Ausblick

Brexit: Mögliche Folgen für Niedersachsen

Seit gut eineinhalb Jahren laufen die Verhandlungen über einen Brexit. Nach der Ablehnung des Ausstiegsabkommens durch das britische Parlament ist noch unklar, wie es nun weitergeht. Fest steht jedoch, auch für Niedersachsen hätte ein Brexit Folgen - egal ob geordnet oder ungeordnet.


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 (Foto: Delphotostock - stock.adobe.com)

Der 23. Juni 2016 ist das Datum, das das bisherige Zusammenleben der EU-Staaten verändert hat. Denn vor rund eineinhalb Jahren haben knapp 52 Prozent der britischen Wähler in einem Referendum dafür gestimmt, dass Großbritannien die Europäische Union verlassen soll. Seitdem laufen die Verhandlungen über den Ausstieg Großbritanniens aus der EU.

Nach der Ablehnung des Brexit-Deals am 15.01.19 durch das britische Parlament ist noch unklar, wie es nun weitergeht. Fest steht jedoch, auch für Niedersachsen hätte ein Brexit Folgen - egal ob geordnet oder ungeordnet.

Wie sich der Ausstieg auf Niedersachsen und auf euch Bürger auswirken könnte, skizzieren wir für euch.

Mögliche Folgen für Niedersachsen

Gerade für Niedersachsen und auch für Schleswig-Holstein würde sich ein Brexit massiv auf die Hochseefischerei auswirken, da sich die Gebiete der Fischfanggründe ändern würden. 100 Prozent der Heringe, die von deutschen Fischern gefangen werden, werden in britischen Gewässern gefischt. Für die Fischer wäre das eine Katastrophe. "Uns wird gesagt, dass wir uns als Fischer auf einen Brexit vorbereiten sollen, aber das können wir nicht. Wenn der Hering nur in den britischen Gewässern schwimmt, dann gibt es nichts vorzubereiten. Entweder wir können da fischen oder eben nicht", erklärt Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer der Kutterfischzentrale in Cuxhaven. Da es keine alternativen Heringsrouten z.B. im Atlantik gibt, bleibt den Fischern nichts anderes übrig, als die Entscheidung des britischen Unterhauses abzuwarten.

Im Falle eines ungeordneten Brexits würde Großbritannien ab dem 29. März 2019 allein bestimmen, wer in den eigenen Gebieten fischen darf. Die Fischfanggebiete erstrecken sich von der Küste Großbritannines bis 200 Seemeilen in Richtung Meer. Das wären rund 4.115 Fußballfelder hintereinander gereiht.

Bei einem geordneten Brexit hätten Großbritannien und die EU-Länder bis Ende 2020 Zeit, über ein Fischereiabkommen zu verhandeln.

Antenne Niedersachsen-Reporter Kai von Häfen hat Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer der Kutterfischzentrale in Cuxhaven besucht und zur Situation der niedersächsischen Fischer im Falle eines Brexit befragt.

Was bedeutet der Brexit für die niedersächsischen Bürger?

Sollte der Brexit eintreten, könnten viele Errungenschaften der EU für Bürgerinnen und Bürger aus EU-Ländern, die nach Großbritannien reisen wollen, hinfällig sein. Dazu zählen bspw. wieder eingeführte Passkontrollen und damit verbundene längere Wartezeiten an Flughäfen. Wenn ihr als Touristen in Großbritannien seid, würde der Europäische Führerschein vermutlich keine Gültigkeit mehr besitzen und ihr müsstet einen Internationalen Führerschein beantragen. Ebenfalls würde die Notfall-Versorgung in Krankenhäusern deutlich verkompliziert werden. Ein Beispiel, wie ein Urlaub in Großbritannien im Falle eines Brexits aussehen könnte, findet ihr beim Niedersächsischen Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten.

Werden britische Produkte teurer?

Allein durch die Zölle, die im Falle eines Brexits wieder eingeführt werden würden, würden die Preise auf britische Produkte steigen. "Die Preise werden für die jeweiligen Endverbraucher mutmaßlich steigen. Nicht nur für englische Produkte in Deutschland, sondern auch umgekehrt", erklärt Olaf Reichert, Pressesprecher des niedersächsischen Ministeriums für Bundes- und Europaangelegenheiten. "Als Liebhaber englischer Produkte, z.B. von englischer Marmelade, kann es im Falle eines Brexits außerdem dazu kommen, das die Produkte kurzzeitig nicht in unseren deutschen Geschäften vorhanden sind", so Reichert weiter.