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Gemeinsam mit den Niederlanden

Niedersachsen sagt der Biberratte den Kampf an

Sie sehen putzig aus, richten aber große Schäden an Deichen und Uferböschungen an. Niedersachsen will Biberratten deshalb effektiver bekämpfen. Einen Austausch gibt es mit den Niederlanden, die eine Invasion der Nager aus Deutschland beklagen.


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 (Foto: picture alliance / Christoph Sch)

Niedersachsen sagt der sich rasant ausbreitenden Biberratte den Kampf an. Die auch unter dem Namen Nutria bekannten Nagetiere unterhöhlen Deiche und Uferböschungen und schädigen Agrarflächen. Wie die Landesjägerschaft mitteilte, habe das Landwirtschaftsministerium seit dem 25. April die Schonzeit für die Ratten aufgehoben. Nach der Sommerpause wolle das Ministerium auch den Schutz von Muttertieren aufheben. Neben der ganzjährigen Jagdzeit können dann auch Elterntiere geschossen werden, die ihre Jungen aufziehen. Das Land will auch neue Bekämpfungsmethoden mit den Niederländern erproben, die sich über eine Invasion der Tiere aus Deutschland beklagen.

Das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium arbeiten derzeit an einem Erlass, der das künftige Vorgehen gegen die Nagetiere regeln soll, sagte Jägerschaftssprecher Florian Rölfing. Die Landwirtschaftskammer hatte sich dazu unter anderem mit der Landesjägerschaft und dem Wasserverbandstag beraten. Dabei wurde beschlossen, dass eine Arbeitsgruppe mit deutschen und niederländischen Experten Strategien zum Eindämmen der Nutria-Population entwickeln soll. Diese sollen in einem grenzüberschreitenden Projekt erprobt werden.

Zu viele Biberratten auch in den Niederlanden

Das Projekt ist an der Vechte in der Grafschaft Bentheim geplant, wie Experte Henk van der Steen, der die Bekämpfung der Nagetiere im Nordosten der Niederlande koordiniert, dem "Dagblad van het Noorden" sagte. Er findet, Niedersachsen habe bislang die Tiere nicht genügend bekämpft. Daher hätten sie sich munter fortgepflanzt und über Wasserläufe wie die Vechte Richtung Holland bewegt. "Wir fangen in den Niederlanden in den letzten Jahren stets mehr Biberratten", sagte van der Steen. "Und 95 Prozent der Tiere fangen wir in einem Abstand von fünf Kilometern zur deutschen Grenze." Er glaube, dass die Nutria-Population in Deutschland nun stärker eingedämmt werde.

Wegen der besonderen Situation der Niederlande habe dort der Deichschutz immer schon über allem gestanden und seien die Nagetiere entsprechend bekämpft worden, sagte Rölfing. Fallen, wie die Niederländer sie einsetzen, kämen aber auch in Niedersachsen zum Einsatz. Allerdings würden die Nutria hier dem Jagdrecht unterstehen, während etwa in Nordrhein-Westfalen auch sogenannte Nutria- und Bisamfänger zum Einsatz kämen.

Die bis zu zehn Kilogramm schweren Nutrias sehen auf den ersten Blick aus wie Biber und stammen aus Südamerika. Wegen ihres Pelzes wurden die Nagetiere einst nach Europa geholt. Sie graben Gänge in Deiche sowie Uferböschungen und sie verursachen Schäden auf Äckern.

(dpa)