Märchen

"Etwas Besseres als den Tod" - Bremer Stadtmusikanten 200 Jahre alt

Ein Märchen feiert Geburtstag: Vor 200 Jahren wurden die "Bremer Stadtmusikanten" erstmals veröffentlicht. Dabei haben es die berühmtesten Bremer nie bis in die Hansestadt geschafft.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Es waren einmal vier Tiere: ein Esel, ein Hund, eine Katze und ein Hahn. Die hofften auf ein besseres Leben und wollten sich in einer norddeutschen Stadt einen Namen als Musiker machen. Vor genau 200 Jahren nahmen die Brüder Grimm die "Bremer Stadtmusikanten" in die zweite Ausgabe ihrer "Kinder- und Hausmärchen" auf. Seit damals hat sich das populäre Märchen in der ganzen Welt verbreitet. Kinder lieben die "Bremen Town Musicians" auf Englisch, es gibt einen Trickfilm mit den "Bremenskije Musykanty" in Russland. In Riga in Lettland türmen sie sich als Skulptur ebenso wie im japanischen Osaka.

Für die Freie Hansestadt Bremen sind die Märchenfiguren ein Wahrzeichen geworden, das überall bekannt ist und Touristen scharenweise anzieht. Zum 200-jährigen Jubiläum feiert Bremen seine tierischen Helden den ganzen Sommer lang. "Die Bremer Stadtmusikanten sind moderner als je zuvor", sagte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). "Sie symbolisieren Weltoffenheit, Solidarität, Gastfreundschaft, Kreativität und Aufbruchstimmung."

Dabei sind die Tiere, wenn man die Geschichte genau liest, nie bis Bremen gekommen. Der Esel ist müde vom Säcketragen, der Hund schwach vom Jagen, die Katze soll ersäuft werden, dem Hahn droht der Suppentopf. So fliehen die vier und erreichen nachts im Wald ein Räuberhaus. Schon das erste Konzert der Rentner-Band ist ein durchschlagender Erfolg: Die Ganoven fliehen Hals über Kopf. Und auch durch einen Gegenangriff der Räuber lassen sich die Tiere nicht mehr aus ihrer neuen Heimstatt vertreiben. Sie haben ihr Ziel erreicht.

Die Stadtmusikanten gehörten "zu den bekanntesten Märchen überhaupt der Brüder Grimm", sagte Bernhard Lauer der Deutschen Presse-Agentur. Es habe eine sehr menschliche Botschaft: "Auch die Armen, Schwachen, Vernachlässigten können sich mit Witz und Klugheit durchsetzen", meint der Geschäftsführer der Brüder-Grimm-Gesellschaft in Kassel.

Der konkrete Städtenamen in einem Märchen ist aber eine Seltenheit. Warum wollten die Tiere ausgerechnet nach Bremen? "Etwas Besseres als den Tod findest Du überall", erläutert der Esel dem Hahn eher ruppig das Endziel. "Kommt mit uns nach Bremen, etwas Besseres findet Ihr so leicht nirgends" - so die geschönte Fassung der Bremer Stadtwerbung.

"Bremen war eine Stadt der hanseatischen Freiheiten", sagte Literaturkenner Lauer. "Es hätte natürlich auch Amsterdam oder Hamburg sein können." Ausgerechnet Hamburg, die hanseatische Konkurrenz? Doch die Quellen, von denen die Brüder Grimm sich das Märchen erzählen ließen, stammten aus Ostwestfalen und Nordhessen. Von dort weserabwärts war Bremen die nächstgelegene freie Hansestadt.

Und so kamen die Tiere doch noch nach Bremen bis neben das Rathaus. An der Skulptur des Bildhauers Gerhard Marcks (1889-1981) stehen Touristen Schlange, um sich fotografieren zu lassen. Die Hufe des Esels sind blank gewienert; es soll Glück bringen, sie anzufassen. In den Souvenirläden der Böttcherstraße oder im Bummelviertel Schnoor ist dem Augenschein nach die Hälfte der Andenken den Stadtmusikanten gewidmet. Es gibt die Tierpyramide auf Bechern, Anhängern, T-Shirts und Lutschern, als Holzspielzeug und natürlich das Märchen als Buch.

Der Stadtmusikantensommer in der Hansestadt beginnt am 3. März mit einem Konzert in der Kulturkirche St. Stephani. Die Kunsthalle zeigt vom 23. März bis zum 1. September die Schau "Tierischer Aufstand. 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft". Es gibt Konzerte, Straßentheater, ein Stadtmusikantenfest und den neuen Animationsfilm "Die sagenhaften Vier". Auch die Grimm-Gesellschaft erinnert an das Jubiläum mit einer Ausstellung ab 2. Mai in Kassel. Sie soll später durch Deutschland wandern und eventuell auch in Japan gezeigt werden.

(dpa)