Dürrefolgen

Niedersachsen stellt wegen Dürre Millionenhilfe für Landwirte bereit

Der Mais ist vielerorts braun und vertrocknet, das Getreide winzig, das Gras auf den Weiden verdorrt. Ein trockener Sommer bringt den Landwirten hohe Verluste.


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Nach den vom Bund angekündigten Hilfen stellt auch Niedersachsen Gelder in Millionhöhe für Landwirte in Aussicht, die von der Dürre besonders stark betroffen sind. Die Landesregierung werde umgehend außerplanmäßig einen Betrag von fünf Millionen Euro bereitstellen, sagte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Mittwoch im Landtag. Der Bund stocke um dieselbe Summe auf. "Damit kommen die ersten zehn Millionen Euro noch 2018 auf die Höfe", sagte Otte-Kinast. Sie schätze, dass der Schaden bei den in Existenznot geratenen Betrieben in Niedersachsen bei rund 80 Millionen Euro liege.

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Debatte im Landtag

Die Hälfte der Dürreschäden werde zu gleichen Teilen vom Bund und den Ländern übernommen. Demnach könnte sich der Anteil Niedersachsens an Bundesmitteln auf bis zu 20 Millionen Euro belaufen. Allerdings sei noch völlig offen, in welcher Höhe Hilfsmittel vom Bund nach Niedersachsen fließen.

Die FDP-Landtagsfraktion rügte, die angekündigte Dürrehilfe werde dem Ausmaß der Schäden nicht gerecht. Die Grünen im Landtag mahnten angesichts der Folgen des Klimawandels eine Abkehr von der zunehmenden Spezialisierung landwirtschaftlicher Betriebe an.

Bund und Länder planen Hilfen von insgesamt bis zu 340 Millionen Euro für Landwirte. Otte-Kinast bewertete das Nothilfen-Programm positiv. "Das zeigt, dass die Dürre wirklich ein nationales Ausmaß hat und dass sich der Bund finanziell an den Hilfen auch bei uns in Niedersachsen beteiligt", sagte die Ministerin der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Verhalten äußerte sie sich zu der Frage, ob das für Niedersachsen ausreiche. "Das werden wir sehen, ich hoffe: ja."

Düsteres Dürrebild

Das Bild, das die Ministerin im Landtag aus der Praxis von ihren Besuchen bei Landwirten zeichnete, war dramatisch. "Daumenbreit ziehen sich Risse durch den ausgetrockneten Marschboden. Das Getreide war winzig. Maispflanzen sind braun wie Tabak und ganz ohne Kolben." Ebenso alarmierend sind die Zahlen. Mit einer Erntemenge von 4,7 Millionen Tonnen Getreide, 22 Prozent weniger als im vergangenen Jahr, werde es die schlechteste Getreideernte seit 1976.

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Am stärksten aber seien spezialisierte Futterbaubetriebe von der Dürre betroffen, die Grünland bewirtschaften. "Kein Regen, kein Gras!" Daher hätten viele Landwirte ihre Kühe in den Stall geholt, um sie dort ausreichend mit Futter und Wasser zu versorgen. Für den Winter werde mit Engpässen bei der Versorgung der Tiere gerechnet. Otte-Kinast und Umweltminister Olaf Lies (SPD) haben deshalb bereits an die Landwirte appelliert: Mais solle besser in den Futtertrog anstatt in die Biogasanlage gefüllt werden.

"Auf Basis aller Daten und Fakten steht fest: Es ist ein außergewöhnliches Naturereignis", sagte Otte-Kinast. In der niedersächsischen Landwirtschaft werde nach vorsichtigen Schätzungen mit einem Schaden in Höhe von 985 Millionen gerechnet. In der Forstwirtschaft könnten sich die Schäden auf 299 Millionen Euro belaufen.

Das ganze Ausmaß der Schäden sei noch nicht abzusehen, da die Dürre noch nicht vorüber sei, gab der Landwirtschaftsexperte der FDP-Landtagsfraktion, Hermann Grupe, zu bedenken. "Das Ganze wird als Dürrehilfe verkauft, aber 90 Prozent des Ausfalls werden die Landwirte selber tragen müssen." Für die Grünen forderte die agrarpolitische Sprecherin Miriam Staudte ein grundsätzliches Umdenken. "Die momentane Landwirtschaftspolitik ist ausgerichtet auf immer stärkere Spezialisierung. Wir sehen aber, dass der Klimawandel dazu führt, dass sich die Landwirtschaft wieder mehr diversifizieren muss", sagte Staudte.

(dpa)