl und Grünkohl geerntet. "Wir gehen davon aus, dass es zum Ende der Saison hin knapp werden könnte", sagt BOGK-Geschäftsführer Christoph Freitag. Den Festschmaus an Weihnachten sieht er jedoch nicht in Gefahr. Er vermutet eher, dass diese Saison weniger Grünkohlessen angeboten werden oder Supermärkte Rotkohl und Co. seltener im Sonderangebot verkaufen.

Der Sommer ist auch an den Gänsen nicht spurlos vorbeigegangen. Durch den Hitzestress seien die Weihnachtsgänse dieses Jahr etwas kleiner und leichter, sagt Mathias Klahsen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Außerdem müssten Verbraucher mit gestiegenen Preisen rechnen. Zu Saisonbeginn im November lag nach Angaben der Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) der Verbraucherpreis für eine frische Gans bei 14,63 Euro je Kilo, im Vorjahr waren es noch 14,46 Euro. "Wir merken eine leichte Tendenz nach oben", sagt MEG-Marktanalystin Margit Beck. Der Preisanstieg sei einerseits auf höhere Produktionskosten, aber auch auf die mehrfachen Ausbrüche der Vogelgrippe seit 2016 zurückzuführen, sagt Klahsen. Wegen der Keulung der Elterntiere standen teilweise weniger Küken zur Aufzucht zur Verfügung.

Auch der Karpfen landet mittlerweile wieder bei vielen Familien als Weihnachtsklassiker auf dem Teller. Rund 35 Tonnen verkaufe allein die niedersächsische Karpfenteichwirtschaft "Aschauteiche" jede Saison, sagt Inhaber Torben Heese. Die Nachfrage sei seit einigen Jahren wieder stabil. Das liege an einer Trendwende, die der Fisch seit längerem erfahre: Einerseits sei die Aufzucht von Karpfen sehr ökologisch, sogar die Naturschutzorganisation WWF spreche eine Kaufempfehlung aus. Andererseits gebe es mittlerweile den Fisch auch als Filet zu kaufen, was die Zubereitung deutlich vereinfache und ihn so attraktiver mache. "Wir gehen davon aus, dass der Karpfen seine Zukunft hat. Das ist kein Auslaufmodell", sagt Fischereiberater Steffen Göckemeyer vom Landesfischereiverband Niedersachsen.

Eine süße Weihnachtsspeise mit Zukunft ist nach Ansicht von Konditor Harald Knigge der Bremer Klaben. "Der liegt absolut im Trend. Unser bester Artikel", sagt der Geschäftsführer der Konditorei Knigge. Allein im November und Dezember verkaufe sein Geschäft 13 bis 14 Tonnen des bremischen Traditionsgebäcks in alle Welt. Das Besondere am Klaben ist seine Zubereitung, sagt der Geschäftsführer der Bäcker-Innung Bremen, Stefan Schiebe. Frucht und Teig werden zu gleichen Anteilen verarbeitet, was den Klaben auch besonders lange haltbar macht. "Regionale Produkte finden in diesen Tagen eine hohe Akzeptanz", sagt Schiebe. "Ich glaube nicht, dass diese Traditionen aussterben, sondern dass momentan eher das Gegenteil der Fall ist."

(dpa)