Dahlenburg

Die Göhrdeschlacht wird erneut gefochten

Ein berühmtes Gefecht von 1813 wird alle zwei Jahre nachgestellt, mehr als tausend Soldaten fielen damals. Unter den Toten war auch eine Frau - die "preußische Jeanne d'Arc" hatte sich etwas einfallen lassen, um am Kampf gegen Napoleons Truppen teilnehmen zu können.


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 (Foto: picture alliance / Philipp Schul)

Hunderte Soldaten samt Pferden und Kanonen treffen am Wochenende in der Göhrde östlich von Lüneburg aufeinander. Bis zu 350 Darsteller aus mehreren europäischen Ländern werden dann am Samstag und Sonntag am Originalschauplatz die Göhrdeschlacht von 1813 bei Lüben nachstellen, das berühmte Gefecht aus den napoleonischen Befreiungskriegen. Gezeigt wird der Kampf einer Allianz von Preußen, Engländern und Russen gegen die Franzosen.

"Es geht uns dabei nicht um die Verherrlichung des Militärischen", betonte Organisator Markus Dauber von der Samtgemeinde Dahlenburg. "Bei diesem Reenactment geht es um einen Teil der europäischen Geschichte", sagte er. "Aus Feinden wurden später Freunde." Beim sogenannten Reenactment von Schlachten geht es um eine möglichst detailgenaue Darstellung des Geschehens, die Ausrüstung eines einzelnen Teilnehmers kann mehrere Tausend Euro kosten.

Preußische Jeanne d'Arc

Rund 12 000 alliierte Soldaten fochten am 16. September 1813 in der Göhrde gegen etwa 3000 bis 4000 Franzosen. Mehr als tausend Gefallene waren nach der Schlacht zu beklagen, darunter auch eine Frau - Eleonore Prochaska. Die 28-Jährige hatte sich als Mann verkleidet einem Freikorps angeschlossen. Musiker und Dichter haben sie danach als "preußische Jeanne d'Arc" gefeiert, auch Beethoven.

"Es war das erste siegreiche Gefecht der Nordarmee gegen die französische Besatzung", sagte Thorsten Morgendahl. Der stellvertretende Vorsitzende der Napoleonischen Gesellschaft ist am Wochenende als Soldat der Königlich-Deutschen Legion dabei. "So kann ich Geschichte nicht nur lesen, sondern hautnah erleben und den Zuschauern näherbringen", erklärte er seine Leidenschaft. "Ich bin schon fast 25 Jahre dabei."

Auch das Biwakleben wird wieder gezeigt, das Leben im Feldlager. "Wir haben in diesem Jahr ein besonders umfangreiches Rahmenprogramm", kündigte Morgendahl an. "Dazu gehören etwa Führungen übers Schlachtfeld und Vorträge über Prochaska."

Die Franzosen verloren an den Steinker Höhen eine wichtige Nachschubverbindung, in der Völkerschlacht bei Leipzig erlitten sie nur einen Monat später die entscheidende Niederlage. Das Gefecht in der Göhrde wird alle zwei Jahre nachgestellt.

(dpa)