Hannover

Missbrauch in Lügde: Politiker beraten über Kinderschutzkommission

Im Missbrauchsfall von Lügde hat es nach ersten Hinweisen erhebliche Pannen in der Kommunikation zwischen unterschiedlichen Behörden gegeben. In Hannover berät heute der Sozialausschuss des Landtags, ob als Konsequenz eine spezielle Kinderschutzkommission sinnvoll sein könnte.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Der massenhafte Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat auch die Politiker in Niedersachsen alarmiert: Im Landtag in Hannover wird am Donnerstag darüber beraten, ob die Einrichtung einer Kinderschutzkommission als Konsequenz aus den jahrelang unentdeckten Fällen sinnvoll ist. Im Zentrum steht dabei, wie Mängel in der Kommunikation der Behörden untereinander abgestellt werden können. Der Ausschuss für Soziales will in einer öffentlichen Anhörung zahlreiche Experten befragen, was sie von der Idee einer Kommission halten.

Zu Wort kommen unter anderem Vertreter des Landeskriminalamtes und des Kinderschutzbundes, der Kommunen und des Landesjugendhilfeausschusses. Auch Mitglieder der Initiative "Kinder von Lügde" forderten als Konsequenz aus den Fällen bereits die Einrichtung einer Kinderschutzkommission sowie einen unabhängigen Missbrauchsbeauftragten auf Landesebene.

Den Antrag zur Einrichtung der Kommission hat die AfD-Fraktion gestellt. "Der Auftrag der Kommission soll sein, anhand der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen Strukturverbesserungen für einen verbesserten Kinderschutz im Land Niedersachsen zu entwickeln", heißt es von der AfD. Die Partei schlägt auch neue Mittel im Kampf gegen Kindesmissbrauch vor, etwa ein Landesmissbrauchsregister.

Schulen wurden von Behörden nicht frühzeitig informiert

Unter anderem hatten die Behörden die Schulen nicht frühzeitig über die Verdachtsfälle informiert. Vielmehr habe der beschuldigte Dauercamper die Grundschule seines Pflegekindes selber über die Ermittlungen wegen sexueller Übergriffe gegen ihn benachrichtigt.

Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe soll der arbeitslose Dauercamper Andreas V. mit einem Komplizen über Jahre hinweg mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Er soll sein Pflegekind eingesetzt haben, um andere Kinder anzulocken. 2017 war dem Mann die Pflegschaft übertragen worden - trotz mehrfacher Hinweise auf Pädophilie.

Im Prozess um den Missbrauch will das Landgericht Detmold am Freitag kommender Woche sein Urteil verkünden.

(dpa)