Bremerhaven

Bremerhaven profitiert von Kreuzfahrtboom

Bremerhaven ist nach Hamburg, Warnemünde und Kiel der viertgrößte Kreuzfahrthafen in Deutschland. Jedes Jahr gehen immer mehr Passagiere an und von Bord. Davon profitiert die lokale Wirtschaft. Wirkt sich der Boom auch auf das Image der Stadt aus?


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 (Foto: picture alliance/dpa)

In diesem Jahr erwartet Bremerhaven wieder einen Rekord - nicht beim Negativ-Ranking als Stadt mit der höchsten Kinderarmut, sondern im Tourismus. Bis Ende 2019 werden rund 260 000 Passagiere in Bremerhaven von oder an Bord eines Kreuzfahrtschiffs gehen. Das sind 30 000 mehr als 2018 und 161 000 mehr als 2016. "Die Zahlen konnten in den letzten drei Jahren deutlich gesteigert werden", sagt Andrea Kamjunke-Weber vom Columbus Cruise Center Bremerhaven (CCCB).

Bremerhaven ist damit nach Hamburg, Warnemünde und Kiel der viertgrößte Kreuzfahrthafen in Deutschland. An manchen Tagen liegen bis zu vier Schiffe gleichzeitig an der Columbuskaje. Die meisten Reisen gehen Richtung Ostsee, Großbritannien oder Norwegen. Die
119 000-Einwohner-Stadt ist ein Profiteur des Kreuzfahrtbooms, dessen Ende bislang nicht absehbar zu sein scheint.

Bremerhaven im Vorteil gegenüber anderen Hafenzielen

"Bremerhaven ist ein klassischer Start- und Endpunkthafen für die Passagiere", sagt Nils Schnorrenberger, Geschäftsführer der Bremerhavener Wirtschaftsförderung BIS. Damit habe die Stadt einen entscheidenden Vorteil gegenüber Zielen wie Eckernförde, Wismar oder Sylt, die meist lediglich für Ausflüge angelaufen werden. Dort lassen die Kreuzfahrer weniger Geld.

Die Reedereien nutzten dagegen den Aufenthalt in Bremerhaven für kleine Reparaturen und um Lebensmittel an Bord zu bringen. "Die Leute reisen auch gerne schon einen Tag vor Abfahrt an, um das Schiff nicht zu verpassen", betont Schnorrenberger. Die Zahl der Übernachtungen wuchs: 2018 waren es 450 800, rund 100 000 mehr als vier Jahre zuvor - und das, obwohl der Stadt nach wie vor ein eher negatives Image anhaftet.

Unternehmen profitieren durch Kreuzfahrtboom

Laut einer Studie des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) bescherte der Kreuzfahrtboom den Unternehmen in Bremerhaven 2018 einen Umsatz von knapp 15 Millionen Euro. Damit sei die Branche ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, betonte Schnorrenberger. Allein die Passagiere gaben rund sechs Millionen Euro aus. "Natürlich profitiert unser Kreuzfahrtstandort auch davon, dass die anderen großen Häfen überlastet sind", räumt Schnorrenberger ein. "Aber Bremerhaven hat sich in den letzten zehn Jahren touristisch enorm entwickelt." Viele Kreuzfahrer nutzten einen Aufenthalt in Bremerhaven auch für einen Besuch im Klimahaus oder im Auswandererhaus.

Die Schiffe des Bonner Kreuzfahrtanbieters Phoenix Reisen fahren seit Anfang der 90er Jahre die Seestadt an. "Wir sind sehr zufrieden mit der Organisation und Abwicklung für die Schiffe und unsere Gäste", unterstreicht Sprecherin Heike Euskirchen. Am 16. August soll die Taufe des Neuzugangs MS Amera am Columbus Cruise Center mit einer großen Zeremonie gefeiert werden.

Alexis Papathanassis, Professor für Kreuzfahrt-Management und Tourismus an der Hochschule Bremerhaven, rät aber davon ab, zu sehr auf die Kreuzfahrtbranche zu setzen. Er hält Prognosen, die immer mehr Passagierzahlen vorhersehen, für unrealistisch. "Weltweit könnte das Wachstum in drei bis zehn Jahren stagnieren", sagt er. "Nichts wächst für ewig." Die Hafenstädte sollten sich deshalb ganz genau überlegen, wie viel sie in die Infrastruktur für die Kreuzfahrt investieren - und wie viel Umsatz dadurch langfristig wieder erwirtschaftet wird. "Die Stadt Bremerhaven muss sich überlegen, wie die Kreuzfahrtbranche in ihr gesamttouristisches Konzept passt."

(dpa)