Theater

Die Ära Merkel auf der Bühne: die Kanzlerschaft als Tragikomödie

Nach Helmut Kohl und Donald Trump bekommt jetzt auch Angela Merkel ein eigenes Theaterstück. Die ewige Kanzlerin ist zwar die Hauptfigur. Im Mittelpunkt steht jedoch die Politikverdrossenheit der Bürger. Eine Tragikomödie über unsere Demokratie.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Nüchtern, ruhig und überlegt - so kennt man Angela Merkel. Als Autorin Katja Hensel den Auftrag bekam, ein Theaterstück über die Kanzlerin zu schreiben, war sie zunächst skeptisch. "Erst habe ich gedacht, sie ist doch keine theatralische Figur." Doch umso länger sie sich mit der Kanzlerin beschäftigte, umso spannender fand Hensel sie. "Sie überrascht permanent. Es gibt so viele Facetten an dieser Frau, die im Unklaren bleiben."

Nach monatelanger Arbeit hat Hensel das Stück "Angela I." fast fertig geschrieben. Die Bremer Shakespeare Company hat bereits mit den Proben begonnen. Für Ende Februar ist die Uraufführung geplant. Noch fehlt das Ende des Stückes. Doch darüber ist Hensel ganz froh, da sich politisch in den vergangenen Monaten viel verändert hat wie Merkels Rückzug als CDU-Vorsitzende. "Manches habe ich wieder komplett neu geschrieben."

Das Leben und die Karriere von Politikern gab schon immer viel Stoff für Theater und Film her. So brachte das Mannheimer Nationaltheater gerade eine Charakterstudie über Altkanzler Helmut Kohl auf die Bühne. An US-Präsident Donald Trump haben sich unter anderem Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und Oscar-Preisträger Michael Moore in Theaterstücken abgearbeitet. Auch über Willy Brandt, Winston Churchill und Magaret Thatcher gibt es diverse Werke.

"Angela I." verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. Die Kanzlerin ist zwar die Hauptfigur, ihre Biografie spielt darin aber keine Rolle. In dem Stück geht es um grundsätzliche Fragen wie Macht, Politikverdrossenheit und die Entfernung zwischen Politikern und Bürgern. "Es richtet den Blick auf das Volk", erläutert Regisseur Stefan Otteni. Und Hensel ergänzt: "Woher kommt es, dass ein Volk sagt, es werde nicht abgeholt - so als würde es an einer Bushaltestelle stehen? Was ist das für ein Politikverständnis?"

All das will Hensel anhand der ewigen Kanzlerin Angela Merkel demonstrieren - ganz nach dem Vorbild Shakespeares, der stets über eine Figur die Realität erzähle, betont Otteni. An einer Wand im Probenraum hängen zahlreiche Fotos von Merkel: als Kind, als Jugendliche, als Politikerin bei verschiedenen Anlässen. Eins zeigt sie und ihren Mann beim Baden. "Wo ist eigentlich Joachim Sauer?", fragt eine Schauspielerin, während das Ensemble über den Text spricht.

In Hensels Stück spielt dieser genauso wenig eine Rolle wie Noch-CSU-Chef Horst Seehofer. Angela Merkel ist die einzige, die als konkrete Person auf der Bühne stehen wird. Neben ihr werden drei fiktive Politiker, Personal aus dem Bundestag und Kinder aus der Bundestagskita auftreten. Gespielt werden diese von sechs Schauspielerinnen und Schauspielern, die in schnellen Wechseln zwischen den Rollen hin- und herspringen. "Am Schluss weiß man gar nicht, ob jetzt der Politiker spricht oder das Kind", sagt Otteni.

Über solche Szenen kann man lachen oder weinen. Deshalb hat Hensel "Angela I.»"auch als Tragikomödie angelegt. "Es ist ein Ausloten der Ära Merkel. Es geht nicht darum, sie auf ein Podest zu heben. Aber es ist auch kein Politikerbashing." Für das etwa zwei Stunden lange Stück hat die Autorin zahlreiche Interviews mit Merkel gelesen und geguckt sowie mit Leuten aus dem Bundestag gesprochen. Mit der Kanzlerin selbst aber nicht.

"Wir werden sie natürlich zur Premiere einladen", verspricht Otteni und fügt gleich hinzu, dass die Shakespeare Company das Stück länger im Programm haben werde - falls sie erst nach Ende der Ära Merkel Zeit für einen Theaterbesuch finde.

(dpa)