Wieder aufgetaucht

Die versunkene Stadt Schulenberg

Vor über 60 Jahren wurde das niedersächsische Schulenberg nach dem Bau der Okertalsperre geflutet. Jetzt ist die Ortschaft aufgrund des heißen Sommers 2018 wieder aufgetaucht. Antenne-Reporter Daniel Flüß war vor Ort, um sich ein Bild von den Ruinen der Stadt zu machen.


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Antenne-Reporter Daniel Flüß befindet sich an den Ruinen von Schulenberg an der Okertalsperre

"Ich fühle mich wieder in den Geschichtsunterricht zurückversetzt. Unser Lehrer hatte uns damals Dias gezeigt, wie Schulenberg früher ausgesehen hat, aber ich erkenne es nicht wirklich wieder." Das sagt mir Jonas, während ich zusammen mit ihm den Abstieg Richtung Stausee wage. Vorsichtig geht es über einen zugewachsenen Trampelpfad und die steinerne Böschung bis der Boden zu schlammig wird.

Der Anblick auf den Stausee ist in diesen Tagen außergewöhnlich. Denn Teile der Stadt Schulenberg liegen wieder auf dem Trockenen - nach über 60 Jahren. Damals war der Ort nach dem Bau der Okertalsperre geflutet worden. Die Anwohner zogen auf den "Kleinen Wiesenberg" um. Nach dem sehr trockenen Jahr 2018 ist die Okertalsperre aktuell nur noch zu ca. 20 Prozent gefüllt. Probleme bei der Trinkwasserversorgung gebe es aber nicht. "Der wichtigste Speicher dafür ist die Granetalsperre", sagten mir die Harzwasserwerke. Die Wasserversorgung für die nächsten Monate sei gesichert.

Antenne-Reporter Daniel Flüß an den Ruinen von Schulenberg

Zusammen mit anderen Schaulustigen bin ich an der "Schlammgrenze" angekommen und schaue mich um. Die Umgebung des halbleeren Stausees wirkt wie eine Mondlandschaft. Es ist still. Der Nebel zieht in dichten Schwaden über den ausgetrockneten See.

Ruinen als Foto-Objekte

Mit bloßem Auge erkennen wir einen gepflasterten Weg und einen alten, verrosteten Gullydeckel. Auf dem verschlammten Boden sind Linien zu erkennen, die wie mit dem Lineal gezogen scheinen. "Das sind garantiert die alten Grundstücke", erklärt mir einer der Anwohner. Beliebtestes Foto-Objekt sind die Überreste eines alten Gehöftes. Die ehemals roten Ziegel sind inzwischen pechschwarz. Wir erkennen einen Kelleraufgang, in dem noch braunes Wasser steht. Links daneben befindet sich eine Garagenauffahrt. Weiter abwärts liegen ein kaputtes Ruderboot und Scherben eines roten Tongefäßes.

Es sind einmalige Bilder, die in diesen Tagen am Stausee zu sehen sind. Denn niemand kann sagen, wann Schulenberg wieder in der Okertalsperre versinken wird.

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