Apothekensterben

Etwa jede zehnte Apotheke ist in Niedersachsen verschwunden

Die Zahl der Apotheken sinkt in Niedersachsen laut Apothekerkammer Niedersachsen in den letzten zehn Jahren kontinuierlich. Waren es 2009 noch 2.113 Apotheken im Land, waren es Ende 2018 nur noch 1.903 Apotheken. Ein Grund dafür ist der Konkurrenzkampf zu Online-Apotheken. Und der kann sich mit dem elektronischen Rezept ab 2020 noch verschärfen.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Seit 2009 haben jedes Jahr in etwa 20 Apotheken geschlossen, das ist in etwa jede zehnte Apotheke in Niedersachsen. Gründe sind die wachsende Konkurrenz durch europäische Versandapotheken, der Fachkräftemangel und die Rahmenbedingungen, die zunehmend für die Betreiber die Kosten in die Höhe steigen lassen.

Die meisten Apotheken haben in den letzten zehn Jahren im Raum Hannover, Osnabrück und Hildesheim geschlossen. Dabei sind es weniger die Apotheken auf dem Land, die schließen. Vielmehr sinkt die Zahl überdurchschnittlich in den mittelgroßen Städten. Und der Kampf der Apotheken kann sich ab 2020 weiter verschärfen. Dann wird das elektronische Rezept, das E-Rezept, in Deutschland eingeführt. Die Prognose: Die Zahl der Vor-Ort-Apotheken könnte um über 7.000 Apotheken zurückgehen.

Studie zum Apothekensterben

Die E-Rezept-Studie der Marketingberatung Dr. Kaske schafft jetzt Klarheit. "Für die Studie haben wir über 5.000 Verbraucher, 235 Apotheken und 107 Hersteller befragt und Marktprognosen aufgestellt. Die Studie gibt Auskunft zum aktuellen Meinungsbild in Deutschland.

Online-Apotheken sehen im E-Rezept eine einmalige Chance und können die Ablösung des Papierrezepts kaum erwarten. Laut Dr. Kaske ist ein zunehmendes Wachstum der Onlinebestellungen anzunehmen, was drastische Auswirkungen haben könnte: "Bis 2030 könnte jede dritte Offizin-Apotheke schließen" so die Studienautoren. Konkret bedeutet das, dass es in zehn Jahren nur noch 11.871 Apotheken in Deutschland geben könnte.

Apotheken als Rezepturarzneimittel-Hersteller unverzichtbar

Im Jahr 2018 haben die öffentlichen Apotheken rund 6,1 Millionen so genannte allgemeine Rezepturen, wie z. B. Kapseln oder Salben, für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hergestellt. Das ergab eine Auswertung von Verordnungen durch das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut e. V. (DAPI).

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 (Foto: pa/obs ABDA Bundesvgg. Dt. Apoth)

Rezepturarzneimittel sind in vielen Fällen unersetzlich, zum Beispiel wenn ein Kind ein Medikament in einer Dosierung braucht, für die es kein industriell hergestelltes Arzneimittel gibt. Dr. Andreas Kiefer, Vorstandsvorsitzender des DAPI und Präsident der Bundesapothekerkammer, erklärt: "Rezepturen schließen Versorgungslücken. Sie sind und bleiben eine notwendige Ergänzung zu industriell hergestellten Arzneimitteln. Darauf können und sollen unsere Patienten nicht verzichten."

Mit der Herstellung von Rezepturen leisten Präsenz-Apotheken einen wichtigen Beitrag zur Arzneimittelversorgung. Kiefer: "Zeitnah Kapseln oder Zäpfchen anfertigen - das geht nur in der Apotheke vor Ort. Der Prozess ist für die Apotheke aufwändig, und der Zeitaufwand wird nicht angemessen honoriert. Die Rezepturherstellung gehört für die wohnortnahen Apotheken aber zu den so genannten 'Gemeinwohlpflichten', die von ausländischen Arzneimittelversendern oft nicht erfüllt werden."

(mit Material der dpa)