Diskussion

Gebühr in der Notaufnahme?

Um überflüssige Besuche in der Notaufnahme von Krankenhäusern zu verhindern, schlägt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen die Einführung einer Gebühr vor.

Die Situation in überfüllten Notaufnahmen hat bestimmt jeder schon einmal miterlebt. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen sind zu viele Patienten in der Notaufnahme keine Notfälle - eine Priorisierung wäre deshalb unausweichlich. Um besser zwischen Notfällen und weniger schlimmen Fällen unterscheiden zu können, soll es eine Gebühr für den Besuch in einer Notaufnahme geben. Doch viele Hausärzte lehnen diese Gebühr ab. Sie befürchten, dass auch echte Notfälle durch die Gebühr abgeschreckt werden könnten.

Wir haben unsere Reporterin einen Tag in die Notaufnahme geschickt

Unsere Reporterin Sarah Buletta hat einen Tag in der Notaufnahme des Klinikums Osnabrück verbracht und allerhand spannende Eindrücke bekommen. Im Gespräch mit dem Leiter der Notfallambulanz Dr. Mathias Denter bekam sie selbst einen Eindruck von eingehenden Notrufen.

"Eine Notfallgebühr ist unserer Meinung nach regulativ nicht sinnvoll, weil politische Probleme auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden. Außerdem trifft es die sozial schlechtergestellten Personengruppen am Rande der Gesellschaft und es stecken enorme bürokratische

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Aufwände hinter so einer Gebühr" erzählte uns Dr. Denter weiter. Ob die Gebühr nun eingeführt wird oder nicht, wurde bisher nicht entschieden - fest steht jedoch, dass die Meinungen weit auseinander gehen.

Verschiedene Standpunkte

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen fordert eine Gebühr

"Ich kann mir 50 Euro pro Patient vorstellen", sagte der Vorstandschef Mark Barjenbruch der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". "Wenn 90 Prozent der Patienten in der Notaufnahme keine Notfälle sind, muss das eine Option sein." Die Notfallambulanzen seien dazu da, schwer kranken Menschen zu helfen – deshalb sei eine Priorisierung unabdingbar, erklärte Barjenbruch.

"Dieses Geld kann in einen Fonds fließen, um andere Projekte im Gesundheitswesen zu fördern." Um Patientenströme besser zu leiten, sei es Anliegen, die Nummer des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen, sagte der Vorstandschef und gab zu bedenken: "Ich zweifele jedoch daran, dass Aufklärung allein das Problem lösen kann."

Die Praxisgebühr sollte helfen, Hausärzte zur ersten Anlaufstation zu machen und Besuche bei teuren Spezialisten zu verringern. Die Rede war vom "Lotsen im Gesundheitswesen". Die Gebühr war allerdings sehr unbeliebt und wurde 2013 wieder abgeschafft.

Hausärzte sind gegen die Gebühr

Die deutschen Hausärzte lehnen die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vorgeschlagene Gebühr für den Besuch einer Notaufnahme ab. "Wir halten nichts von einer Notaufnahme-Gebühr", sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es bestehe die Gefahr, dass echte Notfälle abgeschreckt würden. "Man sollte das Problem deutlich früher anpacken und nicht erst, wenn die Patientinnen und Patienten schon vor dem Krankenhaus stehen."

Der Idee, niedergelassene Ärzte in Krankenhäusern einzusetzen, erteilte Weigeldt eine Absage. "Immer noch fehlen in vielen Regionen Hausärztinnen und Hausärzte. Wenn diese jetzt auch noch den Bereitschaftsdienst in Krankenhäusern übernehmen sollen, dann fehlen sie in der ambulanten Versorgung." Das würde die Situation nur verschlimmern.

Eure Meinung

Wir haben euch gefragt, was ihr von so einer Gebühr haltet. Hier sind die Ergebnisse:

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