Urteil

Gericht verkündet neues Urteil gegen pädophilen Kinderarzt

Seit Jahren beschäftigt sich die Justiz mit einem pädophilen Kinderarzt. Er hat zugegeben, reihenweise Jungen missbraucht zu haben, unter anderem in Garbsen bei Hannover. Nun steht ein neues Urteil bevor. Hält es der höchstrichterlichen Rechtsprechung stand?


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Wegen zahlreicher Fälle von Kindesmissbrauch verkündet das Augsburger Landgericht am Dienstag sein Urteil gegen einen Kinderarzt. Der 44-Jährige gab zu, sich an 20 Jungen vergangen zu haben. Die schwerwiegendste Tat beging der Mann im August 2014 in Garbsen bei Hannover. Dort entführte der Arzt einen Fünfjährigen in seine Wohnung in Hannover, wo er damals an der Medizinischen Hochschule arbeitete. Der Mann zwang das Kind, ein Narkosemittel einzunehmen und verging sich an dem Jungen. Danach setzte er das benommene Kind wieder aus.

Das Augsburger Gericht hatte den Mann schon einmal zu 13 Jahren und sechs Monaten Gefängnis und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, außerdem sprach es gegen den Arzt ein lebenslanges Berufsverbot aus. Dieses Urteil hatte der Bundesgerichtshof allerdings im Februar 2017 aufgehoben.

In dem neuen Prozess musste nochmals im Detail geprüft werden, ob der pädophile Mann wegen seiner Krankheit bei den Taten vermindert schuldfähig war. Gutachter kamen aber erneut zu dem Ergebnis, der Mediziner sei voll schuldfähig.

Die Staatsanwaltschaft forderte deswegen eine Strafe in genau derselben Höhe wie bei dem ersten Urteil. Die Verteidiger des Arztes halten dies für viel zu hart. Sie sprachen sich für höchstens acht Jahre Haft aus und lehnen Sicherungsverwahrung sowie Berufsverbot ab.

Der Mann hatte außer in Garbsen auch in Augsburg und München Kinder auf der Straße oder dem Spielplatz angesprochen und die Jungen dann in angrenzenden Gebäuden missbraucht.

(dpa)