Bistum Osnabrück

Frauen statt Priester leiten Gemeinden im Bistum Osnabrück

Auf zwei ostfriesischen Inseln leiten Frauen erstmals eine katholische Gemeinde. Das Bistum Osnabrück reagiert damit auf den Priestermangel. Allerdings ist das Modell nicht neu.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Im katholischen Bistum Osnabrück übernehmen auf den Inseln Juist und Langeoog statt eines Priesters Frauen die Leitung der katholischen Gemeinden. Bischof Franz-Josef Bode ernannte auf Juist die Pastorale Mitarbeiterin Michaela Wachendorfer zur Pfarrbeauftragten, auf Langeoog Pastoralreferentin Susanne Wübker, sagte Bistumssprecher Hermann Haarmann.

Auf Norderney wurde mit Markus Fuhrmann ein Diakon zum Pfarrbeauftragten ernannt. Schon im vergangenen Dezember wurde für die Gemeinden Wellingholzhausen und Gesmold im Kreis Osnabrück Michael Göcking in dieses Amt berufen. Im kommenden Dezember wird die Gemeindereferentin Christine Hölscher die Leitung der Pfarreiengemeinschaft Bad Iburg/Glane übernehmen.

Pfarrbeauftragte übernehmen Tätigkeiten eines Geistlichen

Pfarrbeauftragte leiten die Gemeinden und haben auch die Personalverantwortung. Normalerweise ist diese Tätigkeit einem Geistlichen vorbehalten. Das Kirchenrecht erlaubt aber Ausnahmen bei Priestermangel. Allerdings sind für das Spenden der Sakramente und der Feier des Abendmahls nach wie vor Priester notwendig.

Langeoog gehöre mit 280 Katholiken zu den kleinsten Gemeinden im Bistum, sagte Susanne Hölscher. Seit Januar 2016 arbeitet sie als Pastoralreferentin auf der Insel. Zuvor war sie in Osnabrück in der Krankenhaus- und Hochschulseelsorge tätig.

Sie sehe sich eher als Seelsorgerin denn als Verwaltungschefin, sagte Hölscher. Eine Art Gemeindechefin sei sie schon seit dem vergangenen Jahr gewesen: Zum 1. Januar 2018 sei sie vom Bischof in den Kirchenvorstand und auch zur Vorsitzenden berufen worden. "Ich finde es eine tolle Sache, dass es jetzt auch einen offiziellen Anstrich hat", sagte sie.

Im Bistum Osnabrück wachse die Rolle der Frauen, schilderte die 50-Jährige. "Es gibt eine Grundhaltung, viele zu beteiligen und zu sehen, wie kann Seelsorge gemeinsam mit Laien und Geistlichen geschehen." Diese Hand-in-Hand-Arbeit mache Spaß.

Es sind nicht die ersten weiblichen Leiter einer Kirchgemeinde in Deutschland

Für die Katholiken in Niedersachsen beschreitet das Bistum Osnabrück damit Neuland. Allerdings sind die neue Pfarrbeauftragten nicht die ersten Frauen in Deutschland, die eine Kirchengemeinde leiten. Ursula Lux war beispielsweise bereits Pfarrbeauftragte in Franken. Das war um die Jahrtausendwende, vor gut 20 Jahren, in einer kleinen Gemeinde bei Schweinfurt im Bistum Würzburg, unter dem damaligen Bischof, dem in diesem Mai verstorbenen Paul-Werner Scheele.

Sie habe von Beerdigungen über Predigten im Gottesdienst und Krankenbesuche bis zum Firm- und Kommunionsunterricht fast alles an seelsorgerischer Arbeit gemacht, was auch ein Priester mache, berichtet Lux. "Ich war sehr gerne Seelsorgerin, das muss ich wirklich sagen." Unter dem Nachfolger Scheeles sei ihr diese Funktion wieder genommen worden. Inzwischen arbeite sie nicht mehr in der Kirche.

"Ich finde es auf alle Fälle ein gutes Signal, wenn Frauen viel mehr Verantwortung in der Kirche bekommen", sagt Lux zu den neuen Pfarrbeauftragten im Bistum Osnabrück. Weibliche Pfarrbeauftragte seien ein kleiner Schritt. "Es braucht noch viele große Schritte, aber es ist auf jeden Fall ein Anfang."

(dpa)