Hygiene in Gaststätten

Dehoga gegen Neuauflage des "Hygiene-Barometers"

2017 scheiterte das Hygiene-Barometer in Niedersachsen. Nur vier Prozent aller Betriebe wollten freiwillig ihre Kontrollergebnisse veröffentlichen. Der Dehoga-Landesverband befürchtet nun eine Neuauflage.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Die Hotels und Gaststätten in Niedersachsen wollen anders als die Verbraucherschutzminister keine Neuauflage des Hygiene-Barometers. "Weder die Betriebe noch die Verbraucher haben gesagt: Das bringt was für uns", sagte der Hauptgeschäftsführer des Dehoga-Landesverbands Niedersachsen, Rainer Balke, der Deutschen Presse-Agentur. Auch ein neuer "Hygieneführerschein" für das Gastgewerbe stößt beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sauer auf.

Diesen Nachweis sollen Unternehmer im Gastgewerbe dann erbringen, wenn sie kein Lebensmittelhandwerk erlernt haben. "Warum muss nur das Gastgewerbe und nicht etwa Bäckereien, Metzgereien oder auch die lebensmittelverarbeitende Industrie ran?", fragte Balke. Die Hotels und Gaststätten würden jährlich ohnehin vom Veterinäramt geprüft. "Wir schreien jeden Tag nach Bürokratieabbau und das hier treibt uns die Schweißperlen auf die Stirn."

Während einer Pilotphase zwischen April und Oktober 2017 wurde das Hygiene-Barometer in Braunschweig und Hannover getestet - mit mäßigem Erfolg: Nur vier Prozent der Betriebe hatten nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums Niedersachsen ihre Kontrollergebnisse freiwillig veröffentlicht.

Die Verbraucherschutzminister hatten sich bei ihrer Konferenz im Juni unter anderem für einen neuen Hygienekundenachweis und eine Regelung über die Veröffentlichung der Kontrollen ausgesprochen. Der Bund solle nun entscheiden, wie das Vorhaben bundesweit geregelt werden kann.

Am heutigen Montag treffen sich rund 250 Dehoga-Delegierte in Osnabrück. Auf dem niedersächsischen Landesverbandstag sollen aktuelle Themen wie das Hygiene-Barometer, die Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit oder der Fachkräftemangel angesprochen werden.

Nach Ansicht des Landwirtschaftsministeriums in Hannover wollen die Länder keine reine Neuauflage des Hygiene-Barometers. "Bei der Ausgestaltung eines bundeseinheitlichen Systems sollen Erfahrungen mit Ländermodellprojekten berücksichtigt werden", hieß es auf Anfrage.

Eine Ministeriumssprecherin verteidigte die Idee eines "Führerscheins", mit dem Hygienekenntnisse dokumentiert werden sollen. Denn anders als bei der Ausbildung in einer Metzgerei oder einer Bäckerei sei der Nachweis solcher Kenntnisse bisher keine Voraussetzung, um eine Gastwirtschaft zu führen.

(dpa)