Abitur zu schwer?

Mathe-Abitur in Niedersachsen

Das Mathe-Abi treibt vielen Schülern auch nach der Prüfung noch den Schweiß ins Gesicht. Tausende empfanden die Klausur als zu schwer und schlossen sich Online-Petitionen an. Bis die Prüflinge Klarheit über ihre Ergebnisse haben, dürfte es aber noch dauern.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Die zahlreichen Schülerbeschwerden wegen angeblich zu schwieriger Mathe-Abituraufgaben müssen nach Ansicht des niedersächsischen Philologenverbandes ernst genommen werden. "Wenn sich viele Schüler wehren, muss das überprüft werden", sagte der Verbandsvorsitzende Horst Audritz am Montag. Ihm zufolge hatte es schon während der Klausur am vergangenen Freitag erste Rückmeldungen gegeben, dass die Arbeit zu lang und zu schwer gewesen sei.

In mehreren Bundesländern hatten sich Schüler über den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben beschwert und mit Online-Petitionen an ihre Kultusministerien gewandt. Neben Niedersachsen und Bremen gehören dazu auch Bayern, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Thüringen, Sachsen-Anhalt und das Saarland. Der Petition in Niedersachsen schlossen sich mehr als rund 11 000 Unterstützer an.

Überprüfungen dauern bis Juni an

Überprüfungen durch die Bildungsressorts in Niedersachsen und Bremen sind angekündigt. Bis es Klarheit über ihre Ergebnisse gibt, müssen sich Niedersachsens Abiturienten aber noch mindestens bis Juni gedulden. "Wir brauchen zunächst objektive und vergleichbare Ergebnisse", sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Sollte sich herausstellen, dass sich die Prüfungsergebnisse signifikant von Vornoten der Schüler unterschieden, würden weitere Schritte unternommen.

So entstehen Abitur-Prüfungen

Speziell geschulte Lehrer, die keinen eigenen Abi-Kurs unterrichten, entwickeln die Aufgaben für die unterschiedlichen Abiturfächer. Die von den Lehrern entwickelten Fragen werden anschließend durch Kommissionen im Bildungsministerium geprüft und korrigiert.

Zentralabitur

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Schülerinnen und Schüler arbeiten an ihrem schriftlichen Abitur im Prüfungsfach Englisch (Foto: picture alliance/dpa)

Beim bundesweiten Zentralabitur werden bestimmte Teilaufgaben vereinheitlicht. Es gibt für bestimmte Prüfungsfächer einen zentralen Aufgabenpool, aus dem sich die Bundesländer bedienen können. In dem Aufgabenpool enthalten sind die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch. Zusätzlich schreiben in Niedersachsen Abiturienten seit 2006 landesweit einheitliche Abiturprüfungen.

Die Aufgaben im Abituraufgabenpool werden auf Basis von Entwürfen der Bundesländer entwickelt. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin koordiniert und leitet die Erstellung der Fragen. Verschiedene Teams von Lehrkräften, die in der Erstellung von Prüfungsaufgaben Erfahrung haben, entwickeln die Prüfungsfragen.

Ablauf der Prüfung

Die Abiturprüfung unterteilt sich in einen schriftlichen und in einen mündlichen Prüfungsteil. Je nach Bundesland umfasst der schriftliche Prüfungsteil drei bis vier Prüfungsfächer.

In Niedersachsen umfasst die Abiturprüfung vier schriftliche Prüfungen, die je nach Ergebnis auch zusätzlich mündlich nochmal abgelegt werden können, um das Gesamtergebnis noch zu verbessern. Zusätzlich gibt es noch eine fünftes Prüfungsfach, das nur mündlich geprüft wird.

Durchgefallen - und nun?

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 (Foto: picture alliance/dpa)

Wer das Abitur 2019 nicht schafft, steht vor einer ganz besonderen Herausforderung - denn 2020 wird es in Niedersachsen keine regulären Abiturjahrgänge geben. Grund dafür ist die Umstellung von G8 auf G9.

Das bedeutet: Zukünftig werden Schülerinnen und Schüler ihr Abitur in Niedersachsen wieder nach 13 statt nach zwölf Schuljahren ablegen. Dementsprechend fällt der Abiturjahrgang 2020 aus und für die durchgefallenen Schüler hieße das: Abitur erst 2021!

Allerdings gibt die Landesschulbehörde hier gleich Entwarnung. Sollten Schüler tatsächlich bei den diesjährigen Abiturprüfungen durchfallen, wird es für die Schüler - wie in den bisherigen Jahrgängen - Wiederholungstermine geben und das Abitur kann nachgeschrieben werden. In Niedersachsen liegen die Nachschreibtermine für die schriftlichen Abiturprüfungen zwischen dem 15.05.-07.06.2019 und für die mündlichen Nachprüfungen der schriftlichen Prüfungsfächer zwischen dem 24.06.-26.06.2019.

Eine weitere Lösung bieten die Integrierten Gesamtschulen (IGS) und Berufsschulen in Niedersachsen. Die Schulen waren von der damaligen Umstellung von G9 auf G8 nicht betroffen und die Schüler legen das Abitur dort nach wie vor unter G9-Bedingungen ab, also nach 13 Schuljahren. Für durchgefallene Schüler bedeutet das, dass sie die Abiturprüfung dort auch 2020 ablegen können. Allerdings bieten nicht alle Gesamtschulen eine Oberstufe an.

(mit Material der dpa)