Hasenbestand stabil

Den Hasen hat das trockene Frühjahr gut getan

Kurz vor Ostern veröffentlichen die Jäger das Ergebnis ihrer Hasen-Zählungen - der Bestand in Niedersachsen ist stabil. Das Wetter hat es zumeist gut gemeint mit den empfindlichen Junghasen, doch auch die Politik sollte etwas tun, fordern die Jäger.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Einzeln im Gras liegend warten die Junghasen auf ihre Mutter. Kurz kommt sie zum Säugen, dann verschwindet sie wieder. Für die kleinen Feldhasen können nicht nur Füchse und andere Räuber gefährlich werden. Ganz wichtig ist das Wetter - anders als bei den Kaninchen gibt es keinen schützenden Bau. Ist es nass und kalt, so sterben viele Junghasen an Krankheiten oder sie erfrieren, vor allem im Frühjahr. Doch im vergangenen Jahr hat der trockene und warme Frühling den Feldhasen gut getan, glaubt man der Zählung der Jäger.

Elf Hasen tummeln sich im Durchschnitt auf Niedersachsens Feldern und Wiesen pro Quadratkilometer. "Damit ist der Hasenbesatz konstant geblieben", sagte Florian Rölfing, Sprecher der Landesjägerschaft (LJN) in Hannover. Rechtzeitig vor Ostern veröffentlichte der Landesjagdverband am Donnerstag die Zahlen aus der Wildtiererfassung Niedersachsen. Dabei gab es regional wie in den Jahren zuvor große Unterschiede. So wurden im Norden und Nordwesten bis zu 75 Feldhasen pro Quadratkilometer erfasst, im waldreichen Süden waren es bei den Zählungen vom vergangenen Frühjahr wieder deutlich weniger.

Lebensräume werden seltener

Hasen seien unter anderem auf abwechslungsreiche Lebensräume und genügend Rückzugsmöglichkeiten sowie nahrhafte Wildkräuter angewiesen, hieß es. "Diese Lebensräume werden zusehends seltener. Hier ist die Politik gefordert, Anreize für eine wildtierfreundliche Landwirtschaft zu schaffen", sagte LJN-Präsident Helmut Dammann-Tamke. Die Förderung etwa von Blühstreifen und die Entbürokratisierung bei entsprechenden Anträgen kämen nicht nur dem Hasen, sondern vielen anderen frei lebenden Arten zugute.

"Stimmen die politischen Rahmenbedingungen, sehen wir solche artenreichen Rückzugsbereiche sicher wieder häufiger in der Landschaft", meinte Dammann-Tamke. Bei der Neuausrichtung der Europäischen Agrarpolitik GAP nach 2020 bestehe die große Chance, Förderfehler der Vergangenheit zu revidieren.

Junghasen profitierten vom guten Wetter

"Das Wetter ist im vergangenen Jahr durchaus hasenfreundlich gewesen", sagte LJN-Sprecher Rölfing. Die Junghasen hätten vor allem vom warmen und trockenen Frühjahr profitiert. Bundesweit wurden nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes (DJV) durchschnittlich sogar zwölf Feldhasen pro Quadratkilometer Offenland gezählt, einer mehr als im Jahr zuvor, wie DJV-Sprecher Torsten Reinwald mitteilte. Damit sei der Bestand bundesweit seit rund zehn Jahren stabil, wenn auch auf niedrigem Niveau. "Nach dem zurückliegenden milden Winter stehen die Chancen gut, dass sich die Feldhasenbestände 2019 weiter erholen", sagte Reinwald. "Entscheidend ist ein trockenes Frühjahr."

Und sind die Jäger selbst des Hasen Tod? "Die Jagd ist dort, wo ausreichend Feldhasen gezählt wurden, keine Bedrohung für die Tiere", sagt Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg. "Seit den 1960er Jahren haben sich aber die Lebensräume für die Hasen drastisch verschlechtert", beklagt auch er. Es fehle an Deckung und unbearbeiteten Flächen. "Vor allem Junghasen laufen so Gefahr, unter die Räder von Landmaschinen zu kommen", sagte der Wildbiologe. "Der Feldhase ist ein Kulturfolger und läuft nicht Gefahr auszusterben."

(dpa)