Musik

Chöre freuen sich über Zulauf

Singen ist angesagt, aber nicht unbedingt im klassischen Gesangverein. Der Trend geht zu kleineren Ensembles. Weniger gut geht es da anderen Chören.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

Niedersachsens Chöre brauchen sich über fehlenden Zulauf nicht zu beklagen. Im Gegenteil: "Es wird wieder mehr gesungen", sagt der Generalsekretär des Landesmusikrats, Hannes Piening. Alleine in den großen Chor-Verbänden seien nach einer aktuellen Erhebung derzeit zusammen mehr als 1.500 Ensembles organisiert. Der Landesmusikrat repräsentiert als Dachorganisation die niedersächsische Musikkultur. Mehr als 50 Landesverbände, Landesgruppen und Institutionen sind dort mit zusammen mehr als einer halben Million Bürgern zusammengeschlossen, die sich in Niedersachsen professionell oder als Laien mit Musik befassen.

"Die Zahl der Chöre ist gestiegen", bestätigt der Ehrenpräsident des Niedersächsischen Chorverbands, Wolfgang Schröfel. Der klassische Gesangverein habe zwar zu knapsen, weil neue Mitglieder ausblieben. "Wir haben aber immer mehr Ensembles, die sich für einzelne Projekte bilden", sagt Schröfel. Alleine in seinem Verband seien inzwischen mehr als 450 Chöre zusammengeschlossen. Das sind rund 50 mehr als das Statistische Bundesamt in seinem Jahrbuch für den niedersächsischen Ableger des Deutschen Chorverbands für 2017 angeführt hat.

Ähnliche Beobachtungen hat auch Christiane Hrasky gemacht: "Die Chor-Branche boomt", sagt die ehemalige Landeskantorin des evangelischen Chorverbands Niedersachsen Bremen, die seit dem Sommer in gleicher Funktion für die Nordkirche aktiv ist. Die Szene wachse nicht nur, sie verändere sich auch.

Ein Grund dafür: "Singen ist nicht mehr peinlich", sagt Hrasky. Dazu hätten auch Fernsehformate wie "Deutschland sucht den Superstar" und andere Casting-Shows beigetragen. Man müsse derartige Sendungen zwar nicht mögen. Aber bei vielen jungen Menschen hätten sie die Lust am Singen geweckt, sagt die Landeskantorin. Die Folge seien auch neue Projekt-, Jugend- und Kinder-Chöre. Zudem gebe es immer mehr Singkreise, in denen sich Musik-Begeisterte zusammenschließen. "Sie singen zusammen, ohne große Auftritts-Ambitionen", sagt Hrasky.

"Vor allem bei jüngeren Menschen gehe der Trend hin zu kleineren Formaten, zu Vokal-Ensembles mit maximal 15 Leuten, die dann zum Beispiel Pop, Jazz oder Gospel singen", stellt Generalsekretär Piening fest. Der Landesmusikrat habe eine rege Szene, die tendenziell immer größer werde. Konkrete Zahlen dazu gebe sich es allerdings nicht. Verbands-Ehrenpräsident Schröfel hat dafür eine Erklärung: "Viele dieser Chöre sind nicht in Verbänden organisiert."

Weniger gut als für andere Teile des Szene sieht es nach Einschätzung des Landesmusikrats für klassische Kammerchöre und große Ensembles aus. "Dort geht das Interesse zurück", sagt Piening.

(dpa)