Betrug

Falsche Polizisten besonders in Verden und Osnabrück aktiv

Sie haben es besonders auf Senioren abgesehen: Falsche Polizisten erzählen am Telefon Lügengeschichten, um alte Menschen zur Herausgabe großer Bargeldsummen zu bewegen. Die Masche wird in Niedersachsen immer populärer - und der Westen des Landes ist besonders betroffen.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Falsche Polizisten haben im vergangenen Jahr für ihre Betrugsmasche besonders häufig Bürger in Verden, Osterholz und Osnabrück ins Visier genommen. Dies legen Daten aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion nahe. Nach einer Stichwort-Auswertung des internen Polizei-Bearbeitungssystems für die ersten elf Monate 2018 ergab sich demnach, dass im Bereich Verden und Osterholz 704 Anrufe von falschen Polizisten gemeldet wurden, in Osnabrück 498 und im Raum Cloppenburg/Vechta 325. Landesweit hat die Zahl der gemeldeten Vorfälle rapide zugenommen. In den ersten elf Monaten 2018 waren es 3.946, im gesamten Vorjahr lag die Zahl bei 2.927. Im Jahre 2016 wurden in Niedersachsen noch 257 solcher Vorfälle erfasst.

Die Trickbetrüger zielen mit ihrer Masche besonders auf Senioren. Bei ihren Anrufen geben sie sich als Polizisten aus und generieren oft zur Verschleierung ihrer Identität mit Computertechnik eine seriöse Telefonnummer, etwa die der örtlichen Polizeidienststelle. Mit einer Lügengeschichte versuchen die Gauner, ihre Opfer zur Übergabe größerer Bargeldsummen zu bewegen. Beispielsweise warnen sie vor Bankmitarbeitern, die angeblich echtes Geld durch Falschgeld ersetzen würden - und bitten darum, dass ihnen Geld zur "Überprüfung" ausgehändigt wird.

Die Landesregierung weist in ihrer Antwort darauf hin, dass die Dunkelziffer bei dieser Form des Trickbetrugs sehr hoch ist. Da die gemeldeten Anrufe von falschen Polizisten auf den Polizeiwachen zudem unter den Stichwort "Amtsanmaßung", "Call-ID-Spoofing" oder "Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen" erfasst werden können, sind die ermittelten Fallzahlen den Angaben zufolge nur "begrenzt aussagefähig".

Trotzdem fällt auf: Im Westen des Landes häufen sich die Fälle. Die Gründe dafür sind unklar. "Die Anrufe werden wie am Fließband getätigt. Die Täter gehen bundesweit und sehr professionell vor. Wie sie sich ihren Bereich aussuchen, ist schwierig zu sagen", sagte Imke Burkop, Sprecherin der Polizei-Inspektion Verden/Osterholz. Die Polizei versuche, durch intensive Präventionsarbeit gerade ältere Bürger über den Trick aufzuklären. "In vielen Fällen bleibt es beim Versuch, der Angerufene legt einfach auf." Ein Sprecher der Polizeidirektion Osnabrück sagte, die Datenerhebung des Innenministeriums werde derzeit analysiert.

Der Statistik zufolge ist die Masche mit den falschen Polizisten mittlerweile weiter verbreitet als der sogenannte Enkeltrick. Dabei täuschen die Betrüger ein Verwandtschaftsverhältnis vor, um an das Geld ihres Opfers zu gelangen. Landesweit wurden in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres 708 Fälle gemeldet, im Vorjahr waren es 770.

(dpa)