Unvorstellbar

Wurden russische Hooligans gezielt nach Frankreich geschickt?

Die Ausschreitungen in Marseille am letzten Wochenende zwischen englischen und russischen "Fans" bekommen einen noch faderen Beigeschmack. Es gibt Hinweise, dass die russischen Hooligans gezielt eingeflogen wurden, um Randale zu machen.


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(Fotos: Daniel Dal Zennaro - dpa)

Wir erinnern uns noch an die hässlichen Bilder vom Wochenende, als in Marseille russische und englische Schläger aufeinander eingeprügelt haben. Heute hat die UEFA die Entscheidung getroffen, welche Strafen gegen die Verbände Englands und Russlands ausgesprochen werden. Russland erhält eine letzte Verwarnung. Kommt es nochmals zu Fan-Gewalt in einem EM-Stadion, wird die Sbornaja disqualifiziert und muss aus Frankreich abreisen. Zudem wurde eine Geldstrafe in Höhe von 150.000 Euro verhängt. Das Urteil ist auch eine klare Botschaft an andere EM-Teams mit gewaltbereiten Fans.

War es eine gezielte und geplante Attacke?

Es gib Hinweise, die russischen Hooligans könnten durch politische Kräfte aus Moskau forciert in Marseille randaliert haben. Der Kreml selbst distanzierte sich jedoch schon von den Ausschreitungen in Frankreich.

Oliver Seidler aus unserem EM-Team hat in Szenekreisen zu diesem eigentlich unfassbaren Verdacht nachgehakt. Er hat mit dem Sportjournalisten Thomas Dudek gesprochen, der sich auf Osteuropa spezialisiert hat. Unter anderem arbeitet er für die renommierte Schweizer Zeitung NZZ. Demnach seien die russischen Schläger mit Auftrag aus politischen Kreisen Moskaus nach Frankreich gereist, um gezielt Randale zu machen.

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(Fotos: Daniel Dal Zennaro - dpa)

Diese Indizien sprechen für eine direkte Beteiligung

  • Es habe für die russischen Schläger einen kostenlosen Charterflug gegeben
    Rund 150 Personen sollen hier Platz gefunden haben. Organisiert wurde das Ganze vom VOB, dem Dachverband der russischen Fußballfans. Schon lange wird vermutet, dass sich Althooligans in deren Reihen befinden. In Moskau wird gemunkelt, dass das Geld für den Flieger jedoch durch Sponsorengelder von Igor Lebedev kam. Der russische Politiker ist Vize-Präsident des russischen Parlaments und Vorstandsmitglied des russischen Fußballverbandes.
    Fünf der russischen Anhänger wurden direkt am Flughafen von den russischen Behörden abgewiesen. Der Rest durfte einreisen.
  • Russische Politiker feiert Chaoten
    Genau der Politiker, der auch die Sponsorengelder für das Flugzeug besorgt haben soll, sprach per Twitter sein Lob für die Schläger aus. Er schrieb: "Gut gemacht Jungs, ihr habt die Ehre eures Landes verteidigt.". Wie die SportBild berichtete, seien nach seiner Aussage nicht die Fans Schuld an den Ausschreitungen, sondern die französischen Behörden. Diese seien "nicht fähig, ein solches Event ordentlich zu organisieren.".
  • Die Schläger waren schon fast professionell.
    Nach Augenzeugenberichten seien die Russen bestens organisiert gewesen - sie waren zum Beispiel mit Masken und Kampfhandschuhen ausgerüstet gewesen. Angeblich sollen unter ihnen Nahkampfexperten gewesen sein.
  • Kurzer Aufenthalt und keine Festnahmen
    Lediglich 48 Stunden sollen sich die Randalierer in Frankreich aufgehalten haben. Für Fans, die ihre Mannschaft unterstützen wollen, eher ungewöhnlich. Festgenommen werden konnte keiner.

Ziel der gesamten Aktion sei gewesen, den ungeliebten Engländern "eins auswischen" und zu zeigen, dass Frankreich nicht in der Lage sei, ein solches Event ordentlich zu organisieren.

Kreml-Sprecher Dimitri Peskow distanzierte sich jedoch von den Ausschreitungen und auch den Äußerungen von Igor Lebede.