Kinderschutz

Kreis Hameln verstärkt nach Missbrauchsskandal in Lügde Kinderschutz

Der Fall des massenhaften Missbrauchs auf einem Campingplatz erschüttert - auch weil Jugendämter und Polizei Hinweise auf Pädophilie missachteten. Wie lässt sich sexualisierte Gewalt verhindern?


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Nach Fehlern im Missbrauchsfall Lügde will der Landkreis Hameln Vorreiter beim Kinderschutz werden. Ein umfassendes Präventionskonzept stellt Landrat Tjark Bartels (SPD) an diesem Freitag vor. Zu den Zielen zählen nach Behördenangaben die Stärkung von Kindern und Eltern, Schulungen von Fachkräften beim Erkennen sexualisierter Gewalt sowie die Etablierung von Angeboten für Menschen mit pädophilen Neigungen.

Trotz mehrerer Hinweise auf sexuell übergriffiges Verhalten hatte das Jugendamt Hameln einen 56 Jahre alten Dauercamper 2017 als Pflegevater für ein Mädchen eingesetzt. Der Mann aus Lügde im Kreis Lippe soll mit einem Komplizen jahrelang mehr als 40 Kinder sexuell missbraucht und dabei gefilmt haben. Inzwischen liegen die Anklagen gegen den 56-Jährigen und einen dritten Beschuldigten vor.

Landrat Bartels hatte Fehler seines Jugendamtes eingeräumt und sich im März bei den Opfern entschuldigt. Unter anderem hatte eine Mitarbeiterin eine Passage aus der Pflegekind-Akte kurz vor Beschlagnahmung durch die Staatsanwaltschaft gelöscht. Der Frau wurde fristlos gekündigt. Nach einem Beschluss des Kreisausschusses am Dienstag hat die Hamelner Kreisverwaltung die Kommunalaufsicht eingeschaltet. Damit wird ihr Handeln in Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall Lügde vom niedersächsischen Innenministerium überprüft.

(dpa)