Angeln in Niedersachsen

"Da fängt man inzwischen fast immer was"

Lange war das Angeln in Werra und Oberweser keine Freude. Schuld war das viele Salz aus dem Kalibergbau. Die Probleme sind zwar noch nicht komplett beseitigt. Aber Angeln macht dort wieder Spaß - meistens.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

"Am liebsten komme ich jeden Tag her", sagt Aik Boymann. Er zurrt seine wasserdichte Anglerkleidung zurecht, schnappt sich die knapp ein Meter lange Rute, ein paar selbst gebastelte Fliegen und begibt sich zu dem schnell strömenden knietiefen Wasser der Werra unterhalb des historischen Nadelwehrs in Hann. Münden. Der Vorsitzende der "Fischfreunde zu den drei Strömen" ist begeisterter Angler. "Am besten beißen sie da hinten", sagt Boymann und zeigt auf die Stelle, wo der Nebenarm der Werra in den Mühlenarm der Fulda mündet. "Da fängt man inzwischen fast immer was: Forellen, Barsche, auch Döbel."

Das war nicht immer so. Ende des 20. Jahrhunderts war die Werra wegen der extremen Salzeinleitungen vor allem aus dem Kalibergbau der damaligen DDR ökologisch so gut wie tot. Zeitweise hatte der Fluss einen höheren Salzgehalt als die Nordsee. In der Spitze wurden Chlorid-Konzentrationen von bis zu 40 000 Milligramm je Liter gemessen. Er sei damals zwar noch ein Kind gewesen, sagt der 42-jährige Boymann. Er könne sich aber noch gut erinnern, dass nur selten ein Fisch am Haken hing.

Bedingungen für Fische hat sich verbessert

Das ist heute anders. "Die Bedingungen für die Fische haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, weil viel weniger Salz im Wasser landet", sagt der Vorsitzende von rund 300 Hann. Mündener Anglern, deren Revier jeweils fünf Kilometer werra- und fuldaauf- sowie fünf Kilometer weserabwärts reicht.

"Die Zahl der Angler an der Oberweser hat in den vergangenen Jahren erkennbar zugenommen", sagte die Geschäftsführerin des Weserbergland-Tourismus, Petra Wegener. "Wenn man zum Beispiel auf dem Weser-Radweg unterwegs ist, kann man sie an vielen Stellen am Ufer sitzen sehen." Diese Entwicklung hänge eindeutig mit der verbesserten Wasserqualität zusammen.

Auch die Gemeinschaft der Anrainerländer von Werra und Weser hatte sich jüngst positiv über die Fortschritte bei der Verringerung des Salzgehalts geäußert. In Zahlen: An der unweit von Hann. Münden gelegenen Station im hessischen Blickershausen wurden zuletzt im Schnitt rund 1000 Milligramm Chlorid registriert, rund 40 Mal weniger als in der schlimmsten Zeit.

Und unterhalb des Zusammenflusses von Werra und Fulda zur Weser lag der Chloridgehalt zuletzt bei etwa 500 Milligramm. Die Belastung ist damit nach Angaben des niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) fünfmal niedriger als in den 80er Jahren, allerdings immer noch zu hoch. Denn nach wie vor leitet die Kaliindustrie Salz in den Fluss, wenn auch weniger als früher. Dennoch seien viele Süßwasserorganismen und auch Fischarten zurückgekehrt.

Anzahl der Fische und Arten hat sich vermehrt

"Es gibt sehr viel mehr Fische als früher", sagt Angler-Chef Boymann. Bei der jüngsten Untersuchung des NLWKN wurden in der Oberweser 23 Fischarten festgestellt, darunter Brasse, Fluss- und Kaulbarsch, Hecht, Rapfen und Zander. In der Werra waren es elf Arten, darunter Aal, Barbe, Rotfeder, Gründling und Koppe.

Boymann hofft noch auf einen ganz anderen Fisch: Er würde am liebsten als erster Angler in Hann. Münden nach Jahrzehnten wieder einen Lachs fangen. Daraus dürfte jedoch zumindest vorerst nichts werden. Selbst wenn die Wasserqualität sich weiter verbessern sollte, könnten Lachse aus dem Meer kommend in der Weser nicht bis Hann. Münden aufsteigen, meint der Angler. "Dazu gibt es für Wanderfische noch zu viele Hindernisse."

Deshalb bleibt es wohl vorerst dabei, dass Boymann meistens Forellen angelt. Dass an diesem Abend daraus nichts wird, hat einen natürlichen Grund: Wegen eines urplötzlich aufziehenden Gewitters muss der Fliegenfischer an Land bleiben. "Im Wasser ist es einfach zu gefährlich."

(dpa)