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9. September 2017
Niedersachsen

Greenpeace findet multiresistente Keime und Antibiotika in Gülle

Mit Gülle aus Schweineställen gelangen nach einer Greenpeace-Untersuchung die Keime und Antibiotika großflächig in die Umwelt. Bei der Frage nach den gesundheitlichen Folgen herrscht noch Uneinigkeit.


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(Foto: picture alliance/ Hauke-Christian Dittrich/ dpa)

Laboranalysen von 19 Gülleproben, wovon 9 aus Niedersachsen stammen, hätten dies ergeben, teilte die Umweltschutzorganisation mit. 13 Proben haben Bakterien enthalten, die gegen ein auch bei Menschen häufig verabreichtes Antibiotikum resistent waren. In sechs Proben fanden sich Bakterien mit Resistenzen gegen gleich drei Antibiotikagruppen. 15 Gülleproben enthielten darüber hinaus Rückstände von Antibiotika.

Kranke könnten an harmlosen Infektionen sterben

"Die Agrarindustrie setzt viel zu sorglos Antibiotika in den Ställen ein", sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann. Als Konsequenz könnten Kranke künftig wieder häufiger an harmloseren Infektionen wie Harnwegsentzündungen sterben. Greenpeace forderte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf, den Einsatz von Antibiotika durch bessere Haltungsbedingungen drastisch zu senken.

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(Foto: picture alliance/ Stefan Sauer/ dpa-Zentralbild/dpa)

Rückstände in Grundwasser und Boden

Die Greenpeace-Befunde decken sich mit den Ergebnissen des 1991 gestarteten niedersächsischen Boden-Dauerbeobachtungsprogramms. Dieses war zuletzt zu dem Ergebnis gekommen, dass Rückstände von Tierarzneimitteln wie Antibiotika zwar in Grundwasser und Boden nachweisbar sind und sich im Boden teils auch anreichern. Eine Gesundheitsgefahr war aber bisher nicht erkennbar. Vor allem nach dem Aufbringen von Schweinegülle ließen sich Bestandteile von Tierarzneimitteln in Grundwasser und Boden nachweisen, die Konzentration lag jedoch erheblich unter der Bedenklichkeitsgrenze.

Auf einen besseren Grundwasserschutz vor negativen Auswirkungen von Gülle zielte auch das kürzlich beschlossene neue Wassergesetz in Niedersachsen. Es sieht einen Schutzstreifen von einem bis fünf Metern an Gewässern vor, auf dem keine Gülle ausgebracht werden darf.