Umwelt

Lebensraum der Schleiereulen in Niedersachsen geht verloren

Im Kampf gegen lästige Nager waren Schleiereulen früher eine große Hilfe für die Landwirte. Brüteten sie in der Scheune, hatten es die Mäuse schwer. Heutzutage haben es die Vögel selbst nicht leicht. Doch in diesem Jahr gibt es positive Nachrichten.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Für Schleiereulen hat es in diesem Sommer in Niedersachsen deutlich besser ausgesehen als in den Jahren zuvor. "Es ist ein gutes Schleiereulenjahr gewesen, weil es viele Mäuse gab", sagte Ludwig Uphues, Eulenexperte beim Nabu-Bundesfachausschuss Ornithologie in der Bundesarbeitsgemeinschaft Eulenschutz. Die Vögel ernährten sich fast ausschließlich von Feldmäusen und benötigten diese auch für die Aufzucht der Jungen, erklärte er. "Oft gab es deshalb zwei Bruten, aus dem Landkreis Uelzen wurden in einem Fall sogar drei Bruten gemeldet."

Verlust an geeigneten Lebensräumen

"Nach wie vor schreitet aber der Verlust an geeigneten Lebensräumen voran", warnte Uphues. Dafür verantwortlich sei vor allem die intensive Landwirtschaft etwa mit dem Anbau von Mais für Biogasanlagen. "Da gibt es kaum Mäuse, der Boden ist biologisch praktisch tot", erklärte er. Auch das intensiv genutzte Grünland wirke sich schädlich aus. "Das Gras ist dort oft viel zu hoch und eintönig", monierte er.

Schleiereulen haben einen herzförmigen Gesichtsschleier und schwarze Augen. Sie erreichen eine Spannweite von knapp einem Meter. In guten Mäusejahren legen Schleiereulen bis zu zwölf Eier und mehr.

Brutnischen fehlen

Uphues erklärte, in Niedersachsen fehle das sogenannte Weidegrünland weitgehend, weil Milchvieh im Stall gehalten werde. "Das verbleibende Einheits-Grünland mit nur wenigen Grasarten wird durch zu intensive Düngung mehrfach im Jahr genutzt", meinte er. Daher komme der ursprüngliche Lebensraum in vielen Teilen des Landes für die Schleiereule, aber auch den Steinkauz, nur eingeschränkt in Frage.

Auch andere Faktoren wirkten sich negativ auf den Bestand aus, sagte Uphues. "Schleiereulen leben vor allem auf Dachböden etwa von Bauernhöfen", erklärte er. Doch dort lebten immer weniger Mäuse. Außerdem gebe es in Gebäuden immer weniger Brutnischen für die fast lautlos fliegenden Jäger. Anders als andere Vögel sei die Schleiereule ein ausgesprochener Kulturfolger, der die Nähe menschlicher Behausungen suche. Früher vorhandene Öffnungen im Mauerwerk seien bei Sanierungen vielerorts verschlossen worden. Um Abhilfe zu schaffen, habe der Nabu mehrere Tausend Nistkästen aufgehängt.

Keine genauen Zahlen über Bestand an Schleiereulen

Dennoch: "Es ist ein ausgezeichnetes Schleiereulenjahr im ganzen nordwestdeutschen Tiefland", sagte auch Michael Jöbges, Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen. Hauptproblem für die Tiere sei die intensive Landnutzung auf den Agrarflächen, sagte er. Immerhin, mit den Nistmöglichkeiten sieht es auch laut Jöbges nicht mehr gar so schlecht aus: "Mittlerweile gibt es viele Nistkästen, besonders von Landwirten und ehrenamtlichen Eulenschützern."

Genaue Zahlen über den bundesweiten Bestand an Schleiereulen gebe es allerdings nicht, sagte Jöbges. "Das Monitoring ist schwierig, die Bestände schwanken enorm." In Deutschland sei in guten Jahren von bis zu 29 000 Revieren mit jeweils einem Brutpaar auszugehen.

(dpa)